Im Leben können immer Situationen eintreten, in denen der Mensch nicht mehr einwilligungsfähig ist und medizinisch behandelt werden muss. Damit dabei trotzdem nach dem Willen des Patienten gehandelt werden kann, empfiehlt es sich ab dem 18. Lebensjahr eine Patientenverfügung zu verfassen.

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Dort können die persönlichen Wünsche, welche medizinische Behandlung gewünscht wird und welche eventuell sogar abgelehnt wird, festgelegt werden. Diese müssen von Ärzten, Bevollmächtigten und Betreuern beachtet werden. Es geht insbesondere um Maßnahmen und Behandlungen, die starke Auswirkungen auf das Leben haben, zum Beispiel unheilbare Krankheiten, ein schwerer Unfall, Demenz oder Wachkoma. Besonders in der Pandemiesituation machen sich viele Menschen Gedanken darum, ob eine Patientenverfügung sinnvoll ist und ob spezifische Anmerkungen zur Behandlung im Falle der Infektion mit "Covid-19" notwendig sind.

Patientenverfügung: Den Angehörigen eine Last abnehmen 

Eine Patientenvollmacht ist das wichtigste Vorsorgedokument in Deutschland, wie patientenverfügung.digital berichtet. Auch wenn der Gedanke unangenehm ist, sollte man sich für einen der oben genannten Fälle absichern. Das hilft nicht nur dem Betroffenen selbst, sondern auch den Angehörigen.

Die Angehörigen leiden im Falle einer schweren Erkrankung eines lieben Menschen sehr. Wenn keine Patientenverfügung vorliegt, müssen sie die wichtigen Entscheidungen treffen, welche medizinische oder pflegerische Behandlung gewünscht wird oder auch abgelehnt wird.

Mit einer Patientenverfügung kann man diese Entscheidung im Vorfeld selbst treffen und den Druck von den Angehörigen nehmen. Dabei gilt: Je konkreter die Patientenverfügung formuliert ist, umso spezifischer kann der Arzt auf die Behandlung eingehen. Allgemeine Aussagen in einer solchen Bestimmung lassen zu viel Interpretationsspielraum und entkräften die Wirksamkeit des Dokuments. Es sollten daher Patientenverfügungen zum Ankreuzen vermieden werden. Ein Arzt oder fachkundiger Berater sollte zur Hilfe und zum Austausch hinzugezogen werden.

Die Formulierung wird am besten in Auseinandersetzung mit der aktuellen Lebenssituation und unter Einbezug möglicher Krankheitsverläufe getroffen. Das empfiehlt das "Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz". Informationen wie eine Patientenverfügung aussehen könnte, finden Sie in dieser Informationsbroschüre vom "BMJV".

Jede Patientenverfügung ist individuell

Wenn Sie nun denken die Angehörigen kennen Ihre Wünsche, nützt das im Ernstfall leider nichts. Seit dem 1. September 2009 muss der Wille eines Menschen bezüglich medizinischer und pflegerischer Situationen schriftlich festgehalten werden. Ein Notar muss allerdings nicht hinzugezogen werden: Es reichen eine ausgedruckte und unterschriebene Version aus.

Was jedem Einzelnen in einer solchen Situation wichtig ist, definiert jeder anders. Besonders mit dem Lebensalter ändern sich die Vorstellungen. Ältere Menschen sehen ihr Leben als gelebt und wünschen häufig keine Wiederbelebungsmaßnahmen. Jüngeren Menschen, besonders Eltern mit kleinen Kindern, sehen dies oft völlig anders. Das führt dazu, dass jede Patientenverfügung unterschiedlich aussieht. 

Es gibt jedoch bestimmte Inhalte, die zumeist geregelt werden. Dazu zählt, unabhängig von der derzeitigen Situation, ob jemand künstlich beatmet, künstlich ernährt oder sediert werden möchte. Das macht eine Überarbeitung wegen der Corona-Pandemie nicht unbedingt erforderlich. Die Wünsche werden meistens für verschiedene Situationen auch unterschiedlich bestimmt.

