• Erkrankungen auf den ersten Blick im Gesicht erkennen
  • Die Gesichtsfarbe und die Organgesundheit
  • Die Augen als Spiegel der Seele
  • Was Nase, Mund und Kinn über einzelne Organe verraten

Bereits der griechische Arzt Hippokrates (um 460 v. Chr.) wusste um einen gesamtheitlichen Gesundheitsansatz und stellte sogar den Speiseplan seiner Patienten um. Er beobachtete die Kranken und zog so Rückschlüsse auf deren Lebensumstände. Krankheiten als Abweichungen vom natürlichen Gleichgewicht zeigten sich mitunter bereits am Erscheinungsbild. In der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) ist Face Mapping sogar eine grundlegende Methode der Diagnose und das Gesicht wird als Landkarte angesehen. Die Haut als größtes Organ wird häufig als Leinwand des Gesundheitszustandes bezeichnet. Mit einfachen Beobachtungen lassen sich womöglich Erkrankungen rechtzeitig erkennen.

Erkrankungen auf den ersten Blick im Gesicht erkennen

Die heutige medizinische Wissenschaft versucht seit Jahren, Menschen mit seltenen Erkrankungen frühzeitig zu helfen, um langfristige Schädigungen zu vermeiden. Internationale Wissenschaftler*innen aus den Bereichen Computerwissenschaften und Medizin der Universität Bonn, der Charité und dem Berlin Institute of Health (BIH) untersuchten in einer gemeinsamen Studie aus dem Jahr 2019 an 679 Patient*innen 105 verschiedene Krankheiten. Die Ergebnisse zeigen, dass mithilfe Künstlicher Intelligenz die Diagnose effizienter und sicherer erfolgen kann als mit anderen üblichen Methoden. Ein neuronales Netzwerk kombiniert hierfür automatisch in einem Programm Porträtfotos mit Gen- und Patient*innendaten. Seltene genetische Erkrankungen lassen sich zum Teil am Gesicht erkennen, etwa durch eine speziell charakteristische Formung der Brauen, der Nase oder der Wangen. Da die Gesundheit nicht nur von der Genetik abhängt, sondern auch inneren und äußeren Einflüssen ausgesetzt ist, zeigen sich so manche Veränderungen im Gesicht. Emotionen oder belastende Situationen, aber auch eine ungesunde Ernährung sind manchen Menschen sozusagen ins Gesicht geschrieben und auf den ersten Blick sichtbar. Die Gesichtsfarbe selbst kann ein Spiegel der Gesundheit sein und wird unabhängig von der Herkunft als gesund wahrgenommen, was eine englische Studie aus dem Jahr 2009 belegt.

Neben häufigen stressbedingten Hautsymptomen, wie hektische Flecken oder Herpes-Bläschen an der Lippe oder der Nase sowie Stress-Akne, gibt es weitere Merkmale, anhand derer man gewisse Erkrankungen frühzeitig erkennen kann. Jedes Körperorgan spiegelt sich in einer bestimmten Zone im Gesicht wider, auch wenn jeder Mensch grundsätzlich eine individuelle Grundfärbung der Gesichtshaut besitzt. Ein leichter Roséhauch weist auf einen gesunden Zustand hin, was auf eine normale Durchblutung und niedrigen Blutdruck sowie eine helle Farbe des Blutes mit viel Sauerstoff schließen lässt. Eine kurzzeitige Abweichung der Gesichtsfarbe vom Normalzustand kann auch ohne Erkrankung vorkommen und ist vollkommen unbedenklich, zum Beispiel, wenn du dich erschrickst oder schämst und rot wirst. Eine längerfristige Veränderung der Gesichtsfarbe sollte jedoch beobachtet werden; möglicherweise ist es ein erstes Alarmsignal des Körpers.

Hinweis: Die meisten Studien und Forschungen beziehen sich in der Regel auf Menschen mit einer weißen Hautfarbe. Dunkelhäutige Patient*innen weisen oft andere Symptome auf. Im Falle von inneren Blutungen ist beispielsweise die sonst typische Blässe auszuschließen. Hier müssen bei Menschen mit einer dunkleren Hautfarbe zum Beispiel die Augenlider oder das Innere des Mundes betrachtet werden. Auch blaue Verfärbungen (Sauerstoffmangel) oder eine gelbe Hautfarbe können bei dunkelhäutigen Menschen nicht auf Erkrankungen, wie beispielsweise der Leber, hindeuten. Auf weißer Haut sind auch Ausschläge oder Rötungen einfacher zu erkennen, bei dunkler Haut sehen die Pusteln oft anders aus. Studien über dunkelhäutige Menschen und Dermatologen, die sich auf andersfarbige Hautfarben spezialisiert haben, sind heute noch selten, aber aufgrund der weltweiten Vermischung verschiedener ethnischer Gruppen im Zuge der Globalisierung durchaus bedeutend.

