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200-Euro-Regel 2026: Neue Kreditregeln für PayPal und Klarna
Autor: Tamara Schneider, Stefan Lutter
Deutschland, Dienstag, 06. Oktober 2026
Millionen Einkäufe täglich – oft mit wenigen Klicks auf Rechnung oder in Raten. Ab dem 20. November 2026 setzt die neue Verbraucherkreditreform genau hier an: Kleinkredite bis 200 Euro, zinsfreie Zahlungsaufschübe und "Buy now, pay later"-Angebote von PayPal, Klarna und anderen Anbietern fallen unter strengere Kreditregeln.
Heute kaufen, später bezahlen: Für bestimmte Kleinkredite und Ratenkäufe bei PayPal, Klarna und anderen Anbietern gelten in Deutschland ab dem 20. November 2026 neue Verbraucherkreditregeln. Die Bundesregierung informiert in einem aktuellen Beitrag über die geplante Reform, die unter anderem spezielle Kleinkredite bis 200 Euro, zins- und gebührenfreie Angebote, kurzfristige Finanzierungen sowie zahlreiche "Buy now, pay later"-Konzepte (BNPL) stärker regulieren wird. Dabei stehen auch digitale Bezahldienste und innovative Finanzierungsmodelle im Fokus, die künftig strengeren Regeln unterliegen.
Für Verbraucher bringen die Änderungen einerseits mehr Schutz, beim Online-Shopping müssen sie sich jedoch auf umfangreichere Prüfungen einstellen. Entscheidend ist, ob ein Zahlungsaufschub oder eine Ratenzahlung vorliegt, die als Verbraucherkredit eingestuft wird – nicht jede Zahlung über Anbieter wie PayPal oder Klarna fällt automatisch darunter.
Verbraucherkreditreform 2026: Neue Regeln für PayPal, Klarna und Kleinkredite
Wie aus dem im Bundesgesetzblatt, der amtlichen Verkündungsplattform des Bundes, veröffentlichten Umsetzungsgesetz hervorgeht, beschloss der Bundestag das Gesetz am 17. April 2026. Der Bundesrat stimmte am 8. Mai 2026 zu. Das Gesetz trägt das Datum 12. Mai 2026 und wurde am 18. Mai 2026 verkündet.
Nach Angaben des Rechtsportals der Europäischen Union EUR-Lex musste die Richtlinie (EU) 2023/2225 bis zum 20. November 2025 in nationales Recht umgesetzt werden. Die neuen Regelungen sollen dann ab dem 20. November 2026 angewendet werden. Für Kreditverträge, die an diesem Stichtag bereits bestehen, gelten nach den Übergangsregelungen grundsätzlich weiterhin die bisherigen Vorschriften, bis der jeweilige Vertrag beendet ist. Hinweis: Die sogenannte "200-Euro-Regel" ist kein offizieller Gesetzesbegriff. Gemeint sind damit neue Verbraucherkreditregeln, die künftig auch bestimmte Kleinkredite bis zur gesetzlichen Schwelle von 200 Euro erfassen. Amtliche Übersichten sprechen teilweise von Krediten bis 200 Euro, während einzelne gesetzliche Formulierungen an einen Nettodarlehensbetrag von weniger als 200 Euro anknüpfen. Welche Regel greift, hängt deshalb von der konkreten gesetzlichen Einordnung und der Vertragsgestaltung ab.
Auf die Risiken mehrerer kleiner Zahlungsaufschübe weist die deutsche Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hin, die Verbraucher über Finanzprodukte und damit verbundene Risiken informiert: Offene Beträge und Fälligkeiten können dadurch aus dem Blick geraten. Die Folge: Bei einem erfassten Verbraucherkredit kann künftig eine Kreditwürdigkeitsprüfung erforderlich sein. Das kann bestimmte Angebote von PayPal, Klarna und anderen BNPL-Anbietern betreffen. Nicht jede Zahlung über diese Plattformen ist jedoch ein Kredit.
