• Was ist ein Plagiat?
  • Wer verdient daran?
  • Was kann der Kauf eines Plagiats für den Käufer bedeuten?
  • Warum manche Plagiate sogar gefährlich sind
  • Was ist der "Plagiarius"?

Urlaub. Ein einheimischer Markt lockt. Dort findest du ein T-Shirt oder Sneakers deiner Lieblingsmarke zu einem Spottpreis. Doch ist es wirklich echt? Du findest einen Artikel im Internet, den du schon immer haben wolltest, der dir aber zu teuer war, für wenig Geld. Auch hier kann es eine Fälschung, ein Plagiat, sein. Welche Konsequenzen können für dich entstehen, welche Gefahren lauern?

Gefälschte Artikel und mögliche Fallen

Plagiate findest du überall. Und es gibt fast nichts, was nicht gefälscht wird. Besonders beliebte Verkaufsstellen sind Märkte und Basare in Urlaubsorten, aber auch die Wochenmärkte in Tschechien oder Polen. Hier sind vor allem Markenklamotten oder Designerware zu finden. Von Adidas über Puma bis hin zu Boss oder Dolce & Gabbana. Es ist verlockend, für relativ wenig Geld eine vermeintlich echte Designertasche im Wert von mehreren hundert Euro zu kaufen. Aber es kann für dich als Käufer*in schnell zur Falle werden. Zwar ist der Besitz von Plagiaten, die eindeutig nur zum Eigengebrauch bestimmt sind, nicht strafbar, doch am Flughafen bei der Zollkontrolle sind die Beamten ermächtigt, diese zu konfiszieren und zu vernichten.

Besonders gefährlich wird es für dich, wenn der Wert der Fälschungen 430 Euro übersteigt. Dann gilt die Annahme unternehmerischer Tätigkeiten; und diese ist strafbar. Die 430 Euro Grenze gilt übrigens nur bei Flug- oder Seereisen. Bei der Einreise nach Deutschland mit der Bahn oder dem PKW liegt die Grenze bei 300 Euro. Übersteigt der Wert 700 Euro, kassiert der Zoll zusätzlich 19 Prozent Einfuhr-Umsatzsteuer, je nach Produkt. Die Ware darfst du außerdem auch nicht behalten. Wird dir ein gewerblicher Handel unterstellt, kann dir sogar eine Haftstrafe bis zu 5 Jahren drohen.

Das Problem: Auf dem Basar stellen die wenigsten Händler eine Quittung oder einen Kaufbeleg aus. Daher wird beim Zoll geschätzt. Und wenn du vielleicht eine vermeintlich teure Designertasche dabeihast oder mehrere als echt verkaufte Rolex, dann sind die Grenzen schnell überschritten. 

Besondere Vorsicht ist bei gefälschten Autoteilen und Technik geboten

Wesentlich schlimmer sind allerdings Fälschungen, die Autozubehör, Armaturen, Technik oder andere hochpreisige Zubehörteile betreffen. Während du bei Klamotten oder gefälschten Parfums höchstens Gefahr läufst, dich mit giftigen Chemikalien in den Stoffen zu vergiften, was schon schlimm genug ist, können gefälschte Zubehörteile unter Umständen eine Gefahr für Leib und Leben für dich oder andere darstellen. Gerade Ersatzteile für PKW werden im großen Stil gefälscht; besonders häufig diese:

  • Teile der Lenkung
  • Keilriemen
  • Glühbirnen
  • Bremsbeläge
  • Bremsscheiben
  • Öl-, Benzin- und Luftfilter

Dabei arbeiten die Fälscher*innen sehr genau, denn sie machen zum Beispiel auch Verpackung, Logo oder Prüfzeichen nach, damit alles möglichst echt aussieht.

Achtung, Lebensgefahr!