Üblicherweise sind folgende Situationen in Patientenverfügungen zu finden:

  • Wenn ich mich aller Wahrscheinlichkeit nach unabwendbar im unmittelbaren Sterbeprozess befinde...

  • Wenn ich mich im Endstadium einer unheilbaren, tödlich verlaufenden Krankheit befinde, selbst wenn der Todeszeitpunkt noch nicht absehbar ist...

Diese beiden Fälle treffen bei der Viruserkrankung "Covid-19" nicht unbedingt zu. Sie ist gut behandelbar und daher keine unheilbare Krankheit, mit der man sich im unmittelbaren Sterbeprozess befindet. Wenn sich aber ein schwerer Verlauf entwickeln sollte, muss im Einzelfall abgewogen werden, ob die Patientenverfügung zur Anwendung kommt.

Falls sich Menschen, bei einem schweren Verlauf von Covid-19  trotzdem absichern möchten, hat die "Deutsche Gesellschaft für humanes Sterben (DGHS)" drei Varianten für Formulierungen veröffentlicht. 

Variante 1: Künstliche Beatmung inklusive Intubation

"Ich möchte intensivmedizinisch behandelt werden inklusive Intubation mit künstlichem Koma, bitte aber vorher um Aufklärungsgespräch über Erfolgsaussichten und Risiken."

Variante 2: Künstliche Beatmung unter bestimmten Vorraussetzungen

" Im Falle einer Covid-19 Infektion lehne ich eine invasive Beatmung durch Intubation mit künstlichem Koma ab! Bei Sauerstoffmangel stimme ich einem nicht invasivem Beatmungsversuch mit einer Sauerstoffzufuhr über Maske oder Nasen-Brille oder Kopfhaube zu. Bei ausbleibendem Erfolg bitte ich um eine umfassende palliative Therapie, um meine Schmerzen und Beschwerden, vor allem das Erstickungsgefühl, bestmöglich zu lindern. Die damit verbundene Lebensverkürzung nehme ich in Kauf. Einen Reanimationsversuch lehne ich ab!"

Variante 3: Ablehnung künstlicher Beatmung

"Ich verbiete grundsätzlich jegliche Art der künstlichen Beatmung (nichtinvasiv wie auch invasiv). Parallel verlange ich eine optimale palliative Behandlung, die mir ein sanftes Sterben mit friedlichem Einschlafen ohne Erstickungsgefühle ermöglichen soll."

Bei solchen Änderungen der Patientenverfügung ist es unbedingt notwendig, das aktuelle Datum und eine Unterschrift hinzuzufügen. Wichtig ist, dass die Patientenverfügung an einem Ort aufbewahrt wird, an dem sie im Ernstfall schnell gefunden wird. Zudem sollte ergänzend zu einer Patientenverfügung unbedingt eine Vorsorge- oder Betreuer-Vollmacht erstellt werden. 

Patientenverfügung: Vorsorge- und Betreuungsvollmacht 

Mit einer Vorsorgevollmacht kann eine Person oder mehrere Personen bestimmt werden, die den Betroffenen in bestimmten Bereichen ihres Lebens vertreten. Dazu zählen, neben der Regelung von Vermögensangelegenheiten und Wohnungsfragen, auch die gesundheitlichen Fragen und Entscheidungen. Ohne eine solche Vollmacht setzt das Betreuungsgericht einen Betreuer für Sie ein. Angehörige sind jedoch nicht automatisch zur Vertretung berechtigt. Dies macht es in gesundheitlichen Fragen und Entscheidungen für sie besonders schwer, wenn sie kein Mitspracherecht haben und ein Außenstehender dessen bevollmächtigt wird.

Der Bevollmächtigte sollte im Vorhinein ausreichend darüber informiert werden. Wie Entscheidungen ohne diese Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung getroffen werden, hat meinepatientenverfügung.de hier verständlich, in einem Schaubild, erklärt.

Auf trauer.inFranken.de finden Sie Möglichkeiten, wie sie auch in Zeiten von Corona würdevoll trauern und Ihren liebsten Gedenken können.

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