• Kurzbiografie Sigmund Freuds
  • Das Instanzenmodell
  • Das Unterbewusstsein und die Abwehrmechanismen
  • Das Entwicklungsstufenmodell
  • Kritik an seinem Modell

Unsere Entscheidungen erscheinen oftmals nicht nur uns selbst, sondern auch unserem Umfeld nicht ganz logisch. Als Begründer der Psychoanalyse und eine der bekanntesten Figuren der Geschichte der Psychotherapie beschäftigte sich Freud über viele Jahre hinweg mit der Frage, wie die menschliche Psyche agiert. Er erarbeitete mehrere Modelle, um die Persönlichkeitsentwicklung greifbar zu machen.

Kurzbiographie: Wissenswertes zu Sigmund Freud

Sigismund Schlomo Freud, allgemein nur bekannt als Sigmund Freud, wurde im Jahr 1856 geboren. Er war nicht nur ein Tiefenpsychologe, sondern auch ein Arzt, Neurophysiologe, Kultur- und Religionskritiker. Das weitreichende Spektrum seiner Interessen sorgte dafür, dass er heute als einer der einflussreichsten Denker des 20. Jahrhunderts gilt.

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Nach seinem Abschluss an einem österreichischen Gymnasium begann er ein Medizinstudium. Dort interessierte er sich nicht nur rein für die Anatomie des Menschen, sondern auch für die menschliche Natur. Dieses Interesse verleitete ihn dazu, auch verschiedene psychologische Schriften zu lesen. Sein Weg zur Psychoanalyse, durch welche er populär wurde, begann mit seinem Buch "Die Traumdeutung" (erschienen: 1899). Er interessierte sich sehr für die Nervenleiden der Menschen sowie die Wirkungsweisen sexueller Konflikte. Für ihn war zunächst vor allem die sogenannte Hysterie interessant: Er suchte nach neuen Therapiemöglichkeiten und begann mit der Hypnose. Ziel dieser Methode sollte es sein, traumatische Erlebnisse aus dem verborgenen hervorzuholen und darin die Ursache für die Hysterie finden zu können. Im Laufe mehrerer Jahre sammelte er zahlreiche Daten und analysierte Träume, unterzog sich aber auch einer Selbstanalyse. Für ihn war der Traum der Zugang zum Unbewussten, in dem die Wünsche und Begierden, das Vergessen und das Erinnern des Menschen zum Vorschein kamen. Fortan galt das Werk als eine Art Sprungbrett hinein in sein Konzept der Psychoanalyse.

Anfang September 1909 kamen erste Anzeichen für die internationale Anerkennung seiner Konzepte aus: Die Clark University in Massachusetts verlieh ihm die Ehrendoktorwürde. Seine Schriften und Veröffentlichungen sorgten dafür, dass seine Psychoanalyse immer bekannter wurde; aber nicht nur Zustimmung, sondern auch Widerspruch war an der Tagesordnung. Gegen Ende seines Lebens litt Freud an zahlreichen gesundheitlichen Beschwerden. In dieser Zeit war eines seiner sechs Kinder, Anna Freud, eine seiner wichtigsten Bezugspersonen. Sie pflegte ihren Vater, übernahm aber auch seine Rolle bei psychologischen Kongressen und wurde sogar Generalsekretärin in der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung. Sigmund Freud starb am 23. September 1939 in London.

Das Instanzenmodell nach Sigmund Freud

Freud sah in den Träumen der Menschen einen verschlüsselten Zugang zu den Wünschen und Trieben, die sie im tiefen Inneren beschäftigen. Es geht dabei nicht nur um jene, die der Mensch bewusst verdrängt oder unterdrückt, sondern auch jene, die ihn unterbewusst beschäftigen. In den Träumen wird laut Freud also vielschichtiges Gedankenmaterial verdichtet, verschoben, symbolisiert und verbildlicht. Dabei sind die Gedanken einerseits rezent, aber auch rezessiv. Dies bedeutet, dass einerseits kürzlich erlebte Ereignisse auftreten, aber auch Erinnerungen aus der frühen Kindheit auftreten können. Er sah in der Traumanalyse eine neue Methode, die Quelle verschiedener Neurosen und Hysterien zu finden. Der Therapeut selbst sollte sich dabei vollkommen heraushalten: Er sollte auf alle Äußerungen gleich reagieren, dem*r Klient*in uneingeschränkte Aufmerksamkeit schenken und die eigenen Probleme ausblenden. Er vollziehe nur die Aufgabe, Äußerungen zu wiederholen und zu versuchen, diese zu deuten.

