• Studie: Frauen können wohl anhand der Gesichtsform eines Mannes seine sexuellen Absichten erkennen
  • Forscher der „Macquarie University“ haben dazu geforscht
  • hohe Stirn, lange Nase - was bedeutet diese Gesichtsform beim Sex?

Das Aussehen spielt eine große Rolle. Schließlich ist der erste Eindruck der, anhand dessen wir entscheiden, mit wem wir uns verabreden wollen und mit wem nicht. Durch Dating-Apps wie Tinder wurde die Beurteilung anhand eines kurzen, optischen Eindrucks sogar noch wichtiger. Während Frauen ein Bild ansehen, läuft eine unbewusste Analyse und Entscheidung ab, das haben jetzt Forscher*innen der „Macquarie University“ herausgefunden.

Gesichtsform verrät die Lust auf Gelegenheitssex

Die Forscher*innen haben untersucht, welche Informationen unsere Gesichter über uns enthalten und ob Menschen des anderen Geschlechts Informationen über uns aus einem Foto ableiten können. Die Erkenntnis der Forschenden: Die Gesichtsform von Männern scheint ein zuverlässiges Indiz für die sogenannte „Soziosexualität“ zu sein.

Unter „Soziosexualität“ verstehen die Wissenschaftler*innen den Grad der Offenheit der Menschen für Gelegenheitssex. Ihre Erkenntnisse veröffentlichten sie in dem Fachmagazin „Evolution and Human Behavior“. In der Studie wurde deutlich, dass Frauen die sexuelle Neigung eines Mannes allein anhand der Form seines Gesichts vorhersagen können.

"Wir waren zunächst aus rein akademischer Sicht an dem Ergebnis interessiert", erklärte der Studienautor Ian D. Stephen, leitender Professor für Psychologie an der Macquarie University in Australien. "Evolutionspsychologen gehen davon aus, dass die Anziehung ein Mechanismus ist, um gesunde, fruchtbare und passende Partner zu finden. Wenn das stimmt, müssen zwei Dinge zutreffen: Es muss Hinweise in unseren Gesichtern und Körpern geben, die Aspekte der Physiologie und der Psychologie widerspiegeln, und es muss Mechanismen in unseren Gehirnen geben, die diese Informationen aus den Hinweisen extrahieren und zur Bildung von Eindrücken nutzen können."

Gesichter verraten, was Männer für Sex wollen

In der Studie der Wissenschaftler*innen wurden 103 freiwillige junge Menschen untersucht. Zunächst mussten sie einen Fragebogen zur ihrer Soziosexualität ausfüllen. Mit diesem wurde dann gemessen, wie offen eine Person für eine zwanglose sexuelle Beziehung ist. Anschließend wurden 65 verschiedene Freiwillige gebeten, die Bilder der Testpersonen anzuschauen und zu erraten, inwieweit die Person bereit ist, sich auf eine sexuelle Beziehung einzulassen.

Die Forscher*innen stellten fest, dass Frauen in der Lage waren, die Soziosexualität der Männer auf den Bildern den Angaben der zuvor von den Männern ausgefüllten Fragebögen zuzuordnen. Sie erkannten also allein anhand des Gesichts eines Mannes, ob er eher auf Gelegenheitssex, oder auf eine langfristige Beziehung aus war.  Auffällig war für die Expert*innen, dass eine erhöhte Soziosexualität bei Männern mit längeren Gesichtern, höherer Stirn, längeren Nasen und größeren Augen in Verbindung gebracht wurde.

"Es stellte sich heraus, dass Frauen wirklich gut einschätzen können, ob Männer nur an kurzfristigen, unverbindlichen Beziehungen interessiert sind", schilderte Co-Autor Joe Antar in einer Pressemitteilung. "Das ist eine wirklich wertvolle Fähigkeit, da sie es den Frauen ermöglicht, unbewusste Entscheidungen darüber zu treffen, welche Männer entsprechend ihrer Beziehungsziele gut zu ihnen passen würden.“

Was die Gesichtsform über die Lust auf Sex  verrät 

Bei den Männern sah es anders aus. Die meisten von ihnen dachten zwar, sie könnten die Soziosexualität erkennen, aber sie schnitten nicht besser ab als bei einer zufälligen Beurteilung der Teilnehmenden.  

"Wir alle fällen eine Menge Urteile über Menschen, indem wir sie einfach nur ansehen. Einige dieser Urteile sind sehr genau - zum Beispiel können wir mit einer Genauigkeit von mehr als 99,9 Prozent beurteilen, ob ein Gesicht männlich oder weiblich ist, selbst wenn wir die Haare, das Make-up, den Schmuck, die Gesichtsbehaarung usw. nicht sehen können.

Andere Beurteilungen, wie z. B. die Persönlichkeitsmerkmale von Menschen, scheinen weit weniger eindeutig zu sein. Unsere Forschung deutet darauf hin, dass zumindest einige dieser Einschätzungen zutreffend sind", erklärte Ian Stephen gegenüber PsyPost

Testosteron verantwortlich für Sexualtrieb?

Die Identifikation der besonderen Gesichtsmerkmale interpretierte der leitende Wissenschaftler Ian Stephen mit dem Sexualhormon Testosteron. „Wir vermuten, dass es etwas mit dem Testosteronspiegel zu tun haben könnte - Menschen mit einem höheren Testosteronspiegel sehen maskuliner aus und neigen dazu, maskulinere Persönlichkeits- und Verhaltensmerkmale zu zeigen. Dies würde auch erklären, warum es nur in männlichen Gesichtern vorkommt. Allerdings liegen uns keine Testosteronmessungen der Teilnehmer unserer Studie vor, sodass wir es noch nicht mit Sicherheit sagen können.“

Trotzdem sei das Forschungsergebnis kein Anlass dazu, Menschen oberflächlich zu beurteilen, hält der Leider der Studie fest. „Die Ergebnisse bedeuten nicht, dass man das alte Sprichwort ‚Beurteile ein Buch nicht nach seinem Umschlag‘ über Bord werfen sollte“, sagte er.

"Diese Studie deutet zwar darauf hin, dass an unserem ersten Eindruck etwas Wahres dran sein könnte, aber wir können viel mehr Informationen über die Persönlichkeit von Menschen erhalten, wenn wir mit ihnen sprechen und ihr Verhalten beobachten. Ich würde also nicht empfehlen, vorschnelle Urteile über Menschen zu fällen, nur weil sie so aussehen."