Capri greift durch: Strafe für "aufdringliches Ansprechen von Touristen"
Autor: Stefan Lutter
Deutschland, Mittwoch, 08. April 2026
Die Trauminsel Capri greift hart durch: Eine neue Verordnung verbietet aufdringliches Ansprechen von Touristen. Wer dagegen verstößt, zahlt bis zu 500 Euro.
Sonne, Dolce Vita - und künftig deutlich mehr Ruhe vor nervigen Verkäufern: Capri zieht die Notbremse gegen aufdringliche Touristenfänger. Was in vielen italienischen Urlaubsorten seit Jahren zum leidigen Straßenbild gehört – aggressive Kellner, die Passanten in Restaurants zerren, Flyer-Verteiler, die keine Ablehnung akzeptieren, und selbst ernannte Fremdenführer, die Touristen verfolgen – wird auf der glamourösen Insel im Golf von Neapel jetzt hart bestraft.
Die Maßnahme ist Teil eines umfassenden Kampfes gegen die Auswüchse des Massentourismus – bereits zuvor hatte Capri die Größe von Touristengruppen begrenzt und Lautsprecher verboten. Damit steht die italienische Trauminsel nicht allein: Auch am Gardasee, in Rom, Venedig und Florenz setzen Behörden zunehmend auf strenge Regeln, um das aufdringliche Ansprechen von Touristen einzudämmen und die Lebensqualität für Einheimische und Besucher gleichermaßen zu verbessern.
Capri greift durch: Strafe für "aufdringliches Ansprechen von Touristen"
Schluss mit aggressiven Lockvögeln auf der Promenade: Auf Capri hat die Gemeindeverwaltung unter Bürgermeister Paolo Falco am Dienstag, 7. April 2026, eine sogenannte "Anti-Belästigungs-Verordnung" erlassen. Die offizielle Mitteilung der Gemeinde Capri trägt den Titel "Divieto di porre in essere attività di procacciamento molesto di clientela" (Verbot der Ausübung belästigender Kundenakquise-Aktivitäten) und wird vom Sektor V - Gemeindepolizei verantwortet. Wer Urlauber ungefragt in Restaurants locken, ihnen Bootstouren aufschwatzen oder Flyer in die Hand drücken möchte, muss künftig tief in die Tasche greifen. Die Geldstrafen bewegen sich in einer Spanne zwischen 25 und 500 Euro.
Die offizielle Verordnung der Gemeinde Capri formuliert das Verbot unmissverständlich: "È fatto divieto assoluto agli operatori commerciali, ai titolari di agenzie di servizi turistici e ai loro collaboratori (anche occasionali) di porre in essere attività di procacciamento di clientela mediante modalità invadenti e insistenti su suolo pubblico o ad uso pubblico" - zu Deutsch: "Es ist den Gewerbetreibenden, Inhabern von Agenturen für touristische Dienstleistungen und ihren Mitarbeitern (auch gelegentlichen) absolut verboten, Kundenakquise-Aktivitäten durch aufdringliche und beharrliche Methoden auf öffentlichem oder öffentlich genutztem Grund durchzuführen."
Verboten sind damit alle Aktivitäten "der Vermittlung und/oder Förderung von Waren- und Dienstleistungsangeboten, einschließlich Wanderwerbung in jeglicher Form oder mit jeglichen Mitteln". Auch das Auslegen von Speisekarten, Broschüren, Prospekten und sämtlichem Werbematerial auf öffentlichen Flächen fällt unter das neue Verbot.
"Ruhe und Erholung von Einwohnern und Touristen" schützen
Capri zählt zu den bekanntesten und meistbesuchten Urlaubszielen Italiens. Das malerische Eiland im Golf von Neapel lockt mit luxuriösen Villen, einer durch Buchten zerklüfteten Felsenküste und einem exklusiven Flair, das Besucher aus aller Welt anzieht. Während auf der Insel rund 13.000 Menschen dauerhaft leben, strömen in den Sommermonaten täglich Zehntausende Tagesgäste durch die engen Gassen des historischen Zentrums und das Hafengebiet.
Diese enormen Besucherströme haben die Gemeinde zum Handeln bewogen. Erklärtes Ziel der Maßnahme ist es, ein "gepflegtes Erscheinungsbild sowie einen reibungslosen Fußgänger- und Autoverkehr zu gewährleisten". Weiterhin soll die Verordnung die "Ruhe und Erholung von Einwohnern und Touristen" in dem exklusiven Küstenort schützen. Bürgermeister Paolo Falco reagiert damit auf wiederkehrende Klagen von Inselbesuchern, die sich durch aggressive Verkaufstaktiken gestört fühlten.