Österreich schafft Vignette ab: Das ändert sich noch 2026 für Autofahrer
Autor: Stefan Lutter
Wien, Montag, 02. Februar 2026
Österreich verabschiedet sich von der Klebevignette und setzt ab Ende 2026 auf digitale Maut. Das neue System bringt spannende Fragen für Urlauber mit sich.
Baba, Pickerl! Nach Jahrzehnten voller Urlaubserinnerungen, Windschutzscheiben-Kratzaktionen und bunten Klebe-Ritualen sagt Österreich der klassischen Vignette Lebewohl. Ab Ende 2026 brauchst du für die Autobahn im Nachbarland nur noch eine digitale Vignette, die dein Kennzeichen direkt online registriert. Klingt praktisch, oder? Doch der Fortschritt hat seinen Preis: Die Kosten steigen weiter, und die Umstellung auf das neue System wirft Fragen auf – von Datenschutz bis zur Akzeptanz bei Vielfahrern.
Mit dieser Entscheidung schließt sich Österreich den meisten seiner Nachbarländer an, die längst ausschließlich auf digitale Mautsysteme setzen. Doch was bedeutet das für deinen nächsten Urlaub, wenn du nach oder durch Österreich fährst? Hier erfährst du alles zu den neuen Preisen, den Vorteilen der digitalen Vignette und wie du dich auf die Veränderungen vorbereiten kannst.
Digitale Vignette ersetzt Pickerl: Neue Maut-Regeln auf Österreichs Autobahnen
Nach und nach haben immer mehr Autofahrer in Österreich auf die digitale Vignette umgestellt, bald müssen es alle tun: Ab dem 1. Dezember 2026 gilt ausschließlich die elektronische Variante, wie der Nationalrat beschlossen hat. Wie ÖVP-Verkehrssprecher Joachim Schnabel erklärte, ergeben sich durch die Umstellung mehrere Vorteile: "Kein Kleben, keine Versandkosten, kein Fälschungsrisiko." Außerdem würden drei bis fünf Millionen Euro an Kosten eingespart. Auch für die österreichischen Autobahngesellschaft Asfinag ist dies ein bedeutender Schritt in Richtung Digitalisierung. Langfristig sollen davon sowohl die Verwaltung als auch die Nutzer profitieren.
2024 nahm die staatliche Autobahngesellschaft eigenen Angaben zufolge rund 600 Millionen Euro durch den Verkauf der Vignetten ein. Zusätzlich kamen 230 Millionen Euro an Streckenmaut und 1,6 Milliarden Euro aus der Lkw-Maut zusammen. Im selben Jahr investierte Österreich 1,5 Milliarden Euro in die Erneuerung und Modernisierung der Autobahnen und Schnellstraßen des Landes.
Wenn ab Dezember 2026 nur noch das "digitale Pickerl", bei dem das Fahrzeugkennzeichen online registriert wird, in Österreich akzeptiert wird, folgt die Alpenrepublik dem Trend anderer europäischer Länder. Slowenien, Tschechien, die Slowakei und Ungarn haben bereits vollständig auf digitale Mautsysteme umgestellt. Die digitale Vignette erfreut sich in Österreich bereits jetzt großer Beliebtheit: Rund 75 Prozent der österreichischen Autofahrer nutzen sie. Der Kauf erfolgt über den Online-Mautshop der österreichischen Autobahngesellschaft Asfinag, bei Tankstellen oder beim ADAC. Die Umstellung auf ein vollständig digitales System soll durch ein erweitertes Vertriebsnetz und umfassende Informationen begleitet werden. Die Regierung und Asfinag planen laut einer Mitteilung von Asfinag eine breit angelegte Informationskampagne, um sicherzustellen, dass alle Autofahrer rechtzeitig auf das neue System umsteigen können.
Steigende Kosten und neue Preisstrukturen
Dazu zählen der Ausbau von Verkaufsstellen, die Einführung von Verkaufsautomaten an über 30 Standorten sowie die Optimierung des Online-Mautshops. Ziel sei es, Berührungsängste bei Autofahrern abzubauen und den Übergang so reibungslos wie möglich zu gestalten. Übrigens ist bei der Online-Bestellung von Autobahn-Vignetten in Österreich Vorsicht geboten: Die Verbraucherzentrale warnt vor Fake-Shops, die täuschend echt aussehen und Reisende um Geld bringen.
Die Reaktionen auf die vollständige Abkehr von der Analog-Maut in der Alpenrepublik fallen gemischt aus. Während viele Autofahrer die Vorteile der digitalen Vignette, wie die leichtere Handhabung und die Vermeidung von Kleberesten auf der Windschutzscheibe, loben, gibt es auch Kritik. Trotz der angekündigten Bemühungen für den Wechsel vom Aufkleber zur digitalen Vignette bleibt die Frage, wie ältere oder weniger technikaffine Menschen mit der Umstellung zurechtkommen werden.