200-Euro-Regel ab November 2026: Informationspflichten und Bonitätsprüfung
Grundsätzlich erfasst die Reform neu abgeschlossene Kreditverträge, die ab dem 20. November 2026 unter die neuen Vorschriften fallen. Für Verbraucher ergeben sich je nach Vertragsmodell insbesondere zusätzliche Informationspflichten und Anforderungen an die Prüfung der Rückzahlungsfähigkeit.
Bereits vor dem Vertragsschluss können umfangreichere Informationen über Kosten, Laufzeit und Rückzahlung erforderlich sein. Der Kreditgeber muss bei erfassten Finanzierungen die Kreditwürdigkeit des Verbrauchers prüfen. Dabei können Angaben zu Einkommen, Ausgaben und anderen finanziellen Verpflichtungen einbezogen werden.
Unter bestimmten Voraussetzungen lässt sich bei einer automatisierten Kreditwürdigkeitsprüfung eine menschliche Überprüfung verlangen. Die konkreten Pflichten hängen vom jeweiligen Kreditmodell und den gesetzlichen Ausnahmen ab.
Beim Kauf von Kleidung, Konzerttickets oder Elektronik auf Rechnung oder in Raten kann der Zahlungsaufschub künftig unter die Verbraucherkreditregeln fallen. Das gilt insbesondere dann, wenn ein Zahlungsdienstleister oder ein anderer Anbieter die Zahlung finanziert oder als Kredit vermittelt.
Rechnungskauf und Ratenzahlung: Abgrenzung zum Verbraucherkredit
Anders verhält es sich bei einem gewöhnlichen Rechnungskauf: Er wird nicht automatisch zu einem Verbraucherkredit. Räumt ein Händler lediglich eine kurze Zahlungsfrist ein, ohne einen gesonderten Kredit zu finanzieren, kann eine andere rechtliche Einordnung gelten. Entscheidend sind die konkrete Vertragsgestaltung, die Zahlungsfrist und die Frage, wer den Zahlungsaufschub finanziert.
Für erfasste Kreditmodelle ist nicht allein die Höhe des Kaufpreises ausschlaggebend. Auch ein zinsfreier oder kurzfristiger Ratenkauf über 50 oder 100 Euro kann dann bestimmte Prüfungen und Informationspflichten auslösen.
Zwar entstehen bei einer zinsfreien Zahlung keine Kreditzinsen. Trotzdem kann der Zahlungsaufschub unter die neuen Verbraucherkreditregeln fallen, wenn die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt sind. Bei einem klassischen Rechnungskauf kommt es dagegen darauf an, ob tatsächlich ein Kredit oder lediglich eine kurze Zahlungsfrist vereinbart wurde.
Laut der Verbraucherzentrale kann "Buy now, pay later" je nach Modell einem modernen Rechnungskauf oder einer Kreditfinanzierung ähneln. Entscheidend ist deshalb, wann die Zahlung fällig wird, ob Gebühren anfallen und ob aus dem Zahlungsaufschub eine Ratenzahlung wird.
Buy now, pay later bei Klarna und PayPal: Rückzahlungsfähigkeit prüfen
Ob der Verbraucher die Rückzahlung voraussichtlich leisten kann, muss der Kreditgeber bei einem erfassten Verbraucherkredit prüfen. Das kann bestimmte Angebote von PayPal, Klarna und anderen BNPL-Anbietern betreffen. Nicht jeder Anbieter ist bei jedem Modell selbst der Kreditgeber.
Bei der Kreditwürdigkeitsprüfung können Angaben zu Einkommen, Ausgaben und anderen finanziellen Verpflichtungen einbezogen werden. Welche Informationen konkret benötigt werden, hängt vom Finanzierungsmodell, vom Kreditgeber und vom jeweiligen Prüfverfahren ab.
