Generell unterliegen absolute Grundnahrungsmittel wie Brot, Butter, Milch und Kartoffeln dem ermäßigten Steuersatz von bisher sieben Prozent. Doch wieso bezahlen wir beim Kauf einer normalen Kartoffel weniger Mehrwertsteuer als bei einer Süßkartoffel? Bereits in der Vergangenheit wurde immer wieder über die ermäßigten Mehrwertsteuersätze diskutiert. Teils absurde Ausnahmen lassen uns auch jetzt zur Mehrwertsteuersenkung wieder staunen.

Der reduzierte Mehrwertsteuersatz wurde 1968 eingeführt. Damit sollte eigentlich nicht mehr als das Existenzminimum privilegiert werden. Es geht um subventionierte Produkte, die dem Gemeinwohl dienen - wie Lebensmittel, Bücher oder Zeitungen, aber auch Leistungen im öffentlichen Nahverkehr oder Kulturangebote.  Mit sieben Prozent liegt der ermäßigte Satz weit unter dem Regelsatz von 19 Prozent.

Kurios und absurd - reduzierte Mehrwertsteuer bei Lebensmitteln

Was Lebensmittel angeht, unterscheidet Deutschland steuerlich vor allem zwischen Grundnahrungsmitteln, Luxusgütern und verarbeiteten Produkten. Dies wird sich auch in Zukunft nicht ändern, trotz Preissenkung. Die neue Steuerregelung bezweckt allerdings eine Minderung der beiden Prozentangaben. Somit werden zum 1. Juli 2020 alle Produkte, die bisher einem Steuersatz von sieben Prozent unterlagen, auf fünf Prozent gesenkt. Alle Produkte mit bisherigen 19 Prozent können Verbraucher bis Ende des Jahres mit 16 Prozent Mehrwertsteuer erwerben.

Bei einigen Produkten blicken Verbraucher jedoch nicht mehr durch. Das liegt daran, dass verschiedene Lebensmittel unterschiedlich besteuert werden. Warum das so ist, ist unklar. Teilweise gar absurd. Während die Süßkartoffel beispielsweise als Luxusgut in der Lebensmittelindustrie gilt und somit einer höheren Steuerklasse unterliegt, wird der frische Trüffel als Grundnahrungsmittel gesehen und mit dem reduzierten Mehrwertsteuersatz versehen. Die besagte Süßkartoffel wird folglich mit 19 Prozent besteuert - die normale Kartoffel hingegen mit dem ermäßigten Steuersatz. Für Tomatenmark und -saft gilt der ermäßigte Steuersatz von sieben Prozent - für Tomatenketchup und -soße werden 19 Prozent fällig. 

Die Regelungen des Umsatzsteuergesetztes scheinen teils wirr, doch in der Regel gilt: Grundnahrungsmittel, wie beispielsweise Eier, Milch und Mehl werden mit einem Steuersatz von fünf Prozent berechnet. Luxusgüter hingegen, wie zum Beispiel eine Süßkartoffel oder verarbeitete Produkte - dazu zählen unter anderem Getränke oder Trüffelöl - mit 16 Prozent. 

Was gilt nach der Mehrwertsteuersenkung bei Lebensmitteln?

Wir haben Ihnen eine Auswahl an Lebensmitteln zusammengestellt, anhand der Sie erkennen können, welcher Mehrwertsteuersatz nach der Senkung am 1. Juli 2020 gilt

5 % Mehrwertsteuer

  • das meiste Obst
  • das meiste Gemüse
  • Milch
  • Eier
  • Zucker
  • Mehl
  • Kaffeebohnen
  • Süßigkeiten
  • Tiernahrung
  • Fleisch
  • Fisch
  • Honig
  • Getreideerzeugnisse
  • Backwaren
  • Teebeutel
  • Gewürze
  • Butter
  • Käse

…16 % Mehrwertsteuer

  • Milchmischgetränke (wenn der Anteil an Milch oder Milcherzeugnis im fertigen Produkt unter 75 % liegt)
  • Soja- und Hafermilch
  • Säfte
  • Sonstige Getränke (alkoholfrei und alkoholisch)

Weitere Produkte mit kuriosem Steuersatz:

Apfel 5 % - Apfelsaft 16 %

Kartoffel 5 % - Süßkartoffel 16 %

Kaffeebohnen 5 % - fertiger Kaffee 16 %

Leitungswasser 5 % - Mineralwasser 16 %

Kuhmilch 5 % - Soja- und Hafermilch 16 %

Froschschenkel 5 %

Wachteleier 5 %

 

Zum Mitnehmen vs. Verzehr vor Ort

Auch interessant: Bestellen Sie Ihren Kaffee beim Bäcker „to Go“, also zum Mitnehmen, sind im Preis nur sieben Prozent Mehrwertsteuer enthalten. Trinken Sie Ihr Getränk allerdings gemütlich im Café, müssen Sie 19 % Mehrwertsteuer bezahlen. Beim Besuch im Fastfood-Restaurant gilt das Gleiche. Isst der Kunde seine Currywurst im Restaurant, kostet das den Betreiber 19 Prozent Mehrwertsteuer. Lässt der Kunde sein Gericht einpacken und nimmt es mit, sind für den Restaurantbesitzer sieben Prozent Mehrwertsteuer fällig. Der Preis bleibt für Sie als Kunde allerdings gleich. Nach der Mehrwertsteuersenkung ab dem 1. Juli 2020 sind es bis zum Ende des Jahres für Produkte zum Mitnehmen fünf Prozent und für den Verzehr von Speisen und Getränke vor Ort 16 Prozent, die der Betreiber an den Staat abgeben muss.