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Tagesgeldzinsen 2026: Top-Angebote bis 4,5 Prozent - und Haken


Autor: Christoph Eberle

Deutschland, Mittwoch, 28. Oktober 2026

Tagesgeldzinsen in Deutschland steigen auf Rekordniveau. Spitzenanbieter locken mit bis zu 4,5 Prozent – doch es gibt Einschränkungen.
Die Tagesgeldzinsen in Deutschland gehen nach oben. Am 27. Oktober 2026 zahlt der Spitzenreiter "bis zu" 4,5 Prozent Zinsen.


Die Tagesgeldzinsen in Deutschland gehen nach oben. Am 27. Oktober 2026 zahlt der Spitzenreiter "bis zu" 4,5 Prozent Zinsen. Das Angebot hat aber einen Haken. Weshalb Angebote mit scheinbar niedrigeren Zinsen unter dem Strich oft rentabler sind, wird im Folgenden erläutert.

Die Online-Redaktion hat zudem die besten aktuellen Tagesgeld-Angebote anderer Banken sowie deren Konditionen vorgestellt – die Liste findet sich weiter unten im Artikel. Ob Angebote zum Weltspartag (30. Oktober) sinnvoll sind und dieser überhaupt noch zeitgemäß ist, darüber haben wir hier geschrieben.

Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt keine Anlage- oder Steuerberatung dar. Eine Kaufempfehlung für ein bestimmtes Produkt ist damit nicht verbunden. Ob das Angebot zur persönlichen Situation passt, sollte vor einer Kontoeröffnung selbst geprüft werden.

EZB erhöht Leitzinsen: Folgen für Sparer bei hoher Inflation

Als höchstes Beschlussgremium der Europäischen Zentralbank (EZB) hat sich der EZB-Rat im September dazu entschieden, die drei Leitzinssätze jeweils um 25 Basispunkte zu erhöhen. Der Grund: Wie die Bundesbank erklärte, sorge die angespannte Lage im Nahen Osten weiterhin für einen erhöhten Inflationsdruck, wodurch die Teuerung voraussichtlich über längere Zeit deutlich oberhalb des Zielwerts von 2,0 Prozent verharren dürfte.

Die aktuellen Projektionen der Fachleute der EZB sehen demnach im "Basisszenario" für die kommenden Jahre folgende durchschnittliche Gesamtinflation vor, so die Bundesbank weiter: 2026 erwarten sie 3,0 Prozent, im Jahr 2027 rechnen sie mit 2,5 Prozent und 2028 mit 2,1 Prozent. Zuletzt trugen vor allem hohe Energiepreise dazu bei, dass die Inflationsrate weiter stieg. Allerdings räumt die Bundesbank ein, dass dieser Ausblick "mit hoher Unsicherheit behaftet" sei. Die Risiken für die Inflation seien aufwärtsgerichtet, für das Wirtschaftswachstum hingegen abwärtsgerichtet. Wie sich die steigenden Verbraucherpreise im Alltag bemerkbar machen und welche Ausgaben sich jetzt prüfen lassen, erklärt ein weiterer Beitrag.

Der Einlagezinssatz liegt seitdem bei 2,5 Prozent. Das ist ungünstig für Menschen, die gerade einen Kredit benötigen – für Sparerinnen und Sparer bedeutet es laut den deutschen Sparkassen hingegen: Ein höherer Zinssatz kann den Spielraum für attraktivere Tagesgeldangebote vergrößern. Wer flexibel bleiben und dennoch von steigenden Zinsen profitieren möchte, findet bei Tagesgeldkonten aktuell interessante Optionen. Ein Beispiel mit 100.000 Euro auf dem Sparbuch zeigt, wie die Inflation die Kaufkraft von Spargeld aufzehrt, wenn die Zinsen darunter liegen.

Tagesgeld-Lockangebote: Zinssätze steigen wieder an

Tatsächlich stiegen auch die Zinsen der Lockangebote bereits an. Dabei handelt es sich um hohe Zinsen – oft vier Prozent und mehr –, die sich an Neukunden richten. Das ist oft schon der erste Haken dabei: Für Bestandskunden gilt meist ein niedrigerer Zinssatz. Der zweite Haken: Die hohen Zinsen gibt es nur befristet oder bis zu einer gewissen Anlagesumme.

Spitzenreiter in Deutschland war bis vor kurzem die als Audi-Formel-1-Sponsor bekannte Neobank Revolut, die 4,25 Prozent Zinsen bot. Über den Haken an diesem Angebot, beziehungsweise was Interessenten wissen sollten, hatten wir hier berichtet.

Den – Stand 21. Oktober – höchsten Zinssatz bietet nun der Online-Broker XTB: Dieser wirbt mit "bis zu 4,5 Prozent Zinsen".

Bedingungen des Tagesgeld-Lockangebots mit 4,5 Prozent Zinsen

Die Online-Redaktion hat das Angebot unter die Lupe genommen. Folgendes ist dabei zu beachten:

  • Die Aktion gilt laut dem "Kleingedruckten" für Neukunden, die zwischen dem 14. Oktober und dem 31. Dezember 2026 ein Konto eröffnen.
  • Der Willkommenszins gilt demnach nur für die ersten 90 Tage ab Vertragsabschluss. Danach gilt ein Zinssatz von 1,1 Prozent.
  • Er bezieht sich "auf freie Mittel bis zu insgesamt 20.000 Euro über alle Konten des Kunden hinweg".
  • Um von der Aktion zu profitieren, muss der Kunde pro Kalendermonat zudem mindestens eine Transaktion mit Aktien oder ETFs durchführen.
  • Zudem ist der Zinssatz laut XTB "variabel" und könnte somit auch vor Ablauf der 90 Tage schon geändert werden.

