Superreiche im Aufwind: Warum die Vermögens-Ungleichheit in Deutschland wächst

Die Zahl der Superreichen in Deutschland ist deutlich gestiegen – und mit ihr die Konzentration großer Vermögen.

Während die Politik über höhere Steuern für Vermögende diskutiert, zeigt eine neue Studie eine bemerkenswerte Entwicklung: Die Zahl der Superreichen in Deutschland ist innerhalb eines Jahres deutlich gestiegen. Gleichzeitig konzentriert sich ein immer größerer Teil des Finanzvermögens auf eine kleine Gruppe von Menschen. Experten sehen darin einen langfristigen Trend, der die Debatte über Vermögensverteilung weiter anheizen dürfte.

Zahl der Superreichen steigt deutlich

Wer über ein Finanzvermögen von mindestens 100 Millionen US-Dollar verfügt, zählt nach Definition der Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG) zu den sogenannten Superreichen. Weltweit gehört diese Gruppe zu den exklusivsten Vermögenszirkeln überhaupt. Doch auch in Deutschland wächst ihre Zahl spürbar.

Laut dem aktuellen Global Wealth Report der BCG lebten im vergangenen Jahr rund 5000 dieser besonders vermögenden Personen in Deutschland. Das sind etwa 1100 mehr als noch ein Jahr zuvor. Die Entwicklung verdeutlicht, wie stark große Vermögen zuletzt gewachsen sind.

Die Zahlen erscheinen zu einem Zeitpunkt, an dem die Finanzierung staatlicher Reformvorhaben intensiv diskutiert wird. In der politischen Debatte wird zunehmend darüber gesprochen, ob sehr vermögende Bürger künftig stärker zur Finanzierung öffentlicher Aufgaben beitragen sollten.

Ein kleiner Kreis besitzt einen großen Teil des Vermögens

Besonders bemerkenswert ist der Anteil, den die Superreichen am gesamten Finanzvermögen Deutschlands halten. Nach Angaben der Studie vereinen die rund 5000 Personen mehr als ein Viertel des gesamten Finanzvermögens auf sich.

Demgegenüber stehen etwa 66 Millionen Menschen in Deutschland, deren Finanzvermögen unter 250.000 US-Dollar liegt. Die Unterschiede innerhalb der Vermögensverteilung sind damit erheblich und könnten sich nach Einschätzung der Studienautoren weiter vergrößern.

Als Ursache nennen die Experten strukturelle Vorteile großer Vermögen. Wer bereits über hohe finanzielle Mittel verfügt, kann sein Geld breiter streuen und in Anlageformen investieren, die für viele Privatanleger nur eingeschränkt zugänglich sind. Dazu zählen etwa größere Aktienportfolios oder Beteiligungen an nicht börsennotierten Unternehmen.

Warum große Vermögen oft schneller wachsen

Die Studie verweist darauf, dass Vermögende häufig Zugang zu renditestärkeren Investments haben. Dadurch können sie stärker von Entwicklungen an den Kapitalmärkten profitieren als Anleger mit kleineren Vermögen.

Finanzvermögen umfasst dabei nicht nur Bargeld und Bankguthaben. Auch Aktien, Fondsanteile, Anleihen sowie Ansprüche aus Pensionssystemen fließen in die Berechnungen ein. Deutschland kommt hier auf ein Finanzvermögen von rund 12,4 Billionen US-Dollar und liegt damit weltweit auf Rang vier.

Vor den Deutschen liegen lediglich die USA, China und Japan. Die Vereinigten Staaten führen das Ranking mit großem Abstand an. Dort summiert sich das Finanzvermögen auf rund 147 Billionen US-Dollar.

Internationale Vermögensströme verändern sich

Gleichzeitig beobachten die Studienautoren eine zunehmende internationale Verlagerung großer Vermögen. Wohlhabende Anleger legen ihr Geld immer häufiger außerhalb ihres Heimatlandes an.

Besonders auffällig ist die Entwicklung in Asien. Erstmals verwaltet Hongkong laut BCG ähnlich hohe ausländische Vermögen wie die Schweiz und hat diese als bevorzugten Standort für internationale Vermögensverwaltung sogar überholt. Vor allem Kapitalzuflüsse aus China treiben diese Entwicklung voran.

Auch Währungseffekte spielten zuletzt eine Rolle. Da der Euro gegenüber dem US-Dollar im Jahr 2025 deutlich an Wert verlor, stiegen die in Dollar berechneten deutschen Vermögenswerte zusätzlich an. Ein Teil des Vermögenszuwachses ist daher auch auf Wechselkurseffekte zurückzuführen.

Deutsche setzen weiterhin auf Immobilien und Sachwerte

Während in vielen Ländern Aktien und Fonds einen großen Teil des Vermögens ausmachen, bevorzugen deutsche Anleger traditionell Sachwerte. Dazu zählen vor allem Immobilien, aber auch Edelmetalle und andere physische Vermögenswerte.

Mehr als die Hälfte des gesamten Vermögens in Deutschland steckt laut Studie in solchen Anlagen. Insgesamt summieren sich diese Sachwerte auf rund 13,4 Billionen US-Dollar. Kapitalmarktanlagen spielen dagegen im internationalen Vergleich weiterhin eine geringere Rolle.

Die Studienautoren sprechen deshalb von einer vergleichsweise vorsichtigen Anlagementalität. Viele Deutsche setzen nach wie vor auf Sicherheit und Werterhalt statt auf höhere Renditechancen an den Börsen.

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