Aus der Arbeit mit der Traumdeutung entwickelte Sigmund Freud sein Modell der menschlichen Psyche: das Instanzenmodell. Er teilte das Entstehen der menschlichen Persönlichkeit in drei Instanzen ein. Einerseits gibt es dabei das "Über-Ich", welches die Moral-Instanz statuiert. Sie wird durch die Erziehung an den Menschen herangetragen und bildet sich im Laufe des Lebens weiter aus. Das "Über-Ich" beinhaltet also sittliche und moralische Regeln und Gebote, aber auch gesellschaftliche Wert- und Normvorstellungen sowie das eigene Gewissen. Auf welche Weise sich das "Über-Ich" entwickelt, hängt stark davon ab, welche Verbote auf welche Handlungen im Kindesalter erfolgen.

Das "Es" ist jene Instanz, die bereits ab der Geburt in dem Menschen verankert ist. Es handelt nach dem Lustprinzip: Es beinhaltet also alle Triebe und Wünsche sowie Instinkte, die dem Menschen angeboren sind. Nach dem "Es" sollen alle Handlungen eine "Triebbefriedigung" hervorrufen. Grundtriebe des Menschen sind laut Freud der Todestrieb (auch Thanatos genannt) und der Lebenstrieb (auch Eros genannt), die im stetigen Konflikt zueinander stehen. Den Einklang zwischen "Es" und "Über-Ich" bildet das "Ich". Das "Ich" fungiert als vermittelnde Instanz und steuert den Kontakt und die Aktionen des Menschen zur Realität. Es wird dabei ein Kompromissdenken an den Tag gelegt: Auch, wenn das "Es" sucht, seine Triebe zu befriedigen, sollten die Handlungen auch im Einklang mit dem eigenen Gewissen, den Werten und Normen sein.

Die Rolle des Unterbewusstseins

Jegliche Triebe, Wünsche und Begierden, die nicht erfüllt werden können, gelangen laut Freud ins Unterbewusstsein. Er visualisiert dies in seinem "Eisberg-Modell": Das Wasser bildet die Trennlinie zwischen Bewusstsein und Unterbewusstsein. Der Teil der Psyche, der dem Menschen zugänglich und wirklich bewusst ist, ist im Vergleich zu dem Teil, der im Unterbewusstsein liegt, nur sehr gering. Verdrängt das Individuum sehr viele Konflikte und Erlebnisse, kommt es zu einer mangelhaften Verarbeitung dieser: Es können Ängste oder Verhaltensstörungen aufkommen. Für ihn war es also signifikant, dass alle Inhalte, die "auftauchen", ernst genommen, analysiert und in die Gegenwart integriert werden.

Das "Ich" agiert laut Freud mit verschiedenen Abwehrmechanismen, durch welche Inhalte erst ins Unterbewusstsein gelangen. Diese greifen dann, wenn das "Ich" nicht erfolgreich zwischen dem "Über-Ich" und dem "Es" vermitteln kann: Es handelt sich dann um eine sogenannte "Ich-Schwäche". Freud beschrieb zehn verschiedene Abwehrmechanismen.

