Zahlreiche Unternehmen kritisieren die Entlastungsprämie allerdings auch. Man habe viel zu kurzfristig davon erfahren und habe dadurch einen hohen Bürokratieaufwand. Marie-Christine Ostermann, geschäftsführende Gesellschafterin des Lebensmittelgroßhändlers Rullko und Präsidentin des Verbands Die Familienunternehmer, sagte, die Prämie gehe "zulasten Dritter, nämlich der Unternehmen". Für Unternehmen selbst gebe es derzeit keine Unterstützungen.
Kritik: Entlastung kommt nicht bei denen an, die sie wirklich brauchen
Vorprogrammiert ist, dass Menschen ohne Arbeitgeber gar keine Chance auf die Entlastungsprämie haben: Studierende, Rentner, Selbstständige oder Arbeitslose. Experten bemängeln zudem, dass dadurch wieder mal eine Umverteilung von arm zu reich stattfindet.
Untersuchungen und Zahlen des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zur Inflationsausgleichsprämie aus den Jahren 2022 und 2024 zeigen, dass diese vor allem bei Menschen ankommt, die in gut laufenden und entsprechend ohnehin gut bezahlten Branchen tätig sind. Diejenigen, die wirklich eine finanzielle Entlastung bräuchten, erhalten nur in den wenigsten Fällen eine.
Manfred Gößl ist Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) für München und Oberbayern. Er weist im Gespräch mit dem BR darauf hin: "Viele Betriebe können sich in der aktuellen konjunkturellen Lage keine zusätzlichen Lohnsteigerungen leisten." Statt weiterer Lohnerhöhungen wünscht sich Gößl, dass der Staat die generelle Abgabenlast senkt. Seiner Meinung nach wäre das sinnvoll, "damit allen mehr Netto vom Brutto bleibt."
Handelsverband: Bürgerentlastung ist rein staatliche Aufgabe
Ein Gesetzesentwurf soll nach SPD-Angaben nächste Woche in den Bundestag kommen. Die Idee ähnelt der Inflationsausgleichsprämie, die nach Beginn des Ukraine-Kriegs 2022 für einen deutlich längeren Zeitraum eingeführt wurde.
Die Inflationsausgleichsprämie wurde in der Folge bei vielen Tarifverhandlungen vereinbart. In Branchen, in denen gerade Tarifergebnisse erzielt wurden, ist das dann nicht mehr möglich. Und im Handel, wo dieser Tage Verhandlungen beginnen, streben beide Seiten eine Zahlung der Prämie gar nicht an.
"Die Bürgerentlastung aufgrund externer Faktoren ist eine rein staatliche Aufgabe und wird so einfach auf die Unternehmen abgewälzt", monierte der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Deutschland (HDE), Stefan Genth. Dabei seien Betriebe ihrerseits von den Kostensteigerungen betroffen.
sts/nw/mit dpa
Vorschaubild: © Alexas_Fotos/Pixabay.com