In einer statistischen Erhebung der Krankenkasse DAK aus dem Jahr 2017 wurde bereits deutlich: Mehr als 35 Prozent der Menschen über 18 Jahren haben in einem Monat mindestens dreimal pro Woche entweder Probleme beim Ein- oder Durchschlafen. Außerdem gab jeder Vierte befragte zu, unter schlechtem Schlaf zu leiden.  

Dadurch ergibt sich ein eindeutiges Bild: Jeder Zehnte leidet demnach im Schnitt an Schlafproblemen. Die Folgen sind gravierend. Sie haben Probleme beim Einschlafen? Dann sollten Sie am Abend auf diese Lebensmittel wohl besser verzichten.

Schlafstörungen machen auf Dauer krank - gravierende Folgen möglich

So geht aus einem Vortrag des Schlafmediziners Maurice Ohayon von der Stanford Sleep Epidemiology auf dem Kongress „Die schlaflose Gesellschaft“ in Mainz hervor, dass Menschen, die schlecht schlafen, nicht nur ein achtfach erhöhtes Risiko für Autounfälle aufweisen, sondern auch mit einer höheren Wahrscheinlichkeit von Magen-Darm- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen betroffen sind. Eine neue Forschung zeigt sogar, dass Schlafprobleme psychische Störungen auslösen können. Unter anderem auch Depressionen.

Diesen bislang wenig beachteten Krankheitsherd möchten nun die Wissenschaftler der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) bekämpfen und arbeiten an einer neuen Therapieform. Doch es gibt bereits erfolgversprechende Therapie-Ansätze. Das Problem sei nur, dass es aktuell an einer systematischen Anwendung der Therapie-Ansätze in der Praxis scheitere. „Dabei ist gerade die stationäre Behandlung für Schlafstörungen, die nicht organisch ausgelöst wurden, wie geschaffen“, erklärt Clemens Speth, Professor für Psychologie im Arbeitsbereich Interventionspsychologie an der JMU.

Die Intention von ihm und seiner Kollegin Jana Speth ist, dass dieses Potenzial besser ausgeschöpft werden soll. Hochrangige empirische Studien würden schließlich belegen, dass der Behandlungserfolg psychosomatischer Erkrankungen entscheidend von einer Behandlung der Schlafstörungen abhänge. Daher haben die beiden Experten ein Therapieprogramm für Patienten mit Schlafstörungen entwickelt. Das wird aktuell in psychosomatischen Rehakliniken im Schwarzwald getestet und wissenschaftlich evaluiert. Der Deutsche Rentenversicherung Bund unterstützt das Projekt mit etwa 400.000 Euro.

Schlafstörungen behandeln: Forscher setzen auf Innovation

„Das Therapieprogramm setzt auf besondere verhaltenstherapeutische Strategien in Kombination mit Erkenntnissen der ‚Acceptance Commitment Therapy‘“, erklärt Speth. Die Akzeptanz- und Bindungstherapie (Acceptance and Commitment Therapy, ACT) ermutigt Menschen, sich ihren Gedanken und Gefühlen zu stellen, anstatt sie zu bekämpfen oder sich für sie schuldig zu fühlen. Dadurch würden Patienten lernen, ihre körperlichen, kognitiven und psychischen Anzeichen für Erschöpfung und Müdigkeit besser einzuschätzen. Damit könnten die Patienten auch lernen zu unterscheiden, welches dieser körpereigenen Signale ein Ruhebedürfnis, oder aber tatsächliche Einschlafbereitschaft signalisiert.

Habe man das verinnerlicht, sei es möglich, die Zubettgehzeiten daran anzupassen. Ein erster Schritt um besser schlafen zu können sei beispielsweise eine alltagstaugliche Abend- und Morgengestaltung. „Menschen, die wissen, dass sie am nächsten Morgen um vier Uhr den Wecker unbedingt hören müssen, weil sie sonst den Flug auf die Malediven verpassen, schlafen in der Regel schlechter und wachen in der Nacht häufiger auf“, meint Speth.

Das bedeutet: Wer seinen Morgen so straff plant, dass er schon zu spät zur Arbeit käme, wenn das Zähneputzen eine Minute länger dauerte, tut er das auf Kosten seines Nachtschlafs. „Weiß ich hingegen, dass der nächste Morgen entspannt zu schaffen ist, schlafe ich effizienter und spare damit sogar Zeit“, so die Psychologin. Auch wie man mit Sorgen umgehen sollte, um die Schlafqualität nicht zu mindern, bekäme man in der entwickelten Therapie beigebracht. Denn: Der Kreislauf von Erschöpfung und reduzierter Leistungsfähigkeit am nächsten Tag, angespanntem Wachliegen und darauffolgender Tagesmüdigkeit soll durchbrochen werden.

Schlafmangel kostet auf Dauer den Arbeitgeber Geld

Die Wichtigkeit der Therapie liege den Professoren zufolge auf der Hand: Menschen mit Schlafstörungen würden bislang eher schlecht als recht behandelt. Es mangele an ambulanten und stationären Angeboten. Lediglich sieben Prozent aller von Schlafstörungen betroffenen Menschen bekämen eine Form von Psychotherapie. Und selbst die, die eine Therapie bekommen würden, bekämen nicht notwendigerweise eine auf Schlafstörungen ausgerichtete Psychotherapie.

Für eine schlechte Versorgungslage von Therapien spreche, dass einige Menschen Schlafmittel einnehmen würden. Teilweise über einen Zeitraum von mehreren Jahren. Außerdem sind sich die Experten sicher, dass unbehandelte Schlafstörungen enorme wirtschaftliche Auswirkungen haben können. Beispielsweise durch häufigere Krankheitstage oder einen Produktivitätsabfall.