  1. Eine davon ist die Verdrängung: Dies bedeutet, dass bestimmte Gedächtnisinhalte von dem Bewusstsein zurückgewiesen werden und somit in das Unterbewusstsein gelangen. Diese Begierden und Wünsche lassen sich durch die Wiederkehr in Träumen oder Fehlhandlungen erkennen.
  2. Des Weiteren kann es zu einer Verschiebung kommen: Die Angst vor einem bestimmten Objekt wird anderswo entladen. Die eigentliche Ursache des Konfliktes wird dabei nicht in Angriff genommen.
  3. Bei der Sublimierung geht es darum, dass Bedürfnisse, die nicht erfüllt werden können, auf andere sozial, gesellschaftlich oder kulturell anerkannte Ziele gelenkt werden.
  4. Ein weiterer Abwehrmechanismus ist die Projektion: Eigene Probleme, die man nicht wahrhaben möchte, da sie nicht mit dem eigenen Über-Ich vereinbar sind, werden anderen unterstellt.
  5. Bei der Identifikation verhält sich ein Individuum entsprechend einer anderen Person, die ihnen meist gesellschaftlich höhergelegen ist. Vor allem bei Kindern kommt es häufig vor, dass diese sich am Verhalten der Eltern orientieren und dessen Normen und Wertevorstellungen übernehmen.
  6. Der sechste Abwehrmechanismus wird als Konversion beschrieben. Dies bedeutet, dass seelische Leiden sich auf organische Konflikte übertragen: Beispielsweise wenn Schmerzen in der Brust auftauchen, da man sich häufig zu sehr gestresst fühlt.
  7. Die Rationalisierung beschreibt einen Prozess, indem man mithilfe von Rechtfertigungen und Erklärungen versucht, eine vollzogene Handlung zu begründen.
  8. Eine Art des Menschen, sich selbst zu verteidigen, nannte Freud die Abwehr. Dabei verweigert er Aussagen von Außenstehenden, die nicht im Einklang mit seinem Selbstbild stehen.
  9. Die Reaktionsbildung ist eine Art des Menschen, ausgelebte Triebe ins Gegenteil umzukehren und zu verstärken.
  10. Der letzte Abwehrmechanismus, den Freud benannte, war die Kompensation: Ein Trieb oder ein Wunsch, der nicht erfüllt werden kann, wird dadurch kompensiert, dass ein anderer Wunsch intensiver ausgelebt wird.

Das Entwicklungsstufenmodell nach Freud

Freud beschrieb die Entwicklung des Kindes in einem Stufenmodell. Er beschrieb es als eine "psychosexuelle Entwicklung", die sich von der Geburt des Kindes bis hin zur Pubertät zieht. Der Begriff "Sexualität" definierte Freund dabei als Lust, Geborgenheit, sowie das Erleben des eigenen Körpers. Die erste Phase ist die orale Phase, in welcher die Lustbefriedigung des angeborenen "Es" vor allem über die Mundregion geschieht. Das Baby erkundet dabei den Mund, die Lippen und die Zunge, experimentiert mit Lebensmitteln, entdeckt die Umwelt und lutscht am eigenen Daumen und der Mutterbrust. In dieser Phase wird vor allem auch das soziale Vertrauen aufgebaut.

In der analen Phase, welche etwa das zweite bis dritte Lebensjahr des Kindes umfasst, ist die erogene Zone der Anus. Die Lust des Kindes wird vor allem bei der Ausscheidung, aber auch beim Zurückhalten der Exkremente empfunden. Es entwickelt eine gewisse Reinlichkeit und übt Kontrollmechanismen ein, die beispielsweise bei dem Zurückhalten der Ausscheidungen eingesetzt werden. In dieser Phase sollten laut Freud keine zu strengen Sauberkeitsregeln eingeführt werden: Sind die Eltern zu reinlich, kann es zu Zwangsstörungen oder der Entstehung von geizigen, schamhaften oder rachsüchtigen Persönlichkeiten kommen.