Bonitätsprüfung bei Ratenkäufen: Wartezeiten und mögliche Ablehnung
Mehrere laufende Ratenkäufe oder Zahlungsaufschübe können dazu führen, dass die Kreditwürdigkeitsprüfung länger dauert oder eine Ablehnung erfolgt. Der bisher schnelle Bezahlvorgang bei PayPal und Co. kann sich dadurch verzögern.
Dauerhaft beeinträchtigt ist die Kreditwürdigkeit durch eine Ablehnung allerdings nicht automatisch. Ob Daten an eine Wirtschaftsauskunftei übermittelt werden und wie sich ein Vertrag auf eine Bewertung auswirkt, hängt vom jeweiligen Anbieter, Vertrag und Zahlungsverhalten ab.
Zwei Einkäufe für beispielsweise 80 und 90 Euro mit jeweils einem separaten Zahlungsaufschub führen zu zwei offenen Zahlungsverpflichtungen. Werden beide Käufe von einem Anbieter zu einer Finanzierung über 170 Euro zusammengefasst, kann daraus ein einheitlicher Kleinkredit entstehen. Entscheidend ist nicht allein die Summe, sondern die konkrete Vertragsgestaltung.
Automatisierte Kreditwürdigkeitsprüfung: Verbraucherrecht auf menschliche Kontrolle
Beruht die Kreditwürdigkeitsprüfung auf einer automatisierten Verarbeitung personenbezogener Daten, können Verbraucher bei erfassten Kreditverträgen eine menschliche Überprüfung der Entscheidung verlangen. Dadurch soll eine automatisierte Entscheidung nachvollziehbarer werden und nicht ohne weitere Prüfung das alleinige Ergebnis bleiben.
Eine Bewilligung des Kredits folgt aus dem Recht auf menschliche Überprüfung jedoch nicht automatisch. Der Anbieter kann nach der Prüfung weiterhin zu dem Ergebnis kommen, dass die Finanzierung nicht angeboten wird.
Zusätzlich können bei ausschließlich automatisierten Entscheidungen die Datenschutzregeln zu automatisierten Entscheidungen relevant sein. Ob und in welchem Umfang daraus weitere Rechte entstehen, hängt vom konkreten Verfahren und der jeweiligen Rechtsgrundlage ab.
Ratenkauf mit PayPal und Klarna: Kosten und offene Zahlungen im Blick behalten
Für regelmäßige Nutzer von Bezahldiensten wie PayPal oder Klarna ist es wichtig, die 200-Euro-Regel zu kennen. Auch wenn der Betrag niedrig ist oder keine Zinsen anfallen, solltest du einen "Buy now, pay later"-Kauf ab dem 20. November 2026 als finanzielle Verpflichtung behandeln.
Prüfe vor dem Kauf, ob du die Rückzahlung sicher leisten kannst. Wenn mehrere verzögerte Zahlungen oder Ratenkäufe parallel laufen, solltest du die Summe aller offenen Verpflichtungen prüfen. Entscheidend ist nicht nur die einzelne Monatsrate.
Prüfe den Gesamtbetrag, den du einschließlich Zinsen und Gebühren zurückzahlen musst.
Notiere dir Fälligkeiten und Laufzeiten, damit keine Zahlung übersehen wird.
Rechne alle offenen Raten und Zahlungsaufschübe zu deinen monatlichen Fixkosten hinzu.
Vergleiche den effektiven Jahreszins und die Gesamtkosten mit anderen Zahlungs- oder Finanzierungsangeboten.
Lies vor dem Abschluss, ob und unter welchen Voraussetzungen Daten an eine Wirtschaftsauskunftei übermittelt werden.
Händler-Ratenkauf und Bankfinanzierung: Unterschiede bei Vertrag und Kosten
Der Kaufpreis wird beim Händler-Ratenkauf in mehrere Teilbeträge aufgeteilt. Je nach Modell finanziert der Händler den Kauf selbst oder vermittelt die Finanzierung an eine Bank beziehungsweise einen Zahlungsdienstleister. Bei einer separaten Finanzierung schließt der Verbraucher einen Kreditvertrag mit dem jeweiligen Finanzierungsanbieter.
