Der Fehler liege laut Apothekerin in der Spar-Politik der Bundesregierung. Demnach lohnt es sich für die Hersteller einfach nicht mehr, ihre Präparate nach Deutschland zu importieren. In anderen europäischen Ländern sei der Mangel an Medikamenten dem zufolge nicht so groß wie hier.
Münchener Kinderarzt nennt weiteren Aspekt in der Debatte um Antibiotika-Mangel
Einen anderen Aspekt greift im BR-Bericht der Münchener Kinderarzt Philipp Schoof auf. Er sieht die Corona-Pandemie als einen weiteren großen Faktor: "Wir erleben gerade, dass Lockdowns, Kontakt-Armut und das Tragen von Masken die lokale Schleimhaut-Abwehr offenbar aus der Übung gebracht haben."
Unterm Strich bedeutet das dann, dass "die Immunsysteme vieler Kinder durch die vielen Virusinfektionen im ersten Post-Corona-Winter geschwächt waren". Bakterien wie Streptokokken hätten es jetzt leichter, in den Organismus einzudringen. Schoof: "Kinder erwischt es dann schneller als Erwachsene, die haben noch nicht so viele Abwehrkräfte."
Doch sowohl Kinderarzt als auch für die Pharmazeutin sind die derzeitigen Zustände unzumutbar. Man könne derzeit die Eltern aber nur darum bitten, Ruhe zu bewahren - mehr bleibt ihnen leider nicht. Kaiser: "Ich bin für jeden Kinderarzt oder Notarzt dankbar, der vorher in der Apotheke anruft und fragt: Was haben Sie denn da?" Auch Eltern sollten besser immer erst anrufen in den Apotheken.
Fehlendes Antibiotika - Besserung erst im Sommer erwartet
Eine schnelle Besserung der Lage sehen die Experten nicht. Apothekerin Ingrid Kaiser hat demnach bereits bei den zwei verbliebenen Antibiotikums-Herstellern in Deutschland nachgefragt. Erst zum Sommer wollen die, so heißt es dann im Artikel, ihre Produktion für das Allerwelts-Mittel Penicillin wieder hochfahren.
Und Kinderarzt Schoof hofft darauf, dass die Politik jetzt endlich versteht, dass man die medizinische Versorgung in Deutschland umzustrukturieren müsse. Er wünscht sich "ein funktionierendes System, in dem zwar nicht immer jeder alles bekommen kann – aber alle alles bekommen, was sie wirklich brauchen".
Eine ähnliche Forderung kommt auch von Marcus Heidemann, Vorsitzender des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte in Westfalen-Lippe: "Es ist höchste Zeit, dass der Gesundheitsminister die Beseitigung des Mangels zur Chefsache macht. Wir Kinderärzte brauchen zumindest die Gewissheit, jederzeit die wichtigsten Antibiotika zu bekommen: Penicillin, Amoxillin, Cefaclor und Trimethoprim."