Die Gesichtsfarbe und die Organgesundheit

Blasse Haut um die Nase herum oder im ganzen Gesicht kann auf einen niedrigen Blutdruck mit zu wenig Sauerstoff und einer verminderten Durchblutung hinweisen. Auch Eisenmangel kann ein Grund für die Blässe sein. Weitere Zeichen hierfür sind allgemeine Schwäche, Kälte und auch Herz-Kreislauf-Beschwerden. Bei längerer Abgeschlagenheit sollte ein Arzt oder eine Ärztin zurate gezogen werden. Weiter kann blasse Haut auch ein erster Hinweis auf einen Magen-Darm-Infekt sein oder auf eine Erkältung hindeuten.

An der Stirn lassen sich mögliche Stoffwechselbeschwerden, die Funktion der Nieren und der Leber, der Säure-Basen-Haushalt und die Funktion von Hoden und Eierstöcken ablesen. Flecken und Falten auf der Stirn können beispielsweise ein Zeichen für eine Leberstörung sein. Eine auffällig dicke Haut mit wulstigen Falten kann auf eine Nierenschwäche hinweisen. Horizontale Linien können hier etwa auf ein überaktives Nervensystem und eine schlechte Darmgesundheit hindeuten, wenn das Nervensystem durch zu viel Stress und einen andauernd hohen Cortisolspiegel aus dem Gleichgewicht gebracht wurde. Hier helfen vor allem Ruhe und Entspannung, sowie eine gesunde, zuckerarme Ernährung und wenig Alkohol. Außerdem können probiotische Lebensmittel wie Kefir, Sauerkraut und Misosuppe für eine Verbesserung sorgen. Weiter können Falten, Hautirritationen oder Pickel auf der Stirn auf Probleme mit dem Nieren- und Blasensystem hindeuten, welches durch chronische Infektionen und Entzündungen geschwächt werden kann. Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr und Stressabbau schaffen hier Abhilfe. Falten und Hautveränderungen im Bereich der unteren Wangenpartie werden oft mit dem Stoffwechsel und Magenproblematiken in Verbindung gebracht. Der Dickdarm verbindet Millionen von Nervenzellen, was anfällig für Stress und emotionale Belastung macht. Weisen die Schläfen dagegen Flecken und Falten auf, wird häufig eine Nierenproblematik dahinter vermutet, während die Partie an der oberen Wange auf Probleme mit der Lunge hindeuten kann. In dem Bereich der mittleren Wangenpartie sind vor allem der Dickdarm und der Magen betroffen, da der Magen und die Milz zusammenwirken, um Energie aus der Nahrung zu gewinnen und die Verdauung zu regeln. Viel Flüssigkeit wirkt hier gegen Falten und Linien. 

Auch wenn zwischen den verschiedenen Ausprägungen der Falten, Flecken und Verformungen und möglichen Erkrankungen ein gewisser Zusammenhang besteht, so ist dies wissenschaftlich noch nicht eindeutig belegt. Durch zahlreiche Beobachtungen einzelner Erkrankungen rückt dies aber immer weiter in den Fokus der Untersuchungen und findet bereits in zahlreichen Verfahren, wie der sogenannten Gesichtshaut-Diagnostik, Anwendung. 

