Bisher sind Männer beim Friseur besser weggekommen als Frauen, da ein Herrenhaarschnitt meist im unteren zweistelligen Preissegment angesiedelt ist. Frauen hingegen zahlen gut und gerne deutlich mehr als 100 Euro für den Friseurbesuch. Wird bei den Herren jetzt auch tiefer in die Taschen gelangt?

"Es wird einen Anstieg geben, die Friseurbetriebe sind gezwungen, die Preise anzupassen", sagt Jörg Müller, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbandes des Deutschen Friseurhandwerks, gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Es sei aber noch nicht beschlossen, ob der Preis tatsächlich die 100 Euro Schwelle erreicht. Das richte sich nach der Marktentwicklung in der kommenden Zeit. Er sagt: "Ich kann keine Vorhersage machen, was den Herrenhaarschnitt angeht. Aber es könnte sich schon um Preissteigerungen im zweistelligen Prozentbereich handeln."

Hohe Lebenshaltungskosten treiben Preise in die Höhe: Auch die beim Friseur?

Die Gründe für den Anstieg sind steigende Preise für Lebensmittel und Energiekosten. Auch die Corona-Pandemie hat einen Einfluss darauf. Das Statistische Bundesamt veröffentlichte dazu eine Grafik auf Twitter. Laut Bundesamt habe die Inflationsrate im April 2022 bei 7.4 Prozent gelegen, was "damit im zweiten Monat in Folge einen neuen Höchststand im vereinigten Deutschland" erreicht, sagt Dr. Georg Thiel, Präsident des Statistischen Bundesamtes in einer Pressemitteilung.

"Wir liegen aktuell unter 5 Prozent mit der Preiserhöhung und damit unter der Inflationsrate", erklärt Müller in Bezug auf die Tendenzen der Inflationsrate. "Wir stehen unter einem hohen Wettbewerbsdruck. Die Preise können sich in Zukunft ändern." Zudem gilt es noch einen weiteren Faktor zu berücksichtigen: Die Erhöhung des Mindestlohns auf 10,45 ab 1. Juli 2022. Damit einher geht eine Erhöhung der Gehälter in den Friseurberufen, um ein Lohngefälle in den Betrieben zu sichern.

Auch die Saarbrücker Zeitung greift dieses Thema auf und spricht ein weiteres mögliches Problem an: Friseurverweigerer und Schwarzarbeit. Denn, immer mehr Menschen sind nicht bereit ihr Geld in Qualitäts-Haarschnitte in Meister-Friseurbetrieben zu investieren. Einige Menschen schneiden sich deshalb die Haare selbst, oder lassen sie ungesetzlich von Bekannten oder Familienmitgliedern mit einer Friseurausbildung (oder auch ohne) schneiden und färben. Auch das wirkt sich negativ auf Qualitäts-Friseurbetriebe aus.

Bisher nur Spekulation: Die Zukunft wird zeigen, ob die Preise durch die Decke schießen

Zusammenfassend kann man also sagen, dass noch nicht eindeutig hervorgeht, ob ein Herrenhaarschnitt tatsächlich die 100-Euro-Marke knacken wird. Das hängt von verschiedenen Faktoren, wie Inflation, Mindestlohn, Schwarzarbeit und Nachfrage ab - und wir müssen uns einfach überraschen lassen.