Nervige Servietten bei der Eisdiele: Kaum jemand kennt ihren echten Zweck

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Nervige Eisdielen-Servietten: Kaum jemand kennt ihren echten Zweck
Die Servietten aus der Eisdiele kennt jeder.
Nervige Eisdielen-Servietten: Kaum jemand kennt ihren echten Zweck
Kzenon/AdobeStock (Symbol)

Ein nerviges Problem betrifft fast alle Eisdielenbesucher. Warum sind die kleinen Faltservietten hier immer so starr und kaum saugfähig?

Wer im Sommer an die Eisdiele denkt, dem kommen bunte, geschmackvolle Kugeln, knusprige Waffelhörnchen und kalte Becher - und dieses dünne, knisternde Papier, das aus dem Servietten-Spender an der Theke ragt, in den Sinn. Man zieht es heraus, versucht sich den Mund abzuwischen, und stellt fest: Es taugt nicht viel. Zu glatt, zu fest, zu winzig. Kaum jemand, der nicht schon einmal über diese Papierchen geflucht hätte.

Dabei ist der Ärger, so verständlich er ist, auf einem Irrtum gebaut. Denn das kleine Tüchlein war nie als Serviette gedacht - zumindest nicht in dem Sinne, den die meisten erwarten. Wofür es wirklich da ist, wissen die wenigsten.

Das "Klapperdeckchen": So heißt die Eisdielen-Serviette wirklich

"Die Faltservietten aus dem Spender sind eigentlich als Klapperdeckchen gedacht", erklärte Vera Merten, Geschäftsführerin der Merten & Pusch GmbH aus Dortmund, gegenüber der Süddeutschen Zeitung. Ihr Familienunternehmen, 1920 als Bäckerei- und Konditoreizulieferer gegründet, beliefert heute rund 1.500 Eisdielen in Deutschland - unter anderem mit eben jenen Faltservietten. Merten kennt das Produkt also aus dem Effeff.

Klapperdeckchen - das bedeutet: Untersetzer. Das Papier soll verhindern, dass Eisbecher, Tassen oder Löffel auf dem Tablett klappern oder auf dem Tisch verrutschen. Gleichzeitig fängt es Tropfen auf und hält die Unterlage sauber. Eisverkäufer benutzen es zudem als Hygienepapier - damit sie die Waffel nicht direkt anfassen müssen, und der Kunde das schmelzende Eis nicht sofort an den Fingern hat.

Dass das Papier heute überhaupt als Serviette wahrgenommen wird, sei schlicht ein Reflex, so Merten gegenüber der Süddeutschen Zeitung: Die wenigsten Eisdielen haben noch eine zweite Serviettensorte für ihre Kunden. Wenn einem das Eis am Mundwinkel runterläuft und auf dem Tresen ein Spender steht, greife man eben danach - auch wenn das Papier dafür eigentlich nicht gemacht ist.

Warum ist das Papier so, wie es ist? Es geht ums bare Geld

Die glatte, fast pergamentartige Oberfläche hat einen konkreten Grund: Die Faltserviette dient auch als Werbeträger. Eisdielen lassen ihr Logo oder Werbesprüche darauf drucken - das funktioniert nur auf glattem Papier, wie Merten gegenüber der Süddeutschen Zeitung erläuterte. Auch die Größe ist kein Zufall. Eine Faltserviette kostet weit unter einem Cent - und damit etwa ein Drittel einer herkömmlichen Serviette im Format 33 mal 33 Zentimeter. Das spart nicht nur Geld, sondern auch Lagerplatz.

Und wer braucht für eine Kugel Eis wirklich ein großes Blatt Papier? Die kleine Fläche reicht für ihren eigentlichen Zweck völlig aus. Für Eisdielen, die täglich mit steigenden Kosten kämpfen und gleichzeitig die Kugelpreise im Rahmen halten wollen, ist das keine Kleinigkeit - laut Uniteis, dem Verband der italienischen Speiseeishersteller, zahlt man hierzulande im Schnitt zwischen 1,80 und 2,50 Euro pro Kugel, damit ist Deutschland im europäischen Vergleich noch eines der günstigsten Länder. In einigen anderen Ländern wird Eis 2026 deutlich teurer.

Hinzu kommt der Nachhaltigkeitsaspekt. Für ein kleines Eis genügt ein kleines Stück Papier. Würde jede Eisdiele auf großformatige Servietten umstellen, entstünden laut Merten ungleich größere Abfallmengen. Wer statt Eisdiele lieber zum Supermarkt greift, sollte übrigens wissen: Was Eis aus dem Supermarkt wirklich taugt - und was die Packungsversprechen oft verschweigen.

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