Die Augen als Spiegel der Seele

Fernab von Styling-Trends gibt es Anzeichen für gewisse Erkrankungen, welche die Augenbrauen betreffen. Diese können ein Hinweis auf einen gestörten Hormonhaushalt sein. Die Form der Augenbrauen kann zum Beispiel Aufschluss über die inneren Organe geben. Sehr kurze Brauen, die von der Außenseite ausfallen, können auf eine Unterfunktion der Schilddrüse hinweisen. Bei Frauen können von Natur aus sehr schmale Brauen einen Mangel an weiblichen Hormonen darstellen, wohingegen buschige und dicke Augenbrauen auf zu viele männliche Hormone verweisen. Die Leber ist das Organ, das am meisten Auswirkungen auf die Haut besitzt und gleichzeitig für die Entgiftung des Körpers verantwortlich ist. Egal ob ungesunde Nahrung, Giftstoffe oder negative Emotionen - die Leber verarbeitet dies. Die Bereiche zwischen, sowie rechts und links von den Augenbrauen, stehen für die Leber. Menschen, die häufig frustriert sind, haben häufig eine tiefe Falte zwischen den Augen, die sogenannte Glabella-Falte oder auch Zornesfalte. Bestimmte Lebensmittel können helfen, die Leber wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Hierzu gehören unter anderem Kurkuma, grünes Blattgemüse und Bitterstoffe, aber auch Meditation und Spaziergänge in der Natur unterstützen den Körper. Glasige Augen sind im Zusammenhang mit Krankheiten meist ein Zeichen für eine Fiebererkrankung, da die Körpertemperatur steigt und die Tränenflüssigkeit schneller verdunstet.

Geschwollene Augenlider und Augenringe sind nicht nur Zeichen durchzechter Nächte, sondern können durch Husten und Schnupfen entstehen oder gar eine Nasennebenhöhlenentzündung ankündigen. Eine Schwellung des oberen Lids zeigt den Energiezustand des Körpers an und kann auf Beeinträchtigungen der Milz hinweisen. Diese sogenannten Schlupflider können außerdem auf eine Herzschwäche hindeuten, da dessen Leistung nicht ausreicht, um das Gewebewasser in die Nieren abzutransportieren und sich so im Lid staut. Dabei ist die Schwellung morgens stärker ausgeprägt und lässt gegen Mittag nach. Weiße und gelbe Ablagerungen geben dagegen Hinweise auf eine Schleimbildung zwischen den Organen. Finden sich gelbe Flecken auf dem Oberlid, deutet dies meist auf eine Stoffwechsel- und Verdauungsstörung hin, wobei die Nahrung vom Körper nicht richtig verwertet wird und schließlich zu Mangelerscheinungen führt. Dies macht sich an schuppigen, geröteten Oberlidern bemerkbar. Hier sollte der Speiseplan auf eine zuckerarme Ernährung ausgerichtet werden.

Ist das untere Lid geschwollen, so kann dies auf Blasenprobleme hinweisen. Bei größerer Ausprägung kann dies aber auch ein Zeichen für eine Funktionsstörungen der Nieren sein. Bei anhaltender Schwellung sollte ein Arzt oder eine Ärztin konsultiert werden. Ist das Augenunterlid verfärbt, deutet das auf ein Problem mit dem Kreislaufsystem hin. Dies macht sich etwa in Bläschenbildung und der Farbe der Schleimhaut bemerkbar und lässt unter anderem eine bevorstehende Infektion erkennen. Ist der Bereich weiß, so ist von einer Blutarmut auszugehen. Tiefe Augenhöhlen zeigen ein allgemein niedriges Energieniveau an, wogegen dunkle Augenringe ein deutliches Zeichen von Schlafmangel, Erschöpfung oder Depressionen sein können. Augenringe können weiter noch auf eine Erkrankung der Nieren hinweisen oder eine falsch dosierte Nahrungsaufnahme bedeuten. Bei dunklen Augenringen ist zweimal pro Woche eine kräftigende Hühnersuppe mit Gemüse und Reis und genügend Mineralstoffen zu empfehlen. Tränensäcke bei jungen Menschen können als störend empfunden werden und zeigen mitunter frühzeitig eine Störung der Leberfunktion an. Hier hilft vor allem gesunde Kost mit viel Gemüse, Fisch und Fleisch, da der Körper Eiweiß, Vitamine, Zink und Eisen benötigt. Weiter ist eine leichte sportliche Betätigung zu empfehlen; man könnte beispielsweise ein- bis dreimal pro Woche 30 Minuten Joggen gehen. Das Gesicht spiegelt den körperlichen Zustand wider. Deshalb können zum Beispiel Hautspannungen und Farbveränderungen einen Hinweis auf Störungen des Stoffwechsels geben. Schwellungen können ein Anzeichen für Durchblutungsstörungen sein. Auf eine Übersäuerung des Körpers und starken Nikotingenuss sollte der Haut und den Haaren zuliebe verzichtet werden. Diese können dadurch vorzeitig ergrauen und ausfallen, was durch Schilddrüsenstörungen, Diabetes, Eisenmangel oder die Einnahme diverser Medikamente begünstigt wird.

