Kapitalrente ab 2028: Was Arbeitnehmer in Deutschland wissen müssen
Autor: Stefan Lutter
Deutschland, Dienstag, 11. August 2026
Die Bundesregierung plant ab 2028 die Einführung einer Kapitalrente als Teil der Rentenreform. Ein neues System aus Aktienfonds und Zusatzbeiträgen soll das Rentenniveau langfristig sichern.
Immer weniger Beitragszahler finanzieren immer mehr Rentner – der demografische Wandel hat das Fundament der gesetzlichen Rentenversicherung in Deutschland nachhaltig erschüttert. Die gesetzliche Rentenversicherung steht damit vor einer strukturellen Zerreißprobe. Mit der Kapitalrente reagiert die Bundesregierung auf diesen Druck: Ein Teil der Rentenbeiträge soll künftig nicht mehr direkt an heutige Rentenempfänger fließen, sondern am Kapitalmarkt angelegt werden.
Grundlage der Kapitalrente als Teil der großen Rentenreform 2026 sind laut dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales 33 Empfehlungen der Alterssicherungskommission, die am 23. Juni 2026 an Bundeskanzler Friedrich Merz und Arbeitsministerin Bärbel Bas übergeben wurden. Sämtliche 33 Empfehlungen beschloss der Koalitionsausschuss am 2. Juli 2026 vollständig umzusetzen. Das Gesetzgebungsverfahren soll nach der parlamentarischen Sommerpause starten – ein Abschluss bis Ende 2026 ist das erklärte Ziel der Bundesregierung, gilt angesichts der rechtlichen Komplexität jedoch als ambitioniert. Neben der Kapitalrente enthält das Reformpaket weitere weitreichende Einschnitte: Das reguläre Renteneintrittsalter soll ab 2041 schrittweise auf 67,5 Jahre steigen, und auch bei Steuern und Kindergeld plant die Regierung Änderungen.
So funktioniert die Kapitalrente ab 2028: Aufbau und Beiträge
Ergänzend zur bestehenden Umlagerente zahlen ab 2028 Arbeitgeber und Beschäftigte einen Teil ihres Bruttoeinkommens in einen öffentlichen Fonds ein – als Zusatzbaustein, nicht als Ersatz. Laut den Plänen der Rentenkommission beträgt der Beitrag zum Start je 0,5 Prozent des Bruttoeinkommens und steigt in jährlichen Schritten bis 2031 auf je ein Prozent, sodass insgesamt zwei Prozent in den Kapitalstock fließen. Für einen Beschäftigten mit 3500 Euro Bruttolohn bedeutet das dem Nachrichtenportal news.de zufolge einen Zusatzbeitrag von rund 35 Euro pro Monat, sobald die Reform vollständig greift.
Spürbar steigen lassen sollen die Erträge laut Rentenkommission das Rentenniveau der heute Jüngeren ab etwa 2040 – für Arbeitnehmer kurz vor dem Ruhestand ist mit einem nennenswerten Effekt hingegen kaum zu rechnen.
Bereits beschlossen ist ergänzend zur Kapitalrente die sogenannte Frühstart-Rente: Zwischen sechs und 18 Jahren erhalten Kinder monatlich zehn Euro steuerfrei auf ein persönliches Altersvorsorgedepot – der erste Jahrgang bekommt den Betrag rückwirkend ab Januar 2026. Ausdrücklich empfiehlt die Rentenkommission, die Frühstart-Rente mit der gesetzlichen Kapitalrente zu verzahnen, um besonders lange Ansparzeiten zu ermöglichen.
Schweden als Vorbild: Staatsfonds und Renditechancen für Deutschland
Als Orientierungsmodell dient das schwedische System: Seit dem Jahr 2000 läuft der staatliche Standardfonds AP7 Såfa und wird mit 2,5 Prozent der Rentenbeiträge gespeist. Zwischen 2000 und 2025 erzielte er dem Nachrichtenportal t-online zufolge im langjährigen Durchschnitt rund elf Prozent Rendite pro Jahr – bei Verwaltungskosten von nur 0,05 Prozent.
Auch für Deutschland ist ein Staatsfonds vorgesehen, der das Kapital der Versicherten zu Kosten von maximal 0,1 Prozent pro Jahr anlegen soll. Als konkreter Kandidat für das Fondsmanagement gilt der KENFO – der staatliche Fonds zur Finanzierung der kerntechnischen Entsorgung. Öffentlich signalisiert hat KENFO-Vorstandsvorsitzende Anja Mikus laut der Frankfurter Allgemeinen Zeitung die Bereitschaft ihres Hauses: "Wir haben jetzt die Plattform dafür und wir haben die Kompetenz dafür", so Mikus.