Alkoholabhängigkeit ist ein ernst zunehmendes Problem und ist laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als offizielle Krankheit anerkannt. Ab einem gewissen Trinkverhalten ist der Alkoholkonsum schädlich für unsere Gesundheit.

Ab wann spricht man also von einer Alkoholabhängigkeit - und auf was sollte man Acht geben? inFranken.de gibt Ihnen Tipps, woran Sie Alkoholismus erkennen können.

Ab wann wird Alkoholkonsum zum Problem?

Laut der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) ist Alkoholkonsum nicht von Natur aus schlecht und bis zu einem gewissen Punkt auch nicht problematisch. Es gibt jedoch Empfehlungen, ab welcher Menge Alkohol das eigene Verhalten angepasst werden sollte. Für Männer gilt der Konsum von bis zu  24 Gramm Alkohol pro Tag als gesundheitlich unbedenklich. Das entspricht in etwa 0,5 bis 0,6 Litern Bier oder 0,25 bis 0,3 Litern Wein mit durchschnittlichem Alkoholgehalt. Für Frauen wird als Richtlinie die Hälfte angesetzt - also 12 Gramm Alkohol pro Tag.

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) erklärt auf ihrer Internetseite, dass Männer bedenkenlos acht Standardgläser (jeweils zehn bis zwölf Gramm Alkohol) pro Woche konsumieren können. Frauen sollten es bei etwa fünf bis sechs solcher Standardgläser belassen. Riskant wird es, wenn der Konsum bei Männern 21 beziehungsweise bei Frauen 14 Standardgläser pro Woche erreicht. Vier bis fünf Standardgläser pro Tag werden als hohes gesundheitliches Risiko bezeichnet.  

Wichtig ist, dass mindestens zwei alkoholfreie Tage pro Woche eingehalten werden, andernfalls kann ein solch regelmäßiger Konsum schon auf eine Alkoholsucht hindeuten. Dennoch sollte jetzt noch keiner in Panik ausbrechen. Schließlich spielen auch viele andere Faktoren eine Rolle. Es sollte nämlich stets darauf geachtet werden, aus welchen Gründen Alkohol konsumiert wird. Dient es lediglich dem geschmacklichen Genuss oder dem gemütlichen Beisammensein mit Freunden, so ist das noch lange kein Problem. Es ist jedoch schwierig und von Person zu Person unterschiedlich, klare Trennlinien zu schaffen, ab wann ein Mensch tatsächlich ein Alkoholproblem hat.

Wie die Klinik Friedenweiler berichtet, sollte der Alkoholkonsum auf keinen Fall dazu dienen, seine psychischen Sorgen und Probleme zu verdrängen. Unter diesen Voraussetzungen geht es dann nicht mehr zwingend um die getrunkene Menge, sondern vor allem um die Frage, welche Funktion der Alkohol für eine Person darstellt. "Ich trinke Alkohol, um ruhiger zu werden", oder "ich gönne mir jetzt noch ein Bier, das habe ich verdient" sind Fälle, die auf eine Alkoholabhängigkeit hindeuten können - natürlich immer auch in Relation zum eigentlichen Konsumverhalten. Auch greifen viele Menschen zum Verdauungsschnaps nach dem Essen - ob das sinnvoll ist oder nicht, lesen Sie hier.

Diese Kriterien deuten auf eine Alkoholabhängigkeit hin

Es ist wichtig zu wissen, welche Anhaltspunkte auf eine Alkoholabhängigkeit hindeuten. Deshalb bedienen sich Mediziner und Wissenschaftler den Klassifikationen der WHO, die in der ICD-10 (International Classification of Diseases) jegliche Krankheitsbilder definiert hat. Eine behandlungsbedürftige Alkoholsucht besteht demnach, wenn mindestens drei der sechs folgenden Kriterien innerhalb der letzten zwölf Monate erfüllt worden sind:

  1. Craving (starkes Verlangen Alkohol zu trinken)
  2. Kontrollverlust über den Alkoholkonsum bezüglich Beginn oder Menge
  3. Toleranzentwicklung gegenüber der Alkoholwirkung
  4. Einengung auf das Alkoholtrinken und dadurch Vernachlässigung anderer Interessen
  5. Anhaltender Alkoholkonsum trotz eindeutiger schädlicher Folgen (gesundheitlich, psychisch oder sozial)
  6. Körperliche Entzugssyndrome bei Reduzierung der Alkoholmenge oder Abstinenz

Rund 1,6 Millionen Menschen gelten in Deutschland als alkoholabhängig, zehn Millionen Menschen gelten als suchtgefährdet. Meist erkennen es betroffene Personen gar nicht, wenn sie die kritische Grenze überschritten haben. Hilfe bei der Aufklärung, ob ein solches Problem vorliegt, gibt ein Test der BZgA. Dort kann ganz ohne weiteres ein kurzer Selbsttest gemacht werden, wodurch sich der eigene Alkoholkonsum einordnen lässt.

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung gibt übrigens auch Tipps, die zur Eingrenzung des eigenen Alkoholkonsums eingehalten werden können. Und auch wenn einige Vorschläge banal klingen mögen -  fällt einem die Umsetzung dieser Dinge leicht, muss man wohl keine großen Sorgen vor einer Alkoholsucht haben:

  • Beim Feiern im Limit bleiben: Greifen Sie ab und zu einem alkoholfreien Getränk, um Ihren Durst zu löschen. Vermeiden Sie unnötige Trinkspiele.
  • Das eigene Verlangen überlisten: Lenken Sie sich ab, wenn Sie den Drang verspüren, Alkohol zu trinken - so erlischt das Verlangen von selbst.
  • Nein, Danke: Wer aus sozialer Erwünschtheit Alkohol trinkt, nur um nicht unhöflich zu sein, kann jetzt Stärke zeigen - einfach mal nein sagen. Das fällt anfangs nicht leicht, aber das kann gelernt werden.
  • Ziele setzen: Setzen Sie sich überschaubare Ziele. Nicht mehr als ein Bier am Abend, oder nur jeden zweiten Abend ein Bier. Schaffen Sie es, Ihre Ziele zu erreichen, können Sie sich mit etwas Schönem belohnen.
  • Andere Möglichkeit der Entspannung finden: Versuchen Sie nicht, Ihre Sorgen in Alkohol zu ertränken. Entdecken Sie neue Möglichkeiten, wie Ihr Körper mit stressigen Situationen umgehen kann. Alkohol mag zwar die Sinne betäuben - eine langfristige Lösung stellt das aber nicht dar.
  • Schluss mit dem Gewohnheitstrinken: Unterbrechen Sie die Gewohnheitsschleifen. Versuchen Sie, wenn nötig, Ihre Trinkroutine zu verändern. Weihen Sie auch andere in Ihren Plan ein.

Alkoholabhängigkeit sollte auf keinen Fall unterschätzt werden. Vielleicht wissen viele Menschen auch gar nicht, dass Ihr Konsumverhalten Ihrem Körper auf lange Sicht schadet. Doch mit den oben genannten Punkten können Sie sich selbst testen - und möglicherweise eigene Schritte zu einem gesünderen Lebensstil einleiten.