Kleine Gebühren, große Wirkung: Warum ETF-Kosten langfristig den Unterschied machen können
Autor: Benjamin Neumaier
Deutschland, Freitag, 31. Juli 2026
Viele Anleger achten vor allem auf Renditen – und unterschätzen die Wirkung von Gebühren. Dabei können schon kleine Kostenunterschiede über Jahrzehnte große Auswirkungen auf den Vermögensaufbau haben. Experten von Stiftung Warentest, Finanztip, Gerd Kommer Invest, der Verbraucherzentrale Bayern und der Bundesbank erklären, warum niedrige Kosten zu den größten Vorteilen vieler ETFs zählen.
Kleine Unterschiede bei den Gebühren wirken auf den ersten Blick oft harmlos. Genau darin sehen viele Experten jedoch einen der größten Vorteile vieler ETFs: ihre vergleichsweise niedrigen laufenden Kosten.
Karin Baur, Finanzexpertin bei Stiftung Warentest, macht deutlich: „Die Vorteile sind klar: ETFs sind günstiger als aktiv gemanagte Fonds. Vor allem in den laufenden Gebühren.“ Höhere Kosten würden langfristig an der Rendite zehren.
Warum ETFs oft günstiger sind
Der Grund für die vergleichsweise niedrigeren Kosten liegt in der Konstruktion. Viele Aktien-ETFs bilden lediglich einen bestehenden Börsenindex nach – etwa den MSCI World oder den FTSE All World. Anders als bei vielen klassischen Investmentfonds entscheidet dabei meist kein Fondsmanagement aktiv über einzelne Käufe oder Verkäufe. Dadurch entstehen geringere Verwaltungs- und Personalkosten.
Die laufenden Kosten eines weltweit gestreuten ETFs liegen heute häufig nur bei 0,1 bis 0,3 Prozent pro Jahr. Gemeint ist damit die sogenannte Gesamtkostenquote (TER – Total Expense Ratio), also die laufenden Verwaltungskosten eines Fonds. Bei aktiv gemanagten Fonds sind dagegen Gesamtkosten von rund 1,5 Prozent oder mehr möglich – teilweise kommen zusätzlich Ausgabeaufschläge hinzu.
Der entscheidende Punkt dabei: Diese Kosten wirken nicht nur einmalig. Sie reduzieren dauerhaft den Zinseszinseffekt. Dadurch können schon scheinbar kleine Unterschiede langfristig große Auswirkungen auf den Vermögensaufbau haben. Denn die Gebühren fallen Jahr für Jahr erneut an — und je länger Geld investiert bleibt, desto größer wird ihre Wirkung.
Dabei kommt der Anlagehorizont ins Spiel: Gerade bei Aktien-ETFs sollte der möglichst langfristig sein. „Für Aktien und auch Aktien-ETFs gilt aus unserer Sicht eine klare, empirisch gut belegte Daumenregel: Wer hier investiert, sollte einen Anlagehorizont von mindestens zehn Jahren haben“, sagt etwa Daniel Kanzler, Head of Investment bei Gerd-Kommer-Invest.
Wie stark sich dabei die Gebühren auswirken können, zeigen einfache Modellrechnungen. Wer 10.000 Euro für ein Jahr investiert und eine Marktrendite von 5 Prozent erzielt, erwirtschaftet zunächst ein Plus von 500 Euro.