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Kündigung

Darum steht in einer Job-Kündigung fast nie eine Begründung

Im Kündigungsschreiben steht immer das Datum, zu dem "ordentlich", oder "außerordentlich fristlos", gekündigt wird. Was aber fast immer fehlt, ist eine Begründung. Hat das einen triftigen Grund?
Die Kündigung ohne Begründung ist durchaus üblich.
Die Kündigung ohne Begründung ist durchaus üblich. Foto: CC0 / Pixabay / geralt
  • Kein gesetzlicher Zwang für eine Begründung
  • Die zwei Kündigungsvarianten
  • Taktik im Arbeitsgerichtsprozess
  • Wie du mir, so ich dir...

Jeder Arbeits­vertrag kann gekündigt werden. Dazu brauchst du als Arbeitnehmer keinen Grund. Arbeitgeber hingegen schon, aber nur, wenn sie mehr als zehn Mitarbeiter beschäftigen. Dann nämlich greift das Kün­di­gungs­schutz­ge­setz. Mit seiner Begründung für den Trennungsschnitt hält sich der Arbeitgeber aber gerne zurück, aus gesetzlichen und taktischen Gründen.

Kein gesetzlicher Zwang für eine Begründung

Das liegt zum einen daran, dass der Arbeitgeber gesetzlich nicht dazu verpflichtet ist, seine Gründe im Kündigungsschreiben offenzulegen. Er kann sich dazu bedeckt halten – es sei denn, ein Tarifvertrag verpflichtet ihn ausnahmsweise dazu; in seltenen Fällen ergibt sich dies auch aus dem Arbeitsvertrag. Nur in diesen Fällen wäre eine unbegründete Kündigung formal unwirksam. Das Landgericht (LG) Mainz bestätigt diese Praxis und stellt dazu fest: "Die Angabe eines Kündigungsgrundes gehört nicht zum notwendigen Inhalt der Kündigungserklärung bei einer Kündigung aus wichtigem Grund gemäß § 626 BGB" (LG Mainz, Urteil vom 12.8.2016, Az.: 2 O 329/13). Sind trotzdem Gründe angegeben, müssen diese keineswegs abschließend sein. Weitere können auch noch, falls es zu einem Kündigungsschutzprozess kommt, nachgeschoben werden, wenn sie bei Ausspruch der Kündigung objektiv vorlagen. 

Etwas anders ist die Sachlage bei einer außerordentlichen Kündigung. In diesem Fall hat der Arbeitnehmer einen Anspruch darauf, dass er den Grund für die fristlose Kündigung vom Arbeitgeber erfährt. Bei der ordentlichen Kündigung ist es dagegen umstritten, ob der Arbeitgeber auf Nachfrage den Grund mitteilen muss.

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Aber: Die Kündigung muss immer schriftlich erfolgen (§ 623 BGB). Das bedeutet, dein Arbeitgeber muss dir mit einem unterschriebenen Brief kündigen. Eine E-Mail oder eine Whatsapp-Nachricht reicht nicht. Dein Chef kann dir deshalb auch im Falle eines im Streits mündlich nicht wirksam kündigen. Solange du anschließend keine schriftliche Kündigung bekommst, bleibt das Arbeitsverhältnis bestehen.

Die zwei Kündigungsvarianten

Noch mal was zum besseren Verständnis. Es gibt zwei Arten von Kündigungen: die außerordentliche und die ordentliche.

Die meisten Kündigungen sind ordentlich. Nach dem Kündigungsschutzgesetz darf ein Arbeitgeber nur dann kündigen, wenn er einen Grund dafür nachweisen kann, der die Kündigung sozial rechtfertigt. Möglich sind diese drei Kündigungsgründe:

  • Betriebsbedingte Kündigung: Dem Mitarbeiter wird gekündigt, weil Arbeitsplätze wegfallen, zum Beispiel wegen Verlagerung der Produktion, Rationalisierung oder Digitalisierung.
  • Verhaltensbedingte Kündigung: Der Mitarbeiter hat wiederholt gegen seine Pflichten aus dem Arbeits­vertrag verstoßen.
  • Personenbedingte Kündigung: Eine langandauernde Krankheit kann zum Beispiel unter strengen Auflagen ein Kündigungsgrund sein.

Taktik im Arbeitsgerichtsprozess

Dass Arbeitgeber den Grund für die Kündigung im Schreiben nicht offen benennen, liegt daran, dass sich das prozesstaktisch ungünstig auswirken kann. Zwar darf der Arbeitgeber nach einer bereits ausgesprochenen Begründung auch andere Gründe im Prozess zusätzlich einbringen.

Das verschlechtert aber seine Verhandlungsposition vor Gericht. Zusätzlich wollen Arbeitgeber ihren gekündigten Mitarbeitern es im Arbeitsgerichtsprozess möglichst schwer machen. Je weniger sie über die Gründe wissen, desto weniger sicher lassen sich die Klagechancen einschätzen.

Für den Arbeitnehmer ist es deshalb vorteilhaft, wenn das Schreiben eine Begründung enthält, etwa wenn es mit "Betriebsbedingte Kündigung" betitelt ist, oder der Arbeitgeber schreibt, dass er "verhaltensbedingt ordentlich" kündigt, aber erzwingbar ist das nicht. Manchmal wollen Arbeitgeber aber betonen, dass es sich um eine betriebsbedingte Kündigung handelt, um deutlich zu machen, dass die Kündigung nicht mit dem Verhalten des Mitarbeiters zusammenhängt.  

Wie du mir, so ich dir...

Das Kündigungsrecht ist, wie schon erwähnt, keine einseitige Sache: Natürlich können auch Arbeitnehmer kündigen. Willst du einen neuen Job antreten, dann musst du den alten ordentlich kündigen – und zwar schriftlich.

Nach Schätzungen von Personalexperten enden rund ein Drittel der Arbeitsverhältnisse, weil der Arbeitnehmer kündigt. Im Jahr sind das, ebenfalls geschätzt, 3,5 Millionen Kündigungen. Das sind die wichtigsten elf Gründe, warum Arbeitnehmer kündigen:

  • Zu wenig Wertschätzung durch den Chef: 45,0 Prozent
  • Zu niedriges Einkommen: 40,5 Prozent
  • Besseres Angebot von anderem Arbeitgeber: 38,4 Prozent
  • Keine Aufstiegsmöglichkeiten: 32,5 Prozent
  • Überlastung durch zu viel psychischen Druck: 20,6 Prozent
  • Unterforderung und Langeweile: 19,4 Prozent
  • Überlastung durch Überstunden: 12,8 Prozent
  • Familiäre Gründe: 11,6 Prozent
  • Dem Unternehmen droht die Pleite: 11,0 Prozent
  • Gesundheitliche Probleme: 4,4 Prozent
  • Zu wenig Urlaub: 2,5 Prozent