Kostenfreies Altersvorsorgedepot bei Trade Republic - Lohnt sich das Angebot?

Der Online-Broker Trade Republic hat ein gebührenfreies Depot für die private Altersvorsorge auf den Markt gebracht. Wir erklären Vorteile und Kostenunterschiede.

Ab 2027 kommt das staatlich geförderte Altersvorsorgedepot, und der Neobroker Trade Republic steigt mit einer komplett kostenfreien Variante ein. Anleger können dabei für ausgewählte ETFs von BlackRock, DWS und Vanguard auf Produktkosten verzichten. Die Stiftung Warentest rät, sich vor einem Abschluss gründlich zu informieren.

Altersvorsorgedepot 2027: Warum die private Rente neu aufgestellt wird

Trotz hoher jährlicher Bundeszuschüsse steht die gesetzliche Rente unter Druck, auch wegen der demografischen Entwicklung. Schließlich gibt es immer mehr Rentner und im Vergleich dazu weniger Beitragszahler. Seit Jahren wird daher empfohlen, auf drei Säulen zu setzen:

  1. Gesetzliche Rente
  2. Betriebliche Altersvorsorge
  3. Private Altersvorsorge

Eigentlich war die Riester-Rente dazu gedacht, die dritte Säule zu stärken. Hohe Kosten und wenig Rendite haben das Produkt aber unattraktiv gemacht. Laut Bundesarbeitsministerium gab es Ende 2025 rund 14,7 Millionen Riester-Verträge in Deutschland. Bei gut einem Fünftel bis knapp einem Viertel der Verträge ruht die Beitragszahlung. Ab 1. Januar 2027 soll das Altersvorsorgedepot neue Chancen für die private Rente bieten. Wichtige Infos haben wir hier zusammengefasst.

Wie wenig viele Verträge abwerfen, zeigt eine Analyse der Finanzwende: Zwei Drittel der untersuchten Riester- und Rürup-Tarife erreichen auch über die gesamte Laufzeit nicht einmal eine Rendite von zwei Prozent. Laut Studie müssten Riester-Kunden sogar 99 Jahre alt werden, damit sie ihr Geld inflationsbereinigt zurückerhalten. Lesen Sie auch: Zukunft der Rente: Wie bekomme ich die Aktienrente und das Altersvorsorgedepot?

Trade Republic: Kostenfreies Altersvorsorgedepot im Überblick

Trade Republic startet nach eigenen Angaben ein "komplett kostenloses Altersvorsorgedepot, damit jeder Euro für die Rente arbeitet". Das teilte die Neobank (den Unterschied zu einer klassischen Bank haben wir hier zusammengefasst) am Dienstag, 13. Oktober 2026, in einer Pressemitteilung mit mit.

"Deutschland gehört mit dem neuen Altersvorsorgedepot weltweit zur Spitze bei der geförderten privaten Altersvorsorge. Entscheidend ist jetzt, dass diese Förderung auch wirklich bei den Menschen ankommt und nicht in hohen Gebühren bei Banken und Versicherungen hängenbleibt. Deshalb bieten wir ein komplett kostenfreies Altersvorsorgedepot an. Damit jeder Euro für die Rente unserer Kunden arbeitet", wird Christian Hecker, Mitgründer von Trade Republic, darin zitiert.

Gebühren im Vergleich: Wie sich das Angebot von Mitbewerbern unterscheidet

Für das Altersvorsorgedepot fallen laut der Pressemitteilung keine laufenden Depotgebühren an. Auch die regelmäßige Ausführung von Sparplänen ist kostenlos. Kostenlose Depotführung bieten aber auch andere Direktbanken und Neobanken wie Scalable Capital, Smartbroker+, finanzen.net Zero und Deka (der Fondsanbieter der Sparkassen) an. Bei der ING sind die Preise zum Stand 13. Oktober noch nicht veröffentlicht. Das normale Direkt-Depot ist dort allerdings bereits kostenlos.

Kostenlose Sparpläne ohne Orderkosten gibt es auch jetzt schon in vielen Aktien-Depots. Allerdings haben ETFs, wie auch andere Aktienfonds, in der Regel Verwaltungskosten.

