Girokonto im Minus: So viele Deutsche wie nie zuvor betroffen

Immer mehr Deutsche geraten mit ihrem Girokonto ins Minus. Die Zahl der Dispo-Nutzer erreicht einen neuen Höchststand.

Die Zahl der Menschen mit Schulden auf dem Girokonto ist so hoch wie nie zuvor: Aktuell befinden sich so viele Deutsche mit ihrem Konto im Minus wie noch nie seit Beginn der Erhebungen. Im August 2026 meldete eine fortlaufende Umfrage einen Anstieg auf 13,9 Prozent. Damit ist etwa jeder siebte Bürger regelmäßig verschuldet. Zugleich bleibt die Kontoüberziehung die teuerste Kreditform für private Haushalte und wird häufig unterschätzt.

Starker Anstieg beim Dispo: Jeder siebte Deutsche hat Schulden auf dem Girokonto

Im August 2026 ist der Anteil der Erwachsenen mit negativem Girokontostand in Deutschland auf einen neuen Höchststand geklettert. Nach Angaben des Finanzierungsportals smava, das das Meinungsforschungsinstitut Civey mit der Erhebung beauftragt hat, gaben 13,9 Prozent der Befragten an, mit ihrem Konto im Minus zu stehen.

Das ist der höchste Wert seit Start der Umfrage im Dezember 2021. Gleichzeitig gibt es einen deutlichen Anstieg gegenüber dem Vormonat. Hier waren vom Dispo noch 12,5 Prozent der Bürger betroffen.

Zum Vergleich: Laut Forschung und Wissen hatten 75,5 Prozent der Befragten im August ein positives Konto, während 12,0 Prozent ihren aktuellen Kontostand erst gar nicht kannten. Die smava-Umfrage wird seit Juli 2025 mit 5.000 statt zuvor 2.500 Teilnehmern durchgeführt, wodurch der statistische Fehler von 3,5 auf 2,5 Prozentpunkte sank.

Deutliche regionale Unterschiede

Bei der Betrachtung nach Bundesländern zeigen sich erhebliche Unterschiede. In Baden-Württemberg stand mit 15,9 Prozent der größte Anteil der Befragten im Minus. Es folgen Hessen mit 15,2 Prozent und Schleswig-Holstein mit 15,1 Prozent. Brandenburg hingegen meldete mit 10,0 Prozent den geringsten Wert an überzogenen Konten. Auch Mecklenburg-Vorpommern (10,3 Prozent) und Sachsen-Anhalt sowie Sachsen (je 11,9 Prozent) stehen vergleichsweise gut da.

Die Julidaten, die vollständig aufgeschlüsselt vorliegen, geben laut Forschung und Wissen zudem die Höhe der Überziehungen wieder: 6,8 Prozent aller Befragten lagen bis zu 1.000 Euro im Minus, 1,1 Prozent zwischen 1.001 und 2.000 Euro und 4,1 Prozent hatten ein Minus von über 2.000 Euro auf dem Konto stehen. Etwas ein Viertel der Kontoüberzieher lag demnach mit über 2.000 Euro im Dispo.

Wer beim Girokonto ins Minus rutscht, zahlt drauf. Es greift der sogenannte Dispokredit, der weiterhin mit hohen Zinsen aufwartet. Nach Angaben der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) betrug der durchschnittliche Dispozins im August 11,42 Prozent. Bei einer geduldeten Überziehung ohne vereinbarten Rahmen fielen für Verbraucher im Schnitt sogar 13,22 Prozent an. Im Vergleich: Ein neu abgeschlossener Ratenkredit bietet laut Deutscher Bundesbank durchschnittlich 8,35 Prozent Zinsen und ist somit im Schnitt 25 Prozent günstiger.

Kosten im Vergleich und mögliche Ursachen

Eine Beispielrechnung verdeutlicht die enorme Zinslast: Bei einem durchgängigen Minus von 2.500 Euro über zwölf Monate summieren sich die Zinsen beim üblichen Dispokredit auf circa 289 Euro. Wer ohne Vereinbarung überzieht, muss mit rund 335 Euro rechnen. Deutlich sparsamer wäre ein Ratenkredit – hier lägen die Kosten bei lediglich etwa 110 Euro. Auf einen Monat heruntergerechnet bedeutet die Dispo-Nutzung eine Belastung von knapp 24 Euro.

Die Studie liefert keine direkten Belege für die Ursachen der Entwicklung, da sie sich ausschließlich auf die Abfrage des Kontostands beschränkt. Finanzexperten gehen jedoch davon aus, dass explodierende Fixkosten – etwa für Miete, Strom und Nahrungsmittel – den finanziellen Puffer zahlreicher Haushalte aufzehren.

Dass ein beträchtlicher Teil der Befragten mit mehr als 2.000 Euro im Negativbereich liegt, spricht dafür, dass viele nicht nur vorübergehende Engpässe überbrücken, sondern dauerhaft verschuldet sind. Auffällig ist außerdem: Etwa jeder achte Befragte weiß nicht, wo sein Konto aktuell steht. Diese Unkenntnis macht es schwer, die eigenen Ausgaben gezielt zu kontrollieren und gegenzusteuern.

Maßnahmen zur Vorbeugung und eigene Verantwortung

Die BaFin rät dazu, die Zinsangebote der Banken sorgfältig zu vergleichen und nach Möglichkeit Umschuldungen zu realisieren. Einige Banken bieten günstigere Rahmenkredite als Alternative zum teuren Dispokredit an. Zudem bieten Schuldnerberatungen kostenlose Unterstützung an, um Wege aus der Schuldenfalle aufzuzeigen. Du kannst auch persönliche Finanzapps nutzen, die einem helfen, Einnahmen und Ausgaben besser im Blick zu behalten und somit das Konto nicht ins Minus rutschen zu lassen.

Vorschaubild: © Shisu_ka/Adobe Stock/Symbolbild