Streit um Krankheitstage: So oft fehlen Arbeitnehmer im Schnitt wirklich
Autor: Ellen Schneider, Agentur dpa
Deutschland, Mittwoch, 21. Januar 2026
Eine neue Analyse zeigt, wie oft Deutschlands Arbeitnehmer wegen Krankheit fehlen. Zeitgleich werden auch die Forderungen nach Gegenmaßnahmen lauter.
Die Anzahl der Krankheitstage von Arbeitnehmern in Deutschland wird derzeit intensiv diskutiert. So übte Kanzler Friedrich Merz (CDU) erst kürzlich Kritik am hohen Krankenstand und schlug die Abschaffung der telefonischen Krankheitstage vor. Eine neue Analyse der Krankenkasse DAK-Gesundheit zeigt, wie oft die Deutschen 2025 wirklich wegen Krankheit auf der Arbeit gefehlt haben.
Demnach waren Angestellte durchschnittlich 19,5 Kalendertage krankgemeldet - fast genauso lange wie 2024 mit 19,7 Fehltagen, wie die Kasse anhand ihrer Versichertendaten ermittelte. Hauptursachen waren Atemwegserkrankungen, psychische Leiden und Beschwerden wie Rückenschmerzen.
Diskussion um Krankheitstage auf der Arbeit: Diese Maßnahmen werden diskutiert
Dennoch wird immer mehr Kritik an den Fehltagen laut - und auch Gegenmaßnahmen werden gefordert. Konkret stehen diese Punkte zur Debatte:
- Bundeskanzler Friedrich Merz stellte bei einer Wahkampfveranstaltung in Baden-Württemberg die telefonische Krankschreibung in Frage. Die CDU drängt auf eine Abschaffung.
- DAK-Chef Andreas Storm schlägt die Einführung einer Teilkrankschreibung bei bestimmten Erkrankungen vor. Gemeint ist, dass man nur für einen Teil der täglichen Arbeitszeit krankgeschrieben wird.
- CSU-Chef Markus Söder hatte kürzlich eine frühere Krankschreibepflicht zum Beispiel schon ab dem dritten Tag befürwortet.
- In der Debatte gab es auch bereits Forderungen aus der Wirtschaft, einen "Karenztag" einzuführen - also, dass Beschäftigte für den ersten Krankheitstag keine Lohnfortzahlung erhalten.
Auch DAK-Chef Andreas Storm drängt auf Konsequenzen. Er forderte ein Gipfeltreffen im Kanzleramt, das Arbeitgeber, Gewerkschaften, Ärzte und Krankenkassen zusammenbringen sollte. Die Analysen zeigten, dass sich der Krankenstand auf hohem Niveau stabilisiere. Daher sei eine gründliche Ursachenforschung sinnvoll und notwendig. Auch jetzt schon können Arbeitnehmer wegen Fehltagen gekündigt werden - dabei spielen jedoch mehrere Faktoren eine Rolle.
Der DAK-Auswertung zufolge blieb der Krankenstand im letzten Jahr mit 5,4 Prozent auf einem erhöhten Niveau konstant. Es waren also an jedem Tag des Jahres im Durchschnitt 54 von 1.000 Beschäftigten krankgemeldet. Für die Analyse wertete das Berliner Iges-Institut den Angaben zufolge Daten von rund 2,4 Millionen Beschäftigten aus, die bei der Kasse versichert sind.
Vorsitzender des Hausärzteverbands: "Die aktuelle Kritik basiert auf einem Märchen"
Der Vorsitzende des Hausärzteverbands, Markus Beier, sagte dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND): "Die aktuelle Kritik an der telefonischen Krankschreibung basiert auf einem Märchen, das die Arbeitgeberverbände hartnäckig verbreiten." Alle bisherigen Auswertungen der Krankenkassen würden zeigen, dass die telefonische Krankschreibung nicht zu einem höheren Missbrauch führe. "Statt strukturelle Versäumnisse anzugehen, liefern die Arbeitgeber lieber eine scheinbar schnelle Lösung, ohne jede belastbare Grundlage."