Warum viele Lieblingsprodukte mehr Zucker enthalten, als du denkst

4 Min

Zucker steckt längst nicht nur in Cola oder Schokolade. Auch vermeintlich gesunde Produkte enthalten oft überraschend große Mengen davon – häufig gut versteckt. Wer bewusster essen möchte, sollte deshalb Zutatenlisten genauer lesen.

Zu viel Zucker gilt als Mitverursacher zahlreicher Volkskrankheiten – von Übergewicht bis Diabetes. Trotzdem nehmen viele Menschen täglich deutlich mehr davon zu sich als empfohlen. Ein Grund dafür: Zucker versteckt sich oft in Lebensmitteln, bei denen Verbraucher ihn kaum vermuten würden.

Die vielen Gesichter des Zuckers

Zu viel Zucker gilt seit Jahren als Gesundheitsrisiko. Er steht unter anderem mit Übergewicht, Diabetes, Karies und Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Verbindung. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt deshalb, täglich höchstens 50 Gramm sogenannte freie Zucker zu konsumieren. Doch schon ein Liter Cola enthält oft deutlich mehr als diese Menge. Die Diskussion über eine mögliche Zuckersteuer auf Softdrinks zeigt, wie ernst das Thema inzwischen genommen wird.

Gleichzeitig wird es für Verbraucher immer schwieriger zu erkennen, wie viel Zucker tatsächlich in Lebensmitteln steckt. Denn Zucker verbirgt sich längst nicht nur in Süßigkeiten oder Limonaden. Vor allem stark verarbeitete Produkte enthalten häufig überraschend große Mengen davon – oft unter Bezeichnungen, die viele Menschen gar nicht als Zucker erkennen. Wer bewusster einkaufen möchte, muss deshalb genauer hinschauen als früher. Nicht jeder Zucker ist sofort sichtbar. Fachleute sprechen von "verstecktem Zucker", wenn Verbraucher ihn in einem Produkt nicht erwarten oder ihn auf der Verpackung nicht eindeutig erkennen können. Das betrifft vor allem zugesetzten Zucker, der von Herstellern während der Produktion verwendet wird.

Problematisch ist dabei vor allem die Zutatenliste. Dort steht zwar, welche Inhaltsstoffe verwendet wurden, doch das Wort "Zucker" taucht oft gar nicht auf. Stattdessen verwenden Hersteller Begriffe wie Glukosesirup, Fruktose, Maltose oder Melasse. Für viele Verbraucher ist auf den ersten Blick kaum erkennbar, dass sich dahinter ebenfalls Zucker verbirgt. Hinzu kommt: Die Nährwerttabelle zeigt zwar die gesamte Zuckermenge eines Produkts an, unterscheidet aber nicht zwischen natürlich enthaltenem Zucker und zugesetztem Zucker. Wer einschätzen möchte, wie stark ein Lebensmittel gesüßt wurde, muss deshalb zusätzlich die Zutatenliste lesen.

So erkennst du Zucker in der Zutatenliste

Wer Zucker vermeiden möchte, sollte vor allem auf bestimmte Begriffe achten. Ein wichtiger Hinweis sind Zutaten, die auf "-ose" enden. Dazu gehören etwa Glukose, Fruktose, Saccharose oder Maltose. Auch Dextrose, besser bekannt als Traubenzucker, zählt dazu.

Überdies versteckt sich Zucker häufig hinter Begriffen wie Sirup, Honig, Fruchtsaftkonzentrat oder Melasse. Besonders verbreitet sind Glukosesirup, Fruktose-Glukose-Sirup oder Invertzuckersirup. Auch Agavendicksaft, Reissirup oder Gerstenmalzextrakt liefern große Mengen Zucker.

Ein weiterer wichtiger Hinweis ist die Reihenfolge der Zutaten. Inhaltsstoffe werden nach ihrem Anteil im Produkt sortiert aufgeführt. Tauchen mehrere Zuckerarten weit oben in der Liste auf, spricht das meist für einen hohen Zuckergehalt – selbst wenn keine einzelne Zuckerart an erster Stelle steht.

In welchen Produkten besonders viel Zucker steckt

Viele Menschen denken bei Zucker zuerst an Schokolade, Kekse oder Softdrinks. Tatsächlich steckt jedoch auch in zahlreichen Alltagsprodukten überraschend viel davon. Besonders häufig betrifft das stark verarbeitete Lebensmittel. Typische Beispiele sind Fruchtjoghurts, Frühstückszerealien, Knuspermüslis, Fertigsoßen, Ketchup, Salatdressings oder Smoothies. Auch verarbeitete Fleischprodukte und Konserven können Zucker enthalten. Hersteller setzen ihn dort häufig ein, um Geschmack, Konsistenz oder Haltbarkeit zu beeinflussen.

