Ab 2027 steigt der Zuschlag für Kinderlose in der Pflegeversicherung spürbar. Millionen Versicherte sind betroffen. Der DGB sieht das als Diskriminierung.
Der Zuschlag für Kinderlose in der Pflegeversicherung soll ab Januar 2027 um 0,3 Prozentpunkte auf 0,9 Prozent der beitragspflichtigen Einnahmen angehoben werden. Die Bundesregierung gab Anfang Oktober bekannt, dass das Bundeskabinett den entsprechenden Gesetzentwurf beschlossen hat. Dieser soll zeitnah in Bundestag und Bundesrat eingebracht werden, damit die neue Regelung zum Jahreswechsel in Kraft treten kann. Zusätzlich gibt es Beispiele zur Berechnung der Mehrkosten und Hinweise, für wen die Änderung gilt. Plus: Wer von Ausnahmen profitiert und wie sich die Reform auf verschiedene Gehaltsstufen auswirkt.
Der Beitragszuschlag für Kinderlose soll ab Januar 2027 um 0,3 Prozentpunkte steigen – von 0,6 auf 0,9 Prozent der beitragspflichtigen Einnahmen. Das teilte die Bundesregierung am Mittwoch mit. Das Bundeskabinett hat den Gesetzentwurf beschlossen. Dieser soll zeitnah in Bundestag und Bundesrat gegeben werden, damit die Änderung zum Jahreswechsel greifen kann.
Bei 4000 Euro beitragspflichtigem Bruttogehalt wären das 12 Euro mehr im Monat beziehungsweise 144 Euro im Jahr. Der allgemeine Beitragssatz soll zunächst bei 3,6 Prozent bleiben. Der Zuschlag wird dabei – im Gegensatz zum Krankenkassen-Zusatzbeitrag – allein von den Beschäftigten getragen.
DGB sieht Diskriminierung von Kinderlosen
Der Deutsche Gewerkschaftsbund kritisiert die Pläne der Bundesregierung. "Auch Kinderlose zum wiederholten Male mit höheren Beiträgen dafür bestrafen zu wollen, dass sie – aus welchen Gründen auch immer – keine Kinder haben, löst die strukturellen Probleme der Pflegeversicherung absehbar nicht, und kinderlose Menschen werden ohne Not diskriminiert", so DGB-Vorstandsmitglied Anja Piel in einem Statement auf der Internetseite des Gewerkschaftsbunds.
Rechenbeispiele: So viel macht die Beitragserhöhung in verschiedenen Gehaltsstufen aus
| Bruttomonatsgehalt |
Mehr pro Monat |
Mehr pro Jahr |
| 2000 Euro |
6 Euro |
72 Euro |
| 3000 Euro |
9 Euro |
108 Euro |
| 4000 Euro |
12 Euro |
144 Euro |
| 5000 Euro |
15 Euro |
180 Euro |
Gutverdiener sind besonders betroffen: Die Beitragsbemessungsgrenzen in der Kranken-, Renten- und Arbeitslosenversicherung sollen 2027 ebenfalls steigen. Das könnte im Extremfall pro Jahr weitere 1200 Euro Mehrkosten ausmachen.
Für die soziale Pflegeversicherung gilt dabei die gleiche Beitragsbemessungsgrenze wie für die gesetzliche Krankenversicherung. Dementsprechend müsste der Kinderlosenzuschlag auch auf ein höheres Einkommen gezahlt werden als noch im laufenden Jahr.
Wer muss den Zuschlag für Kinderlose bezahlen und wer nicht?
Grundsätzlich müssen laut Bundesgesundheitsministerium alle kinderlosen Mitglieder der sozialen Pflegeversicherung seit dem Jahr 2005 zusätzlich zu dem „normalen“ Beitragssatz einen Beitragszuschlag entrichten. Warum jemand kinderlos ist – ob aus bewusster Entscheidung oder krankheitsbedingt –, spielt dabei keine Rolle.