Bei den Drei- bis Zehnjährigen ist der Bauch die Körperstelle, die am häufigsten wehtut. Erst ab elf Jahren ist es der Kopf. Bauchschmerzen sind meist vorübergehend und harmlos. Ungewohnte Situationen, Aufregung, Angst, aber auch freudige Ereignisse können Bauchweh auslösen. Es wird aber auch von Magen-Darm-Infekten, übermäßigem Essen oder zu seltenen Toilettengängen hervorgerufen. „Trotzdem sollten spezifische Warnsignale nicht übersehen werden, zum Beispiel für chronische Darmerkrankungen wie Morbus Crohn, für eine Zöliakie oder eine Nahrungsmittelallergie“, sagt PD Dr. André Hörning, Oberarzt der Kinder- und Jugendklinik des Uni-Klinikums Erlangen. 

Was ist eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung und wie erkenne ich sie?

Laut dem Kindergastroenterologen sind deutschlandweit 20 bis 30 Prozent aller Patienten mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED) Kinder. „In den vergangenen 20 Jahren haben sich die Zahlen bei Heranwachsenden versiebenfacht“, so PD Hörning. Beobachten Eltern bei ihrem Kind nächtliche Bauchschmerzen, Blut im Stuhl, anhaltenden extrem häufigen Stuhlgang bis hin zu Durchfällen über mehr als vier Wochen, ein eingeschränktes Wachstum oder eine fehlende Gewichtszunahme, Schlappheit, verminderte Konzentration oder Gelenkschmerzen, könnte eine CED dahinterstecken. Zur Abklärung und Behandlung gibt es in der Erlanger Kinderklinik eine CED-Ambulanz für Heranwachsende. Hier werden pro Jahr mehr als 250 Patienten zwischen anderthalb und 18 Jahren betreut.

Nahrungsmittel als Ursache für Bauchschmerzen bei Kindern

Oft sind Bauchschmerzen aber auch auf etwas ganz anderes zurückzuführen: Haben Kinder Durchfälle oder ist ihr Bauch aufgebläht, kann eine Nahrungsmittelunverträglichkeit schuld sein, zum Beispiel gegen Milchzucker, Fruchtzucker oder Sorbit. „Geschätzt 20 Prozent der Heranwachsenden, die mit chronischen Bauchschmerzen ambulant vorgestellt werden, haben eine derartige Unverträglichkeit“, weiß PD Hörning. Eine andere häufige Ursache für Bauchweh ist die Zöliakie: Dabei verursacht das Klebereiweiß Gluten eine chronisch entzündete Schleimhaut im Zwölffingerdarm. Eine weitere Gruppe von Kindern leidet an einer Nahrungsmittelallergie. Eine solche kann – neben Bauchweh, das meist zwei bis fünf Stunden nach dem Essen einsetzt – schon nach wenigen Minuten ein Kribbeln mit einer Schwellung im Mund, Hautreaktionen oder gar Luftnot auslösen. Auch Verstopfung ist eine sehr häufige Ursache für Bauchschmerzen. „Das hängt meist damit zusammen, dass die Kinder zu wenig trinken, sich zu wenig bewegen, viel Kuhmilch oder Schokolade zu sich nehmen“, erklärt André Hörning.

Chronische Schmerzen im Bauchraum: Alarmsignale ernst nehmen

Zieht ein (Klein-)Kind vor Schmerzen die Beine an, schreit es und wird apathisch, dann sind das ernst zu nehmende Alarmsignale. Dazu gehören ebenso eine verhärtete Bauchdecke, Blut im Stuhl, Erbrechen, Fieber und Orientierungslosigkeit. Dann sollten Eltern schnell einen Kinderarzt oder eine Notaufnahme aufsuchen. Haben Kinder wiederholt oder sehr plötzlich starke Bauchschmerzen, sollten bestimmte Erkrankungen ausgeschlossen werden, darunter chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, Nahrungsmittelunverträglichkeiten, aber auch Bauchspeicheldrüsen-Erkrankungen, Harnwegsinfekte, Blinddarm- und Magenschleimhautentzündungen, Gallensteine u. a. Bestätigt sich all das nicht, kommt auch psychischer Stress als Auslöser infrage.

Die Psyche: Wenn Sorgen Bauchschmerzen machen

Dauern die Bauchschmerzen mehr als acht Wochen an und wird keine körperliche Ursache gefunden, sollten Ärzte und Eltern auch die Psyche des Kindes berücksichtigen. Treten die Bauchschmerzen in der Schule auf, in den Ferien aber nicht? Gibt es familiäre Konflikte? Dann könnten funktionelle Bauchschmerzen ohne organische Ursache dahinterstecken, wie das sogenannte Reizdarmsyndrom. Klagt das Kind neben Bauch- auch über Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen, ist es appetitlos und lichtempfindlich, so kann es sich um die „Bauchmigräne“ handeln. Sie betrifft ein bis vier Prozent aller Kinder, Mädchen häufiger als Jungen. Im Durchschnitt sind diese Patienten sieben Jahre alt. Die Bauchmigräne wird in der Regel durch körperlichen oder psychischen Stress ausgelöst. Sie kann Stunden, aber auch tagelang anhalten. Oft sind die Schmerzen so stark, dass die Kinder aus dem Schlaf heraus aufwachen. 

Ständige Bauchschmerzen bei Kindern und Jugendlichen – hier finden Sie Hilfe

In der Kinderklinik des Uni-Klinikums Erlangen gibt es für Patienten mit chronischen Schmerzen spezielle Bauchschmerzgruppen. Dort lernen die Betroffenen, ihre Beschwerden zu bewältigen, zum Beispiel durch Sport, Entspannungsübungen und Fantasiereisen, die positive Gefühle wecken. Die gastroenterologische Sprechstunde für Kinder und Jugendliche am Universitätsklinikum Erlangen findet an folgenden Wochentagen statt:

  • Montag: 13.00 15.30 Uhr
  • Mittwoch: 13.00 14.30 Uhr
  • Freitag: 8.40 11.00 Uhr

Die Terminvergabe erfolgt nur nach Vereinbarung: Telefon: 09131 85-33735

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Tipp: Erfahren Sie mehr zum Thema Kindergesundheit im Magazin „Gesundheit Bamberg“

Weitere Themen rund um die Gesundheit finden Sie in der aktuellen Ausgabe von „Gesundheit Bamberg“. Das kostenlose Magazin wird vom Universitätsklinikum Erlangen herausgegeben und liegt unter anderem in Arztpraxen, Kliniken, Rehazentren, Apotheken, Verwaltungen und im Einzelhandel in der Stadt Bamberg und Umgebung aus. Das Magazin kann außerdem per E-Mail an gesundheit-bamberg@uk-erlangen.de abonniert werden. Alle Themen sowie das aktuelle Magazin zum Download finden Sie auf www.gesundheit-bamberg.com. Lesen Sie jetzt die aktuelle Ausgabe von „Gesundheit Bamberg“


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