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Arbeitsmarkt

Zukunftsmodell Job-Sharing? - Wie es geht und für wen es sich eignet

Nicht jeder und jede kann oder möchte einen Vollzeitjob machen. Doch viele Stellen sind mit einer 40-Stunden-Woche verbunden. Was liegt da näher, als sich seinen Job mit jemand anderem zu teilen?
Könnte Jobsharing ein Zukunftsmodell sein?
Könnte Jobsharing ein Zukunftsmodell sein? Foto: Headway/unsplash.com
  • Jobsharing: Was ist das eigentlich genau und wie funktioniert es in der Praxis?
  • Eignet sich das Jobteil-Prinzip für jeden und wann lohnt sich das überhaupt?
  • Aus welchen Gründen sich Arbeitnehmer*innen für dieses Arbeitszeitmodell entscheiden.
  • Gibt es einen gesetzlichen Anspruch darauf?

Der geteilte Arbeitsplatz - ein Fall für zwei

Eigentlich könnte man meinen, mit dem hochtrabenden Begriff angelsächsischen Ursprungs sei letztlich ohnehin nichts anderes als Teilzeitarbeit gemeint: Jobsharing. Klar, ganz falsch ist das nicht. Vielmehr liegt der Unterschied vor allem darin, dass bei den üblichen Teilzeitmodellen der Arbeitgeber zwei verschiedene Stellen besetzt, die nicht unbedingt etwas miteinander zu tun haben oder zumindest haben müssen. Beim Jobsharing ist es zumeist so, dass nicht das Unternehmen einfach nur eine Vollzeitstelle auseinanderdividiert, sondern von Arbeitnehmerseite her der Wunsch entsteht, weniger zu arbeiten und sich dann zwei Personen eine Stelle teilen möchten.

Die Gründe dafür sind vielfältig und reichen von 

  • gesundheitlichen Problemen über
  • die Betreuung von Kindern als auch
  • das Bedürfnis nach mehr Freizeit sowie
  • einem anderen Job oder einem Hobby sowie
  • steuerlichen Vorteilen bei geringerem Gehalt bis
  • hin zu weniger Stress durch geteilte Verantwortung.

Doch geht das einfach so und wie funktioniert das Ganze dann in der Praxis? Die Antwort darauf hängt vor allem vom jeweiligen Job ab. Wenn jemand beispielsweise überwiegend als Empfangssekretär*in arbeitet, dann reicht es in den meisten Fällen aus, dem Jobpartner am Schichtende mündlich oder schriftlich ein kurzes Übergabeprotokoll zukommen zu lassen. Wer nämlich am Nachmittag am Telefon sitzt, sollte zumindest wissen, dass ein bestimmter Kunde bereits am Vormittag mehrmals angerufen hat. Bei Buchhaltungsarbeiten kann es wiederum völlig ausreichen, wenn jede*r in der Arbeitszeit bestimmte, voneinander unabhängige Buchungen erledigt. Komplizierter wird es etwa in der Produktentwicklung oder auch in Führungspositionen. Hier ist es unerlässlich, sich sehr gut miteinander abzustimmen, um Fehlentwicklungen sowie Fehlentscheidungen zu vermeiden.

Doch haben Arbeitnehmer einen gesetzlichen Anspruch auf einen Jobsharing-Arbeitsplatz, oder kann das Unternehmen dies auch generell ablehnen? Einen Anspruch per Gesetz auf einen geteilten Arbeitsplatz gibt es nicht. Möglich wird dieses Arbeitszeitmodell nur dann, wenn es ausdrücklich im Arbeitsvertrag zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer vereinbart wurde, so der Fachanwalt für Arbeitsrecht Alexander Bredereck aus Berlin. In Paragraf 13 des Teilzeit- und Be­fristungs­gesetzes finden sich die gesetzlichen Grundlagen dazu, erklärt der Anwalt. Wenn es jedoch keine ausdrückliche Jobsharing-Klausel im Arbeitsvertrag gibt, handelt es sich um einen einfachen Teilzeitarbeitsvertrag

Die verschiedenen Spielarten der Arbeitsteilung und ihre Vor- und Nachteile

Teilen heißt übrigens nicht immer automatisch fifty-fifty. Möglich sind auch die Variationen 70:30, 60:40 oder 80:20 bei der Stellenaufteilung. Die Schwierigkeit liegt zumeist vielmehr darin, dass sich die Partner*innen auf eine Variante einigen können. Auch die Frage, wer früh und wer spät arbeiten darf, ist gerade bei Eltern mit schulpflichtigen Kindern und dem Bedürfnis, schon ab den frühen Nachmittagsstunden wieder zu Hause zu sein, nicht gerade selten ein echtes Problem. Eine weitere Herausforderung bei der Arbeitsteilerei liegt in den verschiedenen Spielarten des Jobsharings begründet. Hier lassen sich folgende Varianten und die damit verbundenen Besonderheiten unterscheiden:

  • Job Splitting: Diese Möglichkeit ist in der Umsetzung relativ unkompliziert. Hier wird einfach eine Vollzeitstelle in zwei oder auch mehrere Teile geteilt und die Mitarbeiter*innen können relativ unabhängig voneinander arbeiten.
  • Job Pairing: Bei dieser Variante ist vor allem Teamwork gefragt. Hier arbeiten die Jobsharer eng und gut aufeinander abgestimmt zusammen am selben Projekt. Somit ist hier nicht nur die Fähigkeit zum koordinierten Arbeiten gefragt, sondern auch die Bereitschaft, Verantwortung abzugeben.
  • Top Sharing: Hier teilen sich Führungskräfte die gemeinsame Aufgabe. Für Rivalität oder selbstzentrierte Macher, die keinen anderen neben sich dulden, ist diese Spielart eher weniger geeignet. Hier gilt es ganz besonders, in guter Kommunikation zu sein und am besten, bestimmte Aufgaben klar aufzuteilen.

Aus diesen unterschiedlichen Anforderungen ergibt sich dann auch, dass das Jobsharing-Modell nicht gleichermaßen gut für jeden geeignet ist. Vielmehr leiten sich daraus eine Reihe von persönlichen Voraussetzungen ab, die vor der Entscheidung für oder gegen die Arbeitsteilung in Ruhe abgewogen werden sollten. 

Zusammenfassung

Dazu gehört auf jeden Fall ein gewisses Organisationstalent, um - gerade bei sehr enger Zusammenarbeit - die verschiedenen Aufgaben und Abläufe möglichst gut zu koordinieren. Je komplexer und anspruchsvoller der Job ist, umso höher sind die Anforderungen, alle Komponenten geschickt miteinander zu verknüpfen. Ein weiterer Punkt ist sicherlich die Kommunikationsfähigkeit. Wenn sich hier die Jobsharer nicht gut miteinander abstimmen und sich permanent über alle wichtigen Prozesse austauschen, dann endet der Job alsbald in einem Desaster. Auch sollte zumindest ein gewisses Maß an Respekt oder noch besser: Sympathie füreinander vorhanden sein. Wenn sich zwei nicht leiden können, dann scheiden zumindest die Formen des Job Pairing und des Top Sharing in den allermeisten Fällen aus. Ebenso sollte eine gewisse Kompromissbereitschaft auf beiden Seiten vorhanden sein. Wer nur sein Ding machen will und zumeist glaubt, er oder sie wisse und könne ohnehin alles besser, sollte lieber - schon alleine im eigenen Interesse - die Finger vom Jobsharing lassen. Doch für all jene, die diese Fähigkeiten mitbringen, kann diese Form der Arbeitsteilung ein hohes Maß an Entlastung und Flexibilität mit sich bringen.