66 Vorschläge für Reformmaßnahmen legte die Finanzkommission Gesundheit jüngst vor. AOK-Chefin Carola Reimann sieht Potenzial - und eine Chance auf sinkende Beiträge.
Die Debatte um die 66 von der Finanzkommission Gesundheit vorgeschlagenen Maßnahmen zur Reformierung des Gesundheitssystems hält an. Vor allem die Abschaffung der kostenlosen Mitversicherung steht dabei in der Kritik, es gibt jedoch auch viel Lob. AOK-Chefin Carola Reimann sieht sogar das Potenzial, dass die Beiträge im nächsten Jahr sinken könnten, wie sie im Gespräch mit der Bild am Sonntag äußerte.
"Wenn man in der Politik jetzt diese Vorschläge nimmt und mit Mut und Entschlossenheit umsetzt, dann braucht man keine weiteren Belastungen bei den Versicherten", ergänzte sie. Es sei allerdings "nicht klar, ob die Regierungskoalition auch die Kraft hat." Die Kommission habe der Politik jedoch eine "richtig gute Basis zur Entscheidung hingelegt", bekräftigte die AOK-Chefin.
Sparvorschläge der Kommission: Straft Kassen-Reform Frauen ab?
Besonders die Sozialverbände VdK und SoVD sehen die Vorschläge hingegen kritisch – allem voran die Abschaffung der kostenfreien Mitversicherung. VdK-Präsidentin Verena Bentele betont in einer Mitteilung des Verbands: Die Familienversicherung sei ein Kernelement der gesetzlichen Krankenversicherung und müsse vor allem für Familien mit kleinen und mittleren Einkommen unangetastet bleiben. "Der Wegfall bestraft sie für die gelebte Realität in Deutschland, dass viele Frauen in der Vergangenheit nicht so arbeiten konnten, wie sie wollten."
Im Gespräch mit dem SWR führt Bentele aus: In den vergangenen Jahrzehnten habe es zu wenig Kinderbetreuung und zu wenig Möglichkeiten gegeben, Angehörige pflegen zu lassen. Die Mitversicherung trage diesem Umstand Rechnung. "Solange das noch nicht überall super funktioniert, muss man sich so eine Maßnahme einfach gut überlegen." Perspektivisch sei es jedoch wünschenswert, mehr Frauen durch entsprechende Maßnahmen eine Beschäftigung zu ermöglichen.
Die von der Kommission vorgeschlagene Einführung eines Teilkrankengeldes auf Basis abgestufter Arbeitsunfähigkeit lehnt der VdK ebenfalls klar ab. "Eine solche Regelung würde den Druck auf Beschäftigte massiv erhöhen, krank zur Arbeit zu erscheinen – mit negativen Folgen für die Gesundheit und die Arbeitswelt insgesamt", bemängelt die Vdk-Präsidentin. Auch die Einschnitte beim Krankengeld werden kritisch gewertet. Aber: "Der Sozialverband VdK begrüßt, dass erhebliches Einsparungspotenzial bei den Leistungserbringern identifiziert wurde. "
Sozialverband sieht Abschaffung der beitragsfreien Mitversicherung als "völlig falschen Ansatz"
Die Abschaffung der Mitversicherung sehe man als "völlig falschen Ansatz", ebenso wie die Erhöhung der Zuzahlungsbegrenzungen, betont auch Michaela Engelmeier, Vorstandsvorsitzende des Sozialverbands SoVD, auf Nachfrage von inFranken.de.
Die vorgeschlagene Reduzierung der Festzuschüsse für Zahnersatz hätte zudem "gar fatale Folgen". Zwar gebe es auch positive Punkte wie das obligatorische Zweitmeinungsverfahren etwa bei Knie- oder Hüftprothesen, die kostendeckende Finanzierung der Beiträge von Bürgergeldbeziehenden und die Streichungen homöopathischer Leistungen.