Trade Republic bietet nach eigenen Angaben "mehrere Dutzend der beliebtesten ETFs von BlackRock, DWS und Vanguard langfristig ohne Produktkosten an". Auch Scalable Capital und Smartbroker+ werben bereits mit einer Kostenübernahme. Diese ist jedoch zeitlich und auf eine gewisse Anlagesumme begrenzt und gilt danach nur unter bestimmten Bedingungen, etwa bei einer gewissen Anzahl an Trades im Hauptdepot.

ETF-Kosten im Überblick: Was Verwaltungsgebühren üblicherweise ausmachen

Viele Aktien-ETFs bilden lediglich einen bestehenden Börsenindex nach, etwa den MSCI World oder den FTSE All World. Anders als bei vielen klassischen Investmentfonds entscheidet dabei meist kein Fondsmanagement aktiv über einzelne Käufe oder Verkäufe. Dadurch entstehen geringere Verwaltungs- und Personalkosten.

Die laufenden Kosten eines weltweit gestreuten ETFs liegen heute häufig nur bei 0,1 bis 0,3 Prozent pro Jahr. Gemeint ist damit die sogenannte Gesamtkostenquote (TER, Total Expense Ratio), also die laufenden Verwaltungskosten eines Fonds. Bei aktiv gemanagten Fonds sind dagegen Gesamtkosten von rund 1,5 Prozent oder mehr möglich, teilweise kommen zusätzlich Ausgabeaufschläge hinzu. Wie viel Unterschied die Gebühren eines ETF im Vergleich zu einem gemanagten Fonds ausmachen können, haben wir hier berechnet.

Rechenbeispiel: Wie groß der Kostenvorteil wirklich ist

Bei 150 Euro Eigenbeitrag pro Monat im Altersvorsorgedepot, also 1.800 Euro pro Jahr, ist der Unterschied im ersten Jahr extrem gering. Im Vergleich zu einem Standarddepot mit 0,1 Prozent Kosten spart der Anleger lediglich 1,80 Euro an Gebühren.

Die Kosten wachsen allerdings mit dem Depotwert: Erreicht dieser später die 100.000-Euro-Marke, machen 0,1 Prozent bereits 100 Euro pro Jahr aus. Wer bereits mit Anfang 20 anfängt und sein Altersvorsorgedepot über 40 Jahre bespart, hat am Ende, je nach Wertentwicklung und durch den Zinseszinseffekt, ein paar Tausend Euro mehr im Depot.

Allerdings ist die Auswahl der kostenlosen ETFs beschränkt. Eine Alternative sind sehr günstige ETFs wie der Vanguard FTSE Global All-Cap UCITS ETF (WKN: A42B1M, ISIN: IE000VAHT5T0), über die wir kürzlich berichtet haben.

Hintergrund: Warum Trade Republic auf ein Gratis-Angebot setzt

Das Altersvorsorgedepot ist ein riesiger Markt: Neben Neukunden kommen auch die Inhaber der rund 14,7 Millionen Riester-Verträge (Stand Ende 2025) als potenzielle Wechsler infrage. Die Bild-Zeitung zitiert Trade-Republic-Mitgründer Christian Hecker mit den Worten: "Damit verdienen wir kein Geld. Aber wir verlieren auch keins".

Seine Hoffnung sei, dass Kunden, die ein Gratis-Altersvorsorgedepot abschließen, später auch kostenpflichtige Produkte kaufen.

Stiftung Warentest: Vor dem Abschluss in Ruhe informieren

Die Stiftung Warentest empfiehlt auf ihrer Internetseite, dass Verbraucher nicht in Hektik verfallen sollten. Die allgegenwärtige Werbung verschleiere, dass kein Grund zur Eile besteht. Denn die staatliche Förderung für das gesamte Jahr 2027 gibt es auch noch im Dezember 2027 rückwirkend.

Anleger hätten daher noch genügend Zeit, sich vor einem Kauf umfassend zu informieren. "Schließlich gehört die Altersvorsorge für die meisten Verbraucherinnen und Verbraucher zu den wichtigsten finanziellen Entscheidungen im Leben", so die Tester.

Vorschaubild: © insta_photos/Adobe Stock/Symbolbild (648350760)