Druckartikel: Neue Regeln für ETFs: Anlagen könnten teuer werden - das plant die EU

Neue Regeln für ETFs: Anlagen könnten teuer werden - das plant die EU


Autor: Elisabeth von Sydow

Deutschland, Donnerstag, 18. Juni 2026

Ab Juli gelten neue Regeln für Sparer: ETF-Anlagen könnten teurer werden – das steckt hinter den Änderungen und was du jetzt wissen solltest.
Nach dem PFOF-Verbot könnten für ETF-Sparer und Kleinanleger höhere Kosten bei Orders und Sparplänen entstehen.


Ab dem 1. Juli 2026 gilt in der EU ein weitreichendes Verbot: Payment for Order Flow (PFOF) wird untersagt. Damit verändert sich das Neobroker-Geschäftsmodell grundlegend, vor allem bei Anbietern, die bislang mit kostenlosem Aktienhandel geworben haben. Für dich als Sparer oder Anleger bedeutet das: Es kann sich bei Ordergebühren, ETF-Sparplan-Gebühren und indirekten Kosten wie Spreads etwas ändern.

Was ist "Payment for Order Flow" überhaupt und warum verbietet die EU es?

Payment for Order Flow beschreibt ein Vergütungsmodell, bei dem ein Broker Geld erhält, wenn er deine Wertpapierorder an einen bestimmten Handelsplatz weiterleitet. Du gibst eine Order in deiner App auf und der Broker leitet diese gezielt an einen Partner-Handelsplatz. Dafür bekommt er eine Provision (Rebate).

Für dich wirkt das oft wie kostenloser Handel, weil keine klassischen Gebühren für Wertpapierhandel oder nur sehr geringe Fixkosten anfallen. Die Einnahmen kommen hier aber indirekt über diese Zahlungen. Das EU-Verbot PFOF 2026 ist Teil eines größeren Pakets zum EU-Kleinanleger-Schutz.

Laut Anwalt.de sollen so mögliche Interessenkonflikte umgangen werden. Die EU will somit sicherstellen, dass Orders stärker nach dem Prinzip der bestmöglichen Ausführung erfolgen – und nicht nach Provisionsanreizen. Zudem soll das Verbot für mehr Transparenz bei tatsächlichen Handelskosten sorgen.

Welche Broker und Finanz-Apps sind vom PFOF-Verbot besonders betroffen?

Besonders betroffen sind Neobroker, deren Geschäftsmodell stark auf PFOF basiert. Typische Merkmale dieser Anbieter sind 0-Euro-Ordergebühren oder gewinnbringende Trades, ein Fokus auf mobile Apps sowie eine Zusammenarbeit mit nur wenigen und bestimmten Handelsplätzen.

Klassische Banken und Direktbroker sind weniger abhängig von PFOF, da sie stärker auf Courtage, Depotgebühren oder andere Einnahmequellen setzen. Das Neobroker-Geschäftsmodell basierte hingegen oft auf einer Kombination aus Payment for Order Flow als Haupt-Einnahmequelle, geringen oder keinen direkten Ordergebühren sowie Zusatzservices (z.B. Premium-Abos).

Ein vereinfachtes Beispiel: Du kaufst eine Aktie für 1.000 Euro. Dein Broker verlangt 0 Euro Ordergebühr. Im Hintergrund erhält er z.B. zwei bis fünf Euro vom Handelsplatz. Zusätzlich können leichte Unterschiede im Spread entstehen, die für den Anleger kaum sichtbar sind.

Was ändert sich für ETF-Sparpläne und Kleinanleger?

Ein zentraler Punkt ist die Frage, ob Trading teurer wird. Sicher ist: Das bisherige Modell fällt weg – wie Broker reagieren, ist offen. Mögliche Szenarien:

  • Einführung fester Ordergebühren Neobroker (z.B. ein bis fünf Euro pro Trade)
  • Anpassung der ETF-Sparplan-Gebühren
  • Höhere oder transparenter ausgewiesene Spreads
  • Neue Preismodelle wie Abos oder Flatrates

Ob und wie stark sich Kosten ändern, hängt vom jeweiligen Anbieter ab. Gerade bei ETF-Sparplänen ist das Thema relevant, weil viele Angebote bislang profitabel oder kostenlos waren. Auch hier kann es zu zusätzlichen oder steigenden Kosten hinsichtlich Gebühren pro Ausführung oder zu Einschränkungen bei kostenlosen Aktions-ETFs kommen.

Welche Alternativen haben Broker nach dem PFOF-Verbot?

Nach dem PFOF-Verbot müssen Broker andere Einnahmequellen nutzen. Denkbare Modelle sind eine klassische Courtage pro Order, pauschale Gebühren pro Trade, Abo-Modelle für Vieltrader oder Einnahmen über Zusatzservices (z.B. Zinsen, Premium-Funktionen). Einige Anbieter könnten auch stärker auf Transparenz bei Preisen und Handelsplätzen setzen, um Vertrauen zu stärken. Auch wenn das Verbot erst ab Juli 2026 gilt, kannst du dich schon jetzt orientieren:

  • Prüfe das Preis- und Leistungsverzeichnis deines Brokers
  • Achte auf Hinweise zu Änderungen beim Gebührenmodell
  • Vergleiche Orderkosten, Spreads und Sparplangebühren
  • Beobachte, ob dein Anbieter sein Angebot anpasst

Hilfreich ist auch, sich im Vorfeld konkrete Fragen zu stellen, etwa: Wie ersetzt der Broker wegfallende PFOF-Einnahmen? Oder welche Handelsplätze werden künftig genutzt? So kannst du besser einschätzen, ob und wie sich deine Kosten im Wertpapierhandel verändern könnten.