Können Träume uns helfen, Probleme zu lösen? Forscher haben versucht, Trauminhalte gezielt zu beeinflussen und zeigen: Wenn das Gehirn nachts an einer Aufgabe „weiterarbeitet“, steigen am Morgen die Chancen auf eine Lösung.
Im Schlaf sortiert das Gehirn Eindrücke des Tages, verknüpft Erinnerungen neu und festigt Gelerntes. Doch welche Rolle spielen dabei Träume? Sind sie bloß Begleiterscheinung nächtlicher Hirnaktivität oder tragen sie selbst dazu bei, Probleme zu lösen? Das untersucht die Studie eines Forschungsteams der Northwestern University.
Wie Forscher Träume gezielt steuern – und warum das Rätsellösen danach leichter fiel
Veröffentlicht wurde die Arbeit in der Fachzeitschrift Neuroscience of Consciousness. Ihr Ansatz: Träume nicht nur zu beobachten, sondern auch gezielt zu beeinflussen.
Seit Jahrhunderten kursieren Berichte, wonach Ideen im Traum entstanden seien, von wissenschaftlichen Entdeckungen bis zu künstlerischen Einfällen. Auch die Forschung kennt Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen Schlaf und Kreativität. Besonders die sogenannte REM-Phase (Rapid Eye Movement), in der intensive Träume auftreten, gilt als Phase erhöhter Assoziationsfreude des Gehirns.
Doch der direkte Beweis fehlte bislang: Profitieren wir vom Träumen selbst oder lediglich von unbewussten Gedächtnisprozessen während des Schlafs?
Das Gehirn denkt weiter – auch wenn wir schlafen
Das Team um die Neurowissenschaftlerin Karen Konkoly rekrutierte 20 Personen, die häufig luzid träumen – also im Traum wissen, dass sie träumen, und teilweise Einfluss auf das Geschehen nehmen können.
Vor dem Schlafen sollten die Teilnehmenden mehrere knifflige Rätsel lösen. Die Aufgaben waren so konstruiert, dass sie eine gedankliche Umstrukturierung erforderten, etwa räumliches Umdenken. Für jedes Rätsel gab es eine eigene Tonfolge, die wiederholt abgespielt wurde, damit sie mit der jeweiligen Aufgabe verknüpft wurde.
Im Schlaflabor wurden die Probandinnen und Probanden mittels Polysomnografie überwacht. Das ist eine umfassende nächtliche Untersuchung, die verschiedene Körperfunktionen wie Hirnströme, Augenbewegungen, Atmung und Herzfrequenz aufzeichnet. Sobald die Teilnehmenden in die REM-Phase eintraten, spielte das Team die Tonfolgen für die Hälfte der ungelösten Rätsel erneut ab. Die Idee: Die akustischen Hinweise sollten gezielt Erinnerungen reaktivieren – eine Methode, die als "Targeted Memory Reactivation" (TMR) bekannt ist.