Mehrwert der befristeten 4,5-Prozent-Zinsen im Rechenbeispiel

Bei einer Laufzeit von drei Monaten bringen die 4,5 Prozent Zinsen – wenn man die höchstmögliche Summe von 20.000 Euro nimmt – 221,92 Euro an Zinsen. Zinseszinseffekte spielen bei dieser kurzen Anlagedauer kaum eine Rolle.

Zum Vergleich: Ein dauerhaftes Angebot von 2,0 Prozent Tagesgeldzinsen würde im selben Zeitraum bei 20.000 Euro Anlagesumme 98,63 Euro an Zinsen abwerfen.

Der Vorteil des Lockangebots wäre also hier 123,29 Euro.

Soll das Geld länger – etwa für ein Jahr – angelegt werden, kippt die Rechnung sogar:

  • 90 Tage à 4,50 Prozent bringen 221,92 Euro an Zinsen.
  • Die restlichen 275 Tage à 1,10 Prozent bringen weitere 165,75 Euro.
  • Über das gesamte Jahr summiert sich das auf 387,67 Euro.

Ein fester Satz von 2,00 Prozent bringt über 12 Monate hingegen 400 Euro, also rund 12 Euro mehr. Über ein Jahr betrachtet ist das Lockangebot damit unattraktiver als ein stabiler Satz von zwei Prozent.

Aktionszinsen anderer Tagesgeld-Anbieter im Vergleich

Stand 26. Oktober 2026 bieten unter anderem folgende Anbieter hohe Aktionszinsen an. Das sind ihre Zinssätze und Bedingungen:

Bank Zinssatz Bedingungen
Advanzia 4,1 Prozent
  • für Neukunden
  • 3 Monate gültig (danach aktuell 1,50 Prozent)
  • mindestens 5.000 Euro
Chase 4 Prozent
  • für Neukunden
  • 4 Monate gültig (danach aktuell 2,25 Prozent)
  • bis maximal 500.000 Euro
Openbank by Santander 4 Prozent
  • für Neukunden
  • 4 Monate gültig (danach 2,0 Prozent)
  • bis maximal 100.000 Euro
Big Bank 3,9 Prozent
  • für Neukunden
  • 4 Monate gültig (danach variabler Zins von aktuell 2,25 Prozent)
  • bis maximal 250.000 Euro
Hamburg Direct Bank 3,81 Prozent
  • für Neukunden
  • 4 Monate gültig (danach aktuell 2,0 Prozent)
  • maximal 150.000 Euro
TF Bank 3,81 Prozent
  • für Neukunden
  • 4 Monate gültig (danach 1,45 Prozent)
  • bis maximal 100.000 Euro
Volkswagen Bank 3,75 Prozent
  • für Neukunden
  • 6 Monate gültig (danach variabler Zins von aktuell 1,0 Prozent)
Renault Bank 3,5 Prozent
  • für Neukunden
  • 4 Monate gültig, danach variabel (für Bestandskunden aktuell 2,0 Prozent)
  • bis 250.000 Euro (jeder Cent darüber wird mit aktuell 1 Prozent verzinst)
ING 3,5 bis 3,75 Prozent
  • für Neukunden
  • 3,5 Prozent für alle Neukunden, 3,75 Prozent bei gleichzeitiger Eröffnung eines Girokontos
  • 4 Monate gültig (danach variabler Zins von derzeit 0,75 Prozent)
  • bis 250.000 Euro
BMW Bank 3 Prozent
  • für alle Kunden
  • gültig ab einer Anlagesumme von 50.000 Euro
  • jeder Euro darunter wird mit 1,65 Prozent verzinst

Abgeltungsteuer und Sparerpauschbetrag bei Tagesgeldzinsen

Bei Kapitalerträgen fällt unter Umständen noch Abgeltungsteuer (25 Prozent) plus Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer an. Es gilt ein Sparerpauschbetrag von 1.000 Euro (Single) bzw. 2.000 Euro (Paare).

Tagesgeld-Hopping: Regelmäßiger Zinsvergleich lohnt sich

Bei manchen Anlegern ist Tagesgeld- oder Zins-Hopping beliebt. Wie es das Vergleichsportal Verivox beschreibt, "hüpft" der Sparer hier von Konto zu Konto, von Bank zu Bank, immer zum besten Angebot. Wie Banken mit Aktionszinsen im Wettbewerb um Tagesgeldkonten nachziehen und welche Chancen sich daraus für Sparer ergeben, zeigt ein weiterer Beitrag. Denn grundsätzlich gilt laut den deutschen Sparkassen, dass Banken unterschiedlich auf Leitzinsänderungen reagieren und ihre Konditionen nicht unbedingt zeitgleich oder im selben Umfang anpassen. Hier lohnt sich daher ein regelmäßiger Vergleich.

Deutlich stressfreier – und in der Regel renditestärker – ist ein Sparplan in ETFs. Infos dazu haben wir hier zusammengefasst. Experten empfehlen dabei aber auch: Nicht zu viel Geld in einen ETF oder Aktien stecken – ein Notgroschen sollte bei Bedarf jederzeit verfügbar sein. Hier eignet sich ein Tagesgeldkonto sehr gut. Wie hoch die finanzielle Reserve sein soll, lesen Sie in diesem Ratgeber-Artikel.