Rauchen gilt mittlerweile als anerkannter Alterungsfaktor und als sehr ungesund für den Körper. Eine neue internationale Studie präsentiert jedoch noch andere Faktoren, die uns sogar noch schneller altern lassen. Die Untersuchung zeigt: Einsamkeit und Unglücklichsein haben vermutlich noch stärkere Auswirkungen auf unseren Alterungsprozess als viele Rausch- und Genussmittel.

Für die Studie eines Forscherteams aus Hongkong wurden die Daten von 11914 Chinesen im Alter über 45 Jahren ausgewertet. Dabei stellte sich heraus, dass die mentale Gesundheit einen viel größeren Einfluss auf den Alterungsprozess eines jeden Menschen hat, als bisher angenommen: „Der Gesamteffekt übertrifft die Auswirkungen des biologischen Geschlechts, der Wohngegend, des Familienstandes und des Rauchens“, erklärt Studienleiter Dr. Fedor Galkin, der zugleich Direktor für wissenschaftliche Geschäftsentwicklung bei Deep Longevity in Hongkong.

Psychologische Faktoren machen uns um ein Jahr und acht Monate älter

Neben unserem biologischen Alter, das durch unser Geburtsdatum bestimmt wird, besitzt jeder Mensch eine "Aging Clock" - eine "Alterungsuhr", die durch die Gene, Lebens- und Lebensstilentscheidungen und von Umweltfaktoren beeinflusst wird.

Diese "Alterungsuhr" läuft nicht nur bei Menschen schneller, die eine Vorgeschichte in Form eines Schlaganfalls, Leber- und Lungenkrankheiten oder durch Rauchen haben - auch ein angeschlagener mentaler Status kann die Alterung bei einem Menschen beschleunigen. Das bedeutet der Studie nach: Wer sich einsam oder unglücklich fühlt, hat mit der Zeit ein höheres Risiko, schneller zu altern. In einem Zitat kommt dieses Fazit besonders zum Ausdruck: „Wir zeigen, dass psychologische Faktoren wie Unglücklichsein oder Einsamkeit das biologische Alter um ein Jahr und acht Monate erhöhen“, so Dr. Fedor Galkin.

Laut Manuel Faria, Co-Autor der Studie, sind psychische und psychosoziale Zustände als wichtige Faktoren für den Gesundheitszustand und damit auch der Lebensqualität bisher in der modernen Gesundheitsversorgung stark vernachlässigt worden. Zwar bräuchte es noch weitere Untersuchungen, die beispielsweise andere Altersgruppen umfassen, dennoch leitet der Studienleiter Dr. Galkin bereits folgenden Nutzen aus der Forschung ab: "In Kombination mit unserer früheren Studie haben wir nun eine Möglichkeit, das eigene Langlebigkeitspotenzial allein durch Verhaltensmaßnahmen zu verbessern."

Deutscher Altersforscher unterstreicht Studienergebnisse und empfiehlt drei Fs

Die Ergebnisse der internationalen Studie finden auch Anerkennung in Deutschland. Der Altersforscher Sven Voelpel stimmt ihrem Ergebnis zu. Gegenüber FOCUS.online teilte er seine Einschätzung mit: "... soziale Kontakte und Interaktionen (sind - Anm. d. Red.) die wichtigsten Faktoren für ein glückliches und längeres Leben." Der Austausch mit Anderen sorgt dafür, dass wir länger jung bleiben. Weitere positive Einflüsse liefern: ausreichend Bewegung, genügend Schlaf, eine positive Lebenseinstellung, eine gesunde und ausgewogene Ernährung, regelmäßige Entspannung und eine ruhige Atmung.

Negative psychische Belastungen beschleunigen mit der Zeit nicht nur den Alterungsprozess - Studien belegen auch ein erhöhtes Risiko für das Eintreten von Krankheiten wie Alzheimer, Diabetes und Herzerkrankungen. Um den eigenen Alterungsprozess nachhaltig positiv zu beeinflussen, nennt Voelpel die drei "F"s - Familie, Freunde und Fremde. Der Wissenschaftler vertritt die Meinung, dass sie Schlüssel zum eigenen Wohlempfinden und einem guten Altern sind. Am besten sollte man mit allen drei Instanzen mindestens einmal täglich den Kontakt suchen, seine sozialen Kontakte pflegen und sich darin trainieren.

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Vorschaubild: © Christin Klose/dpa-tmn