Autokredit: Warum Experten vor der Restschuldversicherung warnen

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Wer einen Pkw kauft und dafür einen Kredit aufnimmt, dem wird eine Restschuldversicherung angeboten. Diese soll die Raten bei der Rückzahlung absichern. Doch die Versicherung ist umstritten, weil sie zu teuer ist.

Wie funktioniert eine Restschuldversicherung?

Egal ob Banken, Autohäuser oder Elektronikfachmärkte: Wenn Sie einen Kredit benötigen oder eine Zahlung in Raten vereinbaren, bieten die Händler oft zusätzlich eine Restschuldversicherung (RSV) an. Die Versicherung soll gleichermaßen Sie als Kunden und die Händler absichern, falls Sie die Raten nicht zahlen können. Zum Beispiel bei einem Jobverlust, bei langer Krankheit oder Tod (im Versicherungsjargon wird von einer "unverschuldeten Zahlungsunfähigkeit" gesprochen). Vor allem für den Händler ist diese Form der Absicherung von Vorteil: Er bekommt in jedem Fall sein Geld.

Die Verbraucherzentrale Bundesverband in Berlin rät von dieser Versicherung ab. Aber warum sagen Verbraucherschützer "Nein" zu diesen Policen? Sie sei einfach zu teuer und biete dafür nur wenig Schutz, begründen die Verbraucherschützer ihre Ablehnung. Dass die Warnungen wirken, zeigen die Zahlen: Wurden 2024 noch rund 832.000 Neuverträge abgeschlossen, waren es ein Jahr später nur noch rund 300.000 RSV (sowie Lebensversicherungen ohne Überschussbeteiligung), ein Minus von 64,3 Prozent. 

Diejenigen, die eine RSV bereits abgeschlossen haben, können diese sofort kündigen. Und durch einen Einschub im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB, § 492a) sind "Koppelgeschäfte" seit Anfang 2025 nicht mehr möglich. Ramona Pop, Chefin der Verbraucherzentrale, sieht darin einen Vorteil für die Kunden: "Dank der Wartefrist können Verbraucherinnen und Verbraucher in Ruhe überlegen, ob sie die RSV wirklich benötigen. Die Menschen können nicht mehr zum Vertragsschluss gedrängt werden, sondern sich die passende Versicherung raussuchen." 

Wie steht es um die Beratungsqualität?

Was besagt das Verbot? Der Versicherungsvertrag ist erst eine Woche, nachdem Sie den Ratenkreditvertrag unterschrieben haben, abzuschließen. Ungültig ist also diejenige Versicherung, die direkt mit dem Kaufvertrag geschlossen wird. So will der Gesetzgeber verhindern, dass die Banken, Autohäuser und Märkte die Verbraucher, durch den geglückten Neukauf beflügelt (Flow-Effekt), "über den Tisch ziehen".

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hat die Praxis von 32 Kreditinstituten und bei 80 Testkäufen im Einzelhandel beim Abschluss von Restschuldversicherungen untersucht. Der 2022 eingeführte gesetzliche "Provisionsdeckel" (verankert in § 50a Versicherungsaufsichtsgesetz, VAG) von maximal 2,5 Prozent des abgesicherten Darlehens- oder Geldbetrages wird weitgehend eingehalten.

Unzureichend ist weiterhin die Beratungsqualität, heißt es im Abschlussbericht der BaFin: "Sowohl beim Vertrieb durch Kreditinstitute als auch beim Vertrieb im Einzelhandel verlief die Beratung nicht immer zufriedenstellend, da relevante Punkte nicht angesprochen wurden", heißt es vorsichtig. Weiterhin fühlen sich einige Verbraucher zum Abschluss einer RSV gedrängt. Und dies, obwohl in den Vertragsunterlagen die "Freiwilligkeit des Abschlusses" dokumentiert ist.

Wie teuer ist eine Restschuldversicherung wirklich?

Das vernichtende Urteil über die RSV belegt die Verbraucherzentrale mit einem Beispiel aus ihrer Beratungspraxis. Im Vergleich stehen die Kosten für einen Darlehensvertrag einmal mit Versicherung (Variante I) und eine zweite Police, bei der auf eine RSV verzichtet wird (Variante II). Die Unterschiede bei Zinsen und Kosten sind riesig: Bei der Variante I fallen rund 13.724 Euro über die gesamte Laufzeit an und bei der Variante II sind es dagegen nur 6.588 Euro.

Darlehensvertrag mit RSV:

  • Auszahlungsbetrag: 18.000 Euro
  • Zinsen und Kosten inklusive Versicherungen: 13.724,16 Euro
  • Monatliche Rate (8 Jahre): 330,46, Euro
  • Effektiver Jahreszins tatsächlich: 16,89 Prozent

Darlehensvertrag ohne RSV:

  • Auszahlungsbetrag: 18.000 Euro
  • Zinsen und Kosten ohne Versicherungen: 6.588,33 Euro
  • Monatliche Rate (8 Jahre): 256,13 Euro
  • Effektiver Jahreszins tatsächlich: 8,49 Prozent

Warum ist der Effektivzins für den Vergleich wichtig?

Das Preisportal Verivox weist in seinen Erläuterungen und Tipps zur RSV darauf hin, dass im Gegensatz zu anderen Versicherungen der Kunde keine monatlichen Beiträge zahlt, sondern einen Einmalbetrag, der auf die Darlehenssumme aufgeschlagen wird. "Die Versicherungsprämie variiert je nach Versicherung und beeinflusst die Kosten des Kredites", schreibt Verivox und begründet so den Vergleich auch bei der RSV.

Entscheidend ist der Effektivzins: Sollte eine Bank einen Kredit vom Abschluss einer RSV abhängig machen, dann muss sie die Kosten in den Effektivzins einkalkulieren. "So entstehen rechnerisch immense Zinshöhen", warnt Verivox. Daher böten Banken die RSV in der Regel als eine freiwillige Zusatzleistung an.

Die RSV hat viele Ausschlüsse, darauf weisen Verbraucherschützer hin. "Ob die Versicherung überhaupt einspringt, ist fraglich.“ Unbedingt prüfen sollten Kunden, ob nicht bereits bestehende Versicherungen die Risiken abdecken. Bei Arbeitslosigkeit springt die Arbeitslosenversicherung ein. Und bei Krankheit zahlt der Arbeitgeber (Lohnfortzahlung im Krankheitsfall) in den ersten sechs Wochen. Ab der siebten Woche zahlt die Krankenkasse Krankengeld bis zu 72 Wochen (70 Prozent des Bruttogehalts). "Falls Sie Ihre Angehörigen im Todesfall absichern wollen, ist eine Risikolebensversicherung sinnvoll. Wenn Sie Ihre Arbeitskraft absichern möchten, ist die Berufsunfähigkeitsversicherung erste Wahl", informieren die Verbraucherverbände und zeigen damit alternative Wege zur RSV auf.

Genutzte Quellen

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