Fälschungen können schnell lebensgefährlich werden, denn aus Kostengründen wird meist minderwertiges Material verwendet. Und wenn dir bei Tempo 150 auf der Autobahn bei einer Notbremsung die Bremsbeläge platzen, besteht echte Lebensgefahr. Besonders gefährlich sind Fälschungen sicherheitsrelevanter Teile, wie zum Beispiel:

  • Felgen
  • Teile für Bremsen und Fahrwerk
  • Elektronikkomponenten
  • Steuergeräte
  • Sensoren
  • Lambdasonden
  • Teile zur Gemischregelung

Wer hier vermeintlich billig einkauft, gefährdet sich selbst und andere. Doch auch bei Werkzeugen und Maschinenteilen ist Vorsicht geboten. Eine gefälschte Motorsäge, deren Sägekette sich im Lauf löst, kann schwere bis tödliche Verletzungen hervorrufen. Oder ein Wagenheber, der auf einmal nachlässt, kann dafür sorgen, dass jemand zu Tode gequetscht wird. Ein Feuerlöscher, der nicht funktioniert, ein Elektrogerät, das durch mangelhafte Qualität einen Kurzschluss verursacht; die Liste lässt sich beinahe endlos fortsetzen

Besonders brisant: Gefälschte Medikamente

Besonders brisant sind gefälschte Medikamente, die man oft im Ausland kaufen kann. Teilweise erhält man dort frei verkäuflich Arzneien, die in Deutschland rezeptpflichtig sind, wie zum Beispiel die Antibabypille. Diese kann möglicherweise zu einer ungewollten Schwangerschaft führen oder aber, im Extremfall, massive gesundheitliche Probleme mit sich bringen.

Während in Deutschland bestimmte Wirkstoffe oder Kombinationen von Wirkstoffen verboten sind, können sich diese in den im Ausland gekauften Pillen wiederfinden.

Als Beispiel: Das entkrampfende Mittel Buscopan, in Deutschland apothekenpflichtig, gilt als gut verträglich. In anderen Ländern wird jedoch der Wirkstoff Metamizol beigefügt und als Buscopan Composto verkauft und ist frei erhältlich. In Deutschland ist Metamizol verboten, weil es lebensbedrohliche Nebenwirkungen aufweisen kann. Auch Viagra ist im Ausland häufig frei erhältlich – allerdings gefälscht und oft überdosiert, mit möglicherweise tödlichen Nebenwirkungen. Im günstigsten Fall sind diese Fälschungen also wirkungslos; im schlimmsten Fall kann es lebensbedrohlich werden.

Plagiate schaden der Wirtschaft. Wie kannst du dich selber schützen?

Es wird geschätzt, dass der Schaden durch Plagiate weltweit etwa 660 Milliarden Euro beträgt und dadurch in Deutschland bis zu 70.000 Arbeitsplätze im Jahr verloren gehen. Am meisten verdienen die Hersteller und Vertreiber dieser Fälschungen, denn sie haben kaum Entwicklungskosten, die sie für ein Produkt investieren müssen. Seit 1977 wird der Plagiarius-Wettbewerb ausgeschrieben. Mit diesem Negativpreis, ähnlich der "goldenen Himbeere" im Filmgeschäft, werden Hersteller und Händler besonders dreister Nachahmungen ausgezeichnet. Verliehen wird er im Rahmen der Konsumgütermesse Ambiente in Frankfurt, wobei Original und Fälschung gegenübergestellt werden. Preisträger waren hier unter anderem ein chinesischer Hersteller, der Motorsägen der Firma Stihl gefälscht hat oder ein Hersteller für ein elektrisches Bremsentlüftungsgerät.

Der Markt ist also voller Fälschungen. Doch wie schützt du dich davor, unbewusst eine solche Fälschung zu erwerben? Als erste Regel mag gelten: Wenn etwas zu schön ist, um wahr zu sein, ist es das häufig auch. Eine Rolex beim Straßenhändler? Oder eine brandneue Designertasche auf dem Markt? Finger weg! Diese Luxus-Artikel gibt es fast nur bei lizenzierten Händlern oder im Online-Shop des Herstellers. Ist der Preis so günstig, dass du es kaum glauben magst?

Dann kann es sich oft nur um eine Fälschung handeln. Wenn der Preis noch angemessen erscheint, achte auf Details. Ist der Name richtig geschrieben? Sind Gebrauchsanweisung, Garantieschein oder Gütesiegel vorhanden? Tipp: Oft haben die Fälscher*innen Probleme mit den Umlauten ä, ö, ü oder dem ß. Und prinzipiell: Finger weg von Medikamenten. Bei Käufen über das Internet können dir die Seiten Originalo.de oder Plagiarius.com helfen. 

Fazit

Original und Fälschung sind schwer zu unterscheiden, du musst genau hinsehen. Es wird dir sicher niemand böswillige Absichten unterstellen, wenn du dir im Urlaub ein paar Shirts kaufst, die nicht echt sind. Doch es gibt Produkte, von denen solltest du wirklich besser die Finger lassen.