Gerade bei vermeintlich gesunden Produkten lohnt sich deshalb ein genauer Blick. Ein selbst zubereitetes Müsli aus Haferflocken, Obst und Milch enthält zwar natürlichen Zucker aus Früchten und Milchprodukten. Viele Fertigmischungen werden jedoch zusätzlich mit Sirup, Honig oder Haushaltszucker gesüßt – oft in beträchtlichen Mengen.

Viele Verbraucher halten Fruchtsäfte oder Smoothies für die bessere Alternative zu Cola oder Limonade. Doch aus Sicht der WHO zählen auch die Zucker in Fruchtsäften zu den sogenannten freien Zuckern, die nur begrenzt konsumiert werden sollten. Der Unterschied liegt vor allem in der Verarbeitung. In einem ganzen Apfel steckt Zucker, eingebettet in Ballaststoffe und Fruchtfleisch. Dadurch sättigt Obst stärker und der Zucker gelangt langsamer ins Blut. Bei Säften fehlt dieser Effekt weitgehend. Die enthaltenen Zucker werden schneller aufgenommen und oft in größeren Mengen konsumiert. Fachleute diskutieren seit Jahren insbesondere die Rolle von Fruktose, also Fruchtzucker. Studien weisen darauf hin, dass stark verarbeitete fructosehaltige Lebensmittel mit Fettleibigkeit, Fettleber, Insulinresistenz und Diabetes in Verbindung stehen könnten. Vor allem industriell zugesetzte Fruktose gilt dabei als problematisch.

Was Begriffe wie "zuckerfrei" wirklich bedeuten

Werbeversprechen auf Verpackungen sorgen oft für Verwirrung. Denn Aussagen wie "ohne Zuckerzusatz" oder "zuckerarm" klingen gesünder, als Produkte tatsächlich sein müssen. Rechtlich sind diese Begriffe allerdings genau geregelt.

"Zuckerfrei" bedeutet nach EU-Vorgaben lediglich, dass ein Produkt maximal 0,5 Gramm Zucker pro 100 Gramm oder 100 Milliliter enthalten darf. Als "zuckerarm" gelten feste Lebensmittel mit höchstens fünf Gramm Zucker pro 100 Gramm. Bei Getränken liegt die Grenze bei 2,5 Gramm pro 100 Milliliter.

Besonders missverständlich ist die Angabe "ohne Zuckerzusatz". Sie sagt nur aus, dass kein zusätzlicher Zucker zugesetzt wurde. Das Produkt kann dennoch viel natürlichen Zucker enthalten – etwa durch Fruchtsaftkonzentrate oder pürierte Früchte. Auch Begriffe wie "Süße aus Früchten" bedeuten nicht automatisch, dass ein Lebensmittel wenig Zucker enthält.

Zucker im Alltag reduzieren

Zucker wirkt nicht nur auf den Stoffwechsel, sondern auch auf das Hungergefühl und das Belohnungssystem des Gehirns. Wer viele stark gesüßte Lebensmittel konsumiert, bekommt oft schneller wieder Hunger und nimmt dadurch mehr Kalorien auf. Gleichzeitig schüttet das Gehirn beim Verzehr süßer Lebensmittel Botenstoffe aus, die als angenehm empfunden werden. Das kann dazu führen, dass Menschen verstärkt Lust auf Süßes entwickeln und häufiger zu stark gesüßten Produkten greifen. Langfristig kann ein dauerhaft hoher Zuckerkonsum das Risiko für verschiedene Erkrankungen erhöhen. Neben Karies und Übergewicht gehört dazu auch Diabetes mellitus, im Volksmund oft "Zuckerkrankheit" genannt. Dabei sammelt sich dauerhaft zu viel Zucker im Blut an, was schwere Folgeerkrankungen verursachen kann.

Ernährungsexperten empfehlen vor allem drei einfache Strategien: weniger süße Getränke, mehr unverarbeitete Lebensmittel und einen kritischeren Blick auf Verpackungen. Gerade Softdrinks gehören zu den größten Zuckerquellen im Alltag. Hilfreich ist außerdem, möglichst einfache Lebensmittel zu bevorzugen. Naturjoghurt statt Fruchtjoghurt, Wasser statt Limonade oder Haferflocken statt gesüßtem Knuspermüsli können den täglichen Zuckerkonsum deutlich senken.

Grundsätzlich gilt: Je stärker ein Produkt verarbeitet ist und je länger die Zutatenliste ausfällt, desto eher lohnt sich ein genauer Blick. Wer Zutatenlisten und Nährwerttabellen bewusst liest, erkennt versteckte Zuckerfallen oft schneller – und kann bewusster entscheiden, was tatsächlich im Einkaufswagen landet.

Vorschaubild: © hetwig/AdobeStock