Meningokokken-Infektionen sind in der Corona-Pandemie aus dem Blick der Öffentlichkeit geraten. Deshalb macht das britische Pharmaunternehmen GlaxoSmithKline GmbH (GSK) auf die deutlich seltenere, dafür schnell lebensbedrohliche Bakterien-Erkrankung aufmerksam: Meningitis. Das Ziel dabei: sachliche Aufklärung und Informationen zum besseren Schutz. Dass das Thema relevant ist, zeigt ein vor wenigen Wochen bekannt gewordener Fall aus Franken. Hier war eine 13-jährige Schülerin erkrankt, sie leidet an einer bakteriellen Hirnhautentzündung - infiziert durch Meningokokken. 

Babys und Kleinkinder wie Leonie, das Gesicht der Kampagne "Meningitis bewegt" 2021, sind besonders gefährdet, an Meningokokken zu erkranken, da ihr Immunsystem noch nicht vollständig ausgebildet ist.  Die Diagnose wird häufig dadurch erschwert, dass die Symptome anfänglich unspezifisch und grippeähnlich sind. Meningokokken-Erkrankungen sind zwar selten, sie können allerdings schwere Folgen haben und innerhalb weniger Stunden lebensgefährlich verlaufen.

Leonie erkrankte mit 11 Monaten an Meningokokken

Als Leonie (Name geändert) mit elf Monaten an Meningokokken erkrankt, erleben ihre Eltern einen Albtraum. Das berichtet das Pharmaunternehemn hinter der Kampagne "Meningitis bewegt", GlaxoSmithKline (GSK) in der offiziellen  Pressemitteilung. Die Ärztinnen und Ärzte im Krankenhaus hätten 85 Tage um das Überleben der Kleinen gekämpft. Sie schaffte es, habe jedoch schwere Folgeschäden davongetragen. Dass es Schutzimpfungen gegen die Erkrankung gibt, hätten Leonies Eltern erst hinterher erfahren.

"Zweimal wird Kathrin (Name geändert) mit ihrer Tochter Leonie im Krankenhaus nach Hause geschickt, da die Symptome des Babys einem grippalen Infekt ähneln und weitere Untersuchungen keine Ergebnisse bringen. Das Fieber geht zuhause jedoch trotz fiebersenkender Medikamente nicht herunter, sondern steigt immer weiter an." Als Leonie nur noch flach geatmet und dunkle Flecken auf ihrer Haut bekommen habe, sei ihre Mutter das dritte Mal mit ihr ins Krankenhaus gefahren: "Als sie Leonie so sahen, fingen alle sofort an zu rennen und alles musste so schnell wie möglich gehen, um sie zu retten. Sie hatte einen septischen Schock, mehrere Organe versagten und aufgrund der Hauteinblutungen vermuteten die Ärztinnen und Ärzte sofort eine Meningokokken-Erkrankung.“ Der Verdacht habe sich bestätigt. Die bakterielle Meningitis (Hirnhautentzündung) habe zudem eine Sepsis (Blutvergiftung) verursacht. "Leonie bekommt Bluttransfusionen, muss wegen des Organversagens an die Dialyse und wird mehr als 20-mal an ihrem Bein operiert. Sie verbringt 85 Tage im Krankenhaus. Die Ärztinnen und Ärzte geben ihr Möglichstes und können sie retten."

Meningokokken: So werden sie übertragen

Meningokokken sind Bakterien, die typischerweise von Mensch zu Mensch durch Tröpfcheninfektion übertragen werden: vor allem durch Husten, Niesen oder Küssen. So gelangen die Bakterien auch zu Kindern, Kleinkindern und Babys, die am stärksten gefährdet sind. Außerhalb des Körpers sterben die Bakterien rasch ab.

Dass Kleinkinder und Babys besonders gefährdet und am häufigsten getroffen sind, liegt an ihrem Immunsystem, welches sich noch in der Ausbildung empfindet. Die Folgen einer Erkrankung können lebenslang Auswirkungen haben: Teils kommt es zu Entwicklungsstörungen oder Hörverlust, auch Vernarbungen treten vereinzelt auf. Im Extremfall kommt es zu Amputationen und etwa zehn Prozent aller Patienten deutschlandweit sterben sogar an den Folgen.