In einem Alter von drei bis sechs Jahren durchleben Kinder die phallische Phase. Der Fokus bei dieser Phase liegt auf der Erkundung und dem Spielen mit den eigenen Geschlechtsteilen, aber auch dem Entdecken des anderen Geschlechtes. Während viele Jungen eine Kastrationsangst bekommen, kommt die Erkenntnis des anderen Geschlechtes bei Mädchen oft mit dem sogenannten Penisneid einher. Ein zentraler Aspekt ist in dieser Phase auch der Ödipuskomplex. Der Ödipuskomplex ist ein Begriff, den Sigmund Freud im Zuge seiner Psychoanalyse prägte. Die Begriffsbezeichnung entstammt der Ödipus-Sage aus der griechischen Mythologie, in welcher laut Freud einerseits die geheimen Wünsche des Jungen zum Ausdruck kommen, andererseits diese aber auch immer mit einer ungeheuren Angst begleitet sind. Der Ödipuskomplex beschreibt die Liebe des Sohnes zum andersgeschlechtlichen Elternteil, während eine Art Rivalität und Hass gegenüber dem gleichgeschlechtlichen Elternteil empfunden wird. Wird dieser Komplex überwunden, wandelt sich der Neid meist so um, dass der Vater als Vorbild gesehen wird. Das Überwinden dieses Komplexes ist signifikant für die Entwicklung, da andererseits Neurosen oder Zwangsstörungen entwickelt werden könnten.

Die verschiedenen Phasen

Während der Latenzphase, der Phase zwischen dem siebten und elften Lebensjahr, gerät die Sexualität in den Hintergrund. Andere Themen wie Freundschaft oder Hobbys geraten in den Vordergrund; es beginnt eine langsame Distanzierung und Loslösung von den Eltern. Meist wenden sich Kinder in dieser Phase dem anderen Geschlecht ab und können körperliche Nähe nur schwer ertragen.

Ab dem zwölften Jahr wandelt sich die kindliche Sexualität laut Freud der Erwachsenensexualität. Der Körper sowie die Interessen des Kindes wandeln sich: Sie fühlen sich von dem anderen Geschlecht angezogen und machen erste sexuelle Erfahrungen sowie Erfahrungen im Bereich der Selbstbefriedigung. Ziel der Phase ist es, die innere Zerrissenheit und Unsicherheit zu überwinden und eine stabile Persönlichkeit sowie eine Geschlechtsidentität herauszubilden.

Wird eine Entwicklungsstufe nicht erfolgreich bewältigt, kann es zu einer Fixierung kommen. Damit gemeint ist eine nur eingeschränkte Weiterentwicklung des Kindes: Es bleibt ein Bereich, beispielsweise der der Libido, auf der Entwicklungsstufe stehen. Auch bei der Regression handelt es sich um keinen Idealfall in der Entwicklung eines Kindes: Es fällt auf eine bereits abgeschlossene Entwicklungsstufe zurück. Der Grund für dieses Phänomen können einschneidende Erlebnisse sein, aber auch Drogen sowie Alkohol können Einfluss auf ein solches Verhalten haben.

Kritik an der Freud'schen Psychoanalyse

Die Kritik an dem Modell der Entwicklungsphasen sowie der Psychoanalyse an sich war vielseitig. Kritisiert wurde unter anderem, dass Freud annahm, es handele sich bei dem Saugen an der Mutterbrust vor allem um eine Lustbefriedigung: Die moderne Psychologie geht eher davon aus, dass es sich um einen Wunsch nach Liebe und Zuwendung handelt. Auch die universelle Gültigkeit seines Modells lässt sich nicht nachweisen: Nicht jedes Kind entwickelt sich im Durchlauf dieser Phasen. Zudem wachsen Jungen und Mädchen in der modernen Gesellschaft meist zusammen auf. Infolgedessen entwickelt sich üblicherweise weder ein Penisneid, noch eine Kastrationsangst. Auch der Ödipuskomplex wird nur selten beobachtet.

Kritisiert an seiner Triebtheorie wird vor allem auch, dass sie weder belegbar, noch konkret überprüfbar ist. Viele Wissenschaftler sehen seine Theorien deshalb als "unwissenschaftlich" an. Es erscheint modernen Wissenschaftlern folglich auch als eher schwankend und uneinheitlich.

Dennoch kann die Wichtigkeit des Modells für die Wissenschaft nicht heruntergespielt werden: Er ist ein oft genutzter Erklärungsansatz für menschliche Verhaltensweisen. Die Ansätze und Überlegungen Freuds können dabei helfen, die menschliche Psyche greifbarer zu machen und sich ein ungefähres Bild davon machen zu können, wie unsere Persönlichkeit sich zusammensetzen könnte.

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