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Altersvorsorgedepot: So viel Geld kann die staatliche Förderung bringen


Autor: Klaus Heimann

, Montag, 19. Oktober 2026

Das Standarddepot ist ein "Rundum-sorglos-Paket", dafür mit geringeren Renditechancen. Wer "mehr" will, wählt ein freies Depot.
Beim AV-Depot müssen Sie, wie bei jeder Aktienanlage, Kursschwankungen aushalten. Aber die Renditechancen sind gut.


Das Altersvorsorge-Reformgesetz bringt ab 2027 mehr Förderung und bietet neue Chancen für die private Rente. Was jeder dazu wissen sollte, haben wir in diesem Artikel zusammengefasst. Gründe, warum man die neue Förderung 

Was ist ein Standarddepot und wie viele Risikoklassen gibt es?

Für die neue Ära der privaten Altersvorsorge benötigen Sie ein freies Wertpapier- oder ein Standarddepot. Die Zugangsvoraussetzungen sind vergleichsweise niedrig: Sie müssen volljährig sein, in Deutschland wohnen und in vollem Umfang geschäftsfähig sein.

Das Standarddepot ist eine neu eingeführte, vereinfachte und staatlich regulierte Variante des AV-Depots. Es richtet sich an Beschäftigte, die keine eigenen Anlageentscheidungen treffen möchten, und soll einen unkomplizierten Einstieg in die kapitalgedeckte Vorsorge ermöglichen. Das Depot ist auf niedrige Kosten ausgelegt und ist auch digital zu eröffnen.

Der Kunde entscheidet, welchen Standardfonds er auswählt. Das Gesetz sieht dafür zwei Fondstypen vor: einen sicherheitsorientierten Fonds (Risikoindikator 1 bis 2, wobei der Wert Sieben für den höchsten Faktor steht) und einen mehr renditeorientierten Fonds (Risikoindikator 3 bis 5). Die Kundinnen und Kunden müssen nur entscheiden, wie sie ihren Eigenbeitrag zwischen diesen beiden Fonds aufteilen. Wer keine eigene Auswahl treffen möchte, übernimmt den Vorschlag des Anbieters.

Mit wem können Sie einen Altersvorsorgevertrag abschließen?

Die AV-Depots können Sie bei unterschiedlichen Anbietern abschließen: Banken, Versicherungen, Fondsgesellschaften, Depotanbietern und Neobrokern. Alle Finanzinstitute müssen ihre Vorsorgeverträge zertifizieren lassen und zwar vom Bundeszentralamt für Steuern (BZSt). Die Zertifizierung bestätigt, dass ein Vertrag die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt. Sie ist keine Qualitätsbewertung zu Kosten. 

Die Zertifizierung ist zwingende Voraussetzung, damit Sparende staatliche Zulagen oder Steuervorteile erhalten. Sie müssen also darauf achten, dass Ihr AV-Depot bzw. das Finanzinstitut vom BZSt zertifiziert ist. Auch der Staat will selbst ein öffentlich organisiertes AV-Depot anbieten. Wie und wer genau das umsetzt, ist noch nicht bekannt.

Vom Bundesfinanzministerium heißt es dazu: "Mit dem Altersvorsorgereformgesetz erhält die Bundesregierung die Möglichkeit, einen öffentlichen Träger mit der Umsetzung eines Standarddepot-Vertrags zu beauftragen. Dies bedarf jedoch einer Verordnung der Bundesregierung, die derzeit noch nicht vorliegt."

Was ist ein Garantieprodukt und gibt es eine Kapitalgarantie?

Beim AV-Depot müssen Sie, wie bei jeder Aktienanlage, Kursschwankungen aushalten. Um aber dem weit verbreiteten Misstrauen der Deutschen gegenüber Geldanlagen in Aktien und Fonds zu begegnen, gibt es unterschiedlichen Variante der Kapitalanlage im AV-Depot: 

  • Keine Beitragsgarantie: Das ist eine kapitalmarktorientierte Anlage in zugelassenen Fonds und ETFs. Je nach Anbieter können Sie die Auswahl und Gewichtung der Geldanlage weitgehend selbst bestimmen.
  • Vereinfachtes AV-Depot (Standarddepot): Die Kapitalanlage geschieht über zwei vom Anbieter ausgewählte Fonds. Die Fonds haben Standardeinstellungen, automatisches Ablaufmanagement und einen gesetzlichen Kostendeckel.
  • Produkt mit einer 80- oder 100-Prozent-Garantie: Das ist ein geförderter Altersvorsorgevertrag mit einer  garantierten Mindestleistung zum Beginn der Auszahlungsphase.

Der Gesetzgeber und das Bundesfinanzministerium verzichten bewusst auf eine starre 100-Prozent-Beitragsgarantie.  Anleger entscheiden selbst, ob das angesparte Geld vollständig in renditestärkere Anlagen wie weltweite Aktien-ETFs und Fonds fließt. Sicherheitsbewusste Anleger können ein Garantieprodukt mit einer Absicherung von 80- oder 100-Prozent wählen. Im Gegenzug müssen Sie aber geringere Renditechancen in Kauf nehmen.

Welche Kosten entstehen für das AV-Depot?

Die Kosten für ein Standarddepot sind gesetzlich begrenzt. Zu den Effektivkosten zählen Depotführung, Orders sowie Handelsplatz- und Fremdkosten. Sie dürfen bei Standarddepots höchstens ein Prozent pro Jahr betragen. Die Gebühren berechnen sich entweder nach dem eingezahlten Betrag (Sparrate), dem gesamten Depotvolumen (Fondsvermögen) oder es gibt eine feste Pauschale als Basis. Damit will der Gesetzgeber Kostenauswüchse wie bei den Riester-Verträgen verhindern. 

Die Auswahl der Wertpapiere ist bei Standarddepots begrenzt. Bei einem freien Depot können Sie wählen. Hier ist der Vorteil, dass Sie aus allen zugelassenen Fonds und ETFs wählen können. Einen gesetzlichen Kostendeckel gibt es nicht, hier variieren die Kosten je nach Anbieter. Ein Vergleich lohnt sich also spätestens im Januar 2027. Konkrete Konditionen für Standarddepots liegen bislang nur vereinzelt vor.

Scalable Capital hat angekündigt, auf Gebühren für Konto, Depot, Sparpläne und Käufe verzichten zu wollen; bei ETF-Kosten von höchstens 0,15 Prozent – im ersten Jahr null Prozent. Trade Republic hat unterdessen ein Modell angekündigt, bei dem dauerhaft null Kosten für bestimmte ETFs anfallen sollen - ob sich das lohnt, haben wir hier analysiert.

Andere Neobroker, Flatex, Smartbroker+, Traders Place und finanzen.net ZERO, Direktbanken wie comdirect, DKB, Consorsbank und Fidelity International sowie digitale Vermögensverwalter wie Quirion und Oskar haben die Einführung von AV-Depots angekündigt, aber noch keine Preismodelle veröffentlicht.