Zwischen dem Tag der Ansteckung und dem Ausbruch der Krankheit liegen in den meisten Fällen drei bis vier Tage. Allerdings kann die Inkubationszeit kann auch zwischen zwei bis zehn Tage dauern.

Leonie hat überlebt, aber auch sie hat starke Folgeschäden davongetragen. Ihre Nebenniere ist wahrscheinlich dauerhaft geschädigt und ihr Immunsystem ist geschwächt. Sie hat heute, rund ein Jahr nach ihrer Erkrankung, noch immer eine Ernährungssonde und kann nicht schlucken. Sie hat allein 20 Operationen an ihrem rechten Bein hinter sich, dabei wurde ein Muskel entfernt. Ob ihr stark vernarbtes Bein amputiert werden muss oder ob es gerettet werden kann, ist noch nicht sicher.

Meningitis: Diese Krankheitsverläufe sind möglich

Eine Erkrankung kann in zwei Wegen verlaufen. Der häufigere Fall, eine Meningitis (die etwa in zwei Drittel der Erkrankungen auftritt) ist eine Entzündung der Hirnhaut und der Rückenmarkshäute. In einem Drittel der Fälle tritt eine Blutvergiftung, Sepsis genannt, auf.

Symptome einer Meningitis sind oft grippeähnlich: allgemeines Krankheitsgefühl, Fieber und Kopfschmerzen sind typisch. Krampfanfälle, Reizbarkeit, Erbrechen und Nackensteifigkeit sind weitere Anzeichen, letzteres ist bei Kleinkindern und Babys seltener der Fall. Bei jedem fünften Patienten treten Folgeschäden, wie Hörverlust und absterbendes Gewebe auf. Zudem können kognitive, psychische und psychologische Beeinträchtigungen, beispielsweise Lernschwierigkeiten, auftreten. Daher ist es wichtig, die Erkrankung schnell zu erkennen und zu behandeln - denn eine vollständige Genesung ist umso wahrscheinlicher, je früher die Diagnose gestellt und eine Therapie eingeleitet wird.

Eine Sepsis verläuft vielfältig, allerdings recht unspezifisch: Hohes Fieber mit Schüttelfrost sind ebenso Anzeichen wie Herzrasen, beschleunigte Atmung und Blutdruckabfall. Typisch ist auch eine blasse oder graue Hautfarbe. Die ausgelöste Blutvergiftung kann Organversagen und Einblutungen in der Haut, den Schleimhäuten und inneren Organen mit sich bringen. Teilweise kommt es im Verlauf zum Absterben einzelner Gliedmaßen, was in einer Amputation des Körperteils enden kann.

Meningokokken-Aufklärungskampagne: "Es geht nicht um Angst"

Neben den Standardimpfungen gibt es weitere, zusätzlich mögliche Impfungen. Leonie hat zum Zeitpunkt ihrer Erkrankung alle standardmäßig empfohlenen Impfungen entsprechend ihres Alters bekommen, so GSK in der offiziellen Pressemitteilung zur Kampagne 2021. Doch auch die Standardimpfung gegen Meningokokken C, die in Deutschland für alle Kinder im Alter von zwölf Monaten empfohlen ist,  hätte sie nicht schützen können, da sie an einer anderen Meningokokken-Gruppe erkrankt ist. Ihre Eltern wussten jedoch nicht, dass es für einen umfassenden Schutz zusätzlich mögliche Impfungen gegen die Gruppen B und ACWY gibt. Gruppe B tritt in Deutschland am häufigsten auf, gefolgt von Y und C.

Ihr Kind nach 85 Tagen voller Angst und Zweifel, ob sie es schaffen würde, aus dem Krankenhaus mit nach Hause zu nehmen war für Leonies Eltern das größte Glück überhaupt. Leonie ist eine Kämpferin und hat ihre Fröhlichkeit beibehalten. Dennoch sollte niemand das Leid durchleben müssen, das die Familie mitgemacht hat. Die Geschichte ihrer Tochter zu veröffentlichen, ist auch ein Appell an andere Eltern, sich zu informieren und zu handeln. 
Die Kinder- und Jugendärztin bzw. der -arzt berät Eltern frühzeitig über einen bestmöglichen Schutz vor Meningokokken. Mehr Informationen finden Interessierte auch unter www.meningitis-bewegt.de.