Je nach Anbieter und Vertragsmodell können sich die Kosten deutlich unterscheiden. Verbraucher sollten deshalb den effektiven Jahreszins, mögliche Gebühren, die Laufzeit und die gesamte Rückzahlungssumme vergleichen. Eine Finanzierung kann günstigere Konditionen bieten, muss es aber nicht.
Bewusster einzukaufen bedeutet außerdem, dein Kaufverhalten zu überdenken. Überlege vor jedem "Buy now, pay later"-Kauf, ob die Anschaffung wirklich notwendig ist oder ob eine klassische Zahlung per Überweisung oder Kreditkarte möglich wäre. Gerade bei kleineren Beträgen kann das helfen, den Überblick zu behalten und unnötige Schulden zu vermeiden.
PayPal Später zahlen: 30-Tage-Zahlung und Ratenzahlung vergleichen
Verschiedene Zahlungsmodelle, darunter die einmalige Zahlung nach 30 Tagen und die Ratenzahlung, vergleichen wir in unserem Artikel zu PayPal-Ratenzahlung und Später-zahlen-Angeboten. Er zeigt außerdem, warum Verbraucher Laufzeit, Gebühren, effektiven Jahreszins und Gesamtkosten vor dem Abschluss getrennt betrachten sollten.
Schufa-Auskunft vor dem Ratenkauf: Kreditwürdigkeit prüfen und verbessern
Ein Blick auf die eigene Kreditwürdigkeit ist sinnvoll, bevor man "Buy now, pay later"-Dienste nutzt. Ein guter Ausgangspunkt ist eine Selbstauskunft von einer Wirtschaftsauskunftei wie der Schufa. Diese Auskunft gewährt einen detaillierten Einblick in die aktuelle finanzielle Situation und zeigt, welche Daten gespeichert sind. Man sollte stets darauf achten, dass alle Informationen korrekt und aktuell sind, um unangenehme Überraschungen zu vermeiden.
Bestehende Kredite und finanzielle Verpflichtungen zu überprüfen und sicherzustellen, dass keine überfälligen Zahlungen existieren, ist ebenfalls ratsam. Eine pünktliche Zahlungshistorie kann sich positiv auf die Kreditwürdigkeit auswirken.
Auch der Versuch, bestehende Schulden zu reduzieren oder Kreditkartenlimits niedrig zu halten, kann dazu beitragen, die Kreditwürdigkeit zu verbessern. Das regelmäßige Überprüfen der Kontoauszüge hilft außerdem, den Überblick über deine Finanzen zu behalten und ungewollte Abbuchungen oder Fehler frühzeitig zu erkennen.
PayPal- und Klarna-Käuferschutz: Gesetzliche Rechte bei Problemen mit der Ware
Bei Problemen mit der Lieferung oder der gekauften Ware solltest du dich nicht allein auf den Käuferschutz eines Zahlungsdienstleisters verlassen. Wie unser Artikel zum Käuferschutz bei PayPal, Klarna und anderen Bezahldiensten anhand einer Prüfung der Verbraucherzentrale NRW erläutert, können bestimmte Leistungen oder Produkte ausgeschlossen sein und Schwierigkeiten bei der Rückabwicklung auftreten. Entscheidend sind die Bedingungen des jeweiligen Anbieters; ein Käuferschutz greift nicht automatisch bei jeder Reklamation.
Unabhängig von diesem vertraglich vereinbarten Schutz bestehen deine gesetzlichen Rechte auf Widerruf und Gewährleistung. Diese solltest du gegenüber dem Händler geltend machen, wenn die jeweiligen Voraussetzungen erfüllt sind. Der Käuferschutz des Bezahldienstes kann gegebenenfalls zusätzlich helfen, ersetzt diese Rechte aber nicht. Auch bei einem "Buy now, pay later"-Kauf lohnt es sich deshalb, zwischen der Finanzierung und der Klärung eines Problems mit der Ware zu unterscheiden.