Weniger Netto ab 2027: Bei diesem Gehalt drohen fast 500 Euro Verlust

Mehr Kindergeld, weniger Steuern und höhere Freibeträge: 2027 sollen Millionen Arbeitnehmer finanziell entlastet werden. Doch Berechnungen von Finanztip zeigen, dass bei einem Bruttogehalt ab rund 6.000 Euro sogar weniger Netto übrig bleiben könnte. Bei Gutverdienern drohen Einbußen von fast 500 Euro im Jahr.

Die Bundesregierung verspricht mit ihrer Einkommensteuerreform 2027 eine Entlastung insbesondere kleiner und mittlerer Einkommen sowie von Familien. Insgesamt ist ein Entlastungsvolumen von rund zehn Milliarden Euro vorgesehen. Das Bundeskabinett hat den Gesetzentwurf Anfang September auf den Weg gebracht.

Konkret soll der steuerliche Grundfreibetrag 2027 auf 12.564 Euro steigen. Das Kindergeld soll von derzeit 259 auf 267 Euro je Kind und Monat angehoben werden, der Kinderfreibetrag auf 10.056 Euro. Auch Arbeitnehmer sollen profitieren: Der Arbeitnehmer-Pauschbetrag soll von 1230 auf 1430 Euro steigen. Nach Angaben des Bundesfinanzministeriums könnten dadurch rund 1,3 Millionen Steuerpflichtige künftig auf die Anlage N verzichten, weil ihre tatsächlichen Werbungskosten unterhalb des Pauschbetrags liegen.

Höhere Sozialabgaben 2027: Kabinett beschließt neue Grenzen

Doch parallel steigen voraussichtlich die Grenzen, bis zu denen Sozialversicherungsbeiträge erhoben werden. Genau das kann einen Teil der Steuerentlastung wieder zunichtemachen.

Das Bundeskabinett hat am 7. Oktober 2026 die neuen Sozialversicherungsrechengrößen für 2027 beschlossen. Demnach soll die monatliche Beitragsbemessungsgrenze in der Kranken- und Pflegeversicherung von 5.812,50 auf 6.375 Euro steigen. In der Renten- und Arbeitslosenversicherung ist eine Anhebung von 8.450 auf 8.850 Euro vorgesehen. Damit würde ein größerer Teil höherer Einkommen sozialversicherungspflichtig. Die Verordnung muss allerdings noch vom Bundesrat gebilligt werden.

Für Gutverdiener bedeutet eine höhere Beitragsbemessungsgrenze: Ein größerer Teil ihres Einkommens wird mit Sozialversicherungsbeiträgen belastet.

Ab 6.000 Euro brutto: Wann Arbeitnehmer 2027 weniger Netto bekommen

Das Experten-Portal Finanztip hat berechnet, was beide Veränderungen zusammengenommen bedeuten könnten. Bei einem alleinstehenden, kinderlosen Arbeitnehmer in Steuerklasse I ohne Kirchensteuer ergibt sich bei Monatsgehältern zwischen 2000 und 5000 Euro zunächst ein kleines Plus von rund 7,41 bis 10,66 Euro netto.

Bei 6000 Euro brutto dreht sich die Rechnung jedoch: Die monatliche Steuerbelastung sinkt demnach zwar um 20,08 Euro. Gleichzeitig steigen die Sozialabgaben um 20,91 Euro. Unter dem Strich bleiben 83 Cent weniger im Monat.

Deutlicher wird der Effekt bei 9000 Euro brutto. Hier errechnet Finanztip ein Minus von 41,24 Euro monatlich beziehungsweise rund 495 Euro im Jahr.

Mehr Kindergeld, trotzdem weniger Geld: Auch Familien könnten verlieren

Auch Familien müssen laut der Modellrechnung nicht zwangsläufig mehr Geld zur Verfügung haben. Finanztip rechnet mit einem Ehepaar mit zwei Kindern und Monatsgehältern von 7000 und 3000 Euro. Die Steuerersparnis beträgt demnach 36,50 Euro im Monat, während die Sozialabgaben um 57,94 Euro steigen.

Selbst die geplanten 16 Euro zusätzliches Kindergeld für zwei Kinder gleichen das nicht vollständig aus. Unterm Strich hätte die Beispielfamilie laut Berechnung monatlich 5,44 Euro weniger zur Verfügung.

Allerdings handelt es sich bislang um eine Modellrechnung auf Grundlage der aktuellen Regierungsentwürfe. Die Gesetzgebungs- und Verordnungsverfahren sind noch nicht abgeschlossen. Die endgültigen Werte für 2027 können sich daher noch verändern.

Vorschaubild: © Jens Büttner (dpa)