Was Nase, Mund und Kinn über einzelne Organe verraten

Nicht nur die Gesichtsfarbe und die Augenpartie können Rückschlüsse auf gewisse Erkrankungen zulassen, auch die Nase kann Hinweise geben. Unter anderem kann eine permanent rote Nasenspitze auf eine Herzerkrankung hindeuten; die linke Seite der Nase wird der linken Herzseite zugeordnet und umgekehrt. Eine gerötete Nase und Flecken können weiter auf Blutzucker- und Blutdruckprobleme hinweisen, die etwa durch einen übermäßigen Konsum von Alkohol, Zucker sowie industriell verarbeitete Lebensmittel zustande kommen. Aber auch stark negative Emotionen und Stress haben Einfluss auf die Herzleistung. Omega-3-Fettsäuren, Nahrungsergänzungsmittel und Entspannung können helfen, die Herzgesundheit zu fördern. Ist die Nasolabialfalte zum Beispiel auf der rechten Gesichtshälfte sehr ausgeprägt, so kann dies ein Hinweis auf einen Leberschaden sein. Zunächst verläuft die Leber-Falte vom Nasenflügel geradeaus und macht um den Mundwinkel herum einen Bogen; läuft die Nasolabialfalte jedoch deutlich weiter links, gilt dies als Zeichen einer geschwächten Bauchspeicheldrüse. Mit guter Pflege lassen sich diese Falten im Gesicht ein wenig vorbeugen oder abmildern. Nasolabialfalten, die in gerader Form vom Nasenflügel bis zum Mundwinkel verlaufen, können als Zeichen für eine nachlassende Herzstärke gewertet werden. Zu beachten ist: Je tiefer die Falten, desto länger ist die Störung vermutlich schon vorhanden.

Falten, die beidseitig des Mundes von den Nasenflügeln im Halbkreis bis auf die Höhe der Mundwinkel laufen, sind höchstwahrscheinlich auf eine Schwäche des Darmes zurückzuführen. Wenn sich parallel an den Mundwinkeln Grübchen bilden und der Verlauf der Falten beidseitig bis zum Kinn reicht, so kann dies auf Magenprobleme hinweisen, welche etwa durch Stress und Überlastung hervorgerufen werden können. Von trockenen und spröden Lippen sind vor allem in den kühleren Monaten viele Menschen betroffen. Doch sind einreißende Mundwinkel nicht nur eine Folge trockener Luft, sondern können auch auf einen Eisen- und Zinkmangel hindeuten. Ein tiefliegendes Kinngrübchen oder eine gespaltene Kinngrube wird dagegen häufig als Merkmal für statische Veränderungen an der Wirbelsäule gesehen, wie beispielsweise ein Beckentiefstand oder eine Wirbelsäulenverkrümmung. Falten und Flecken am Kinn können auf Probleme mit der Prostata, Magen-Darm-Störungen, eine Hormonstörung oder auf eine Erkrankung der unteren Bauchorgane hinweisen. Generell können Probleme im oder um den Mund oft auf Probleme mit dem Dickdarm und dem Magen hindeuten, da der Dickdarm eng mit dem Magen als Hauptorgan im Verdauungssystem verbunden ist und deshalb meist beide Organe gleichzeitig betroffen sind. Hier ist vor allem eine Nahrungsumstellung zu empfehlen. Es sollten mehr warme und gedünstete Gerichte verzehrt werden und auf zu viele rohe und zu viele süße Speisen verzichtet werden. Chiasamen, Leinsamen, Haferflocken und Aloe Vera können zusätzlich unterstützend wirken.

Eine gesunde Gesichtsfarbe und eine gut durchblutete Gesichtshaut sind folglich Anzeichen für ein kräftiges Herz und eine gesunde Lunge und werden somit als attraktiver wahrgenommen. Auch wenn genetische Faktoren einen gewissen Einfluss auf die Physiognomie besitzen, so kann bereits eine frische Gesichtsfarbe durch eine nährstoffreiche Kost mit viel Obst und Gemüse und Bewegung an der frischen Luft erreicht werden, da sich unter anderem die natürlichen Farbstoffe auf die Gesichtsfärbung auswirken.