Ärger wegen fehlendem Bier: Pächter eröffnen türkisches Lokal in Sportlerheim

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Ärger um fehlendes Bier auf Karte: Türkisches Lokal in Sportlerheim eröffnet
Bayram Dalkilic (r.) will keinen Alkohol in seinem türkischen Spezialitätenlokal.
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Collage inFranken.de: Michael Bordießer-Krauth / Pixabay (Symbolbild) ; Christian Lademann/dpa
Pächter verkauft kein Bier im Vereinsheim - fristlos gekündigt
Das Betreiberpaar Bayram (rechts) und Isabell Dalkilic will in ihrem neuen Lokal keinen Alkohol verkaufen - jetzt gibt es Ärger.
Pächter verkauft kein Bier im Vereinsheim - fristlos gekündigt
Christian Lademann/dpa

Weil sie keinen Alkohol verkaufen wollen, wurde ein Pächterpaar in einem Sportlerheim gekündigt. Jetzt haben sie das türkische Restaurant trotzdem eröffnet.

In Deutschland gehört das Feierabendbier für viele Menschen einfach dazu - besonders nach dem Sport im Vereinsheim. Doch was passiert, wenn die neuen Pächter einer Vereinsgaststätte keinen Alkohol ausschenken wollen? In Gießen ist genau dieser Fall eingetreten und sorgte für einen handfesten Streit zwischen einem Tennisclub und seinen neuen Gastronomen.

Das Ehepaar Bayram und Isabell Dalkilic wollte eigentlich bereits am Samstag  (9. Mai 2026) als neue Pächter der Vereinsgaststätte des Tennisclubs Rot-Weiß an der Licher Straße in Gießen erstmals regulär Gäste empfangen. Doch dann stand die Eröffnung auf der Kippe - der Verein hatte dem Paar fristlos gekündigt, wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtete. Nun gibt es Neuigkeiten. 

Update vom 02.06.2026: Alkoholfreies Vereinsheim hat eröffnet - nach der Kündigung 

Am Mittwoch (27. Mai) öffnete das „Gözleme Haus" von Bayram und Isabell Dalkilic erstmals seine Türen, wie die Gießener Allgemeine berichtet. Zahlreiche Unterstützer und treue Kunden ihres bisherigen Streetfood-Geschäfts seien zur Feier erschienen. Statt Bier hätten die Gäste kostenlose Çiğköfte probieren können - Bulgurhäppchen, die besonders an warmen Tagen beliebt seien. Auf der Speisekarte stünden verschiedene Gözleme-Variationen. Die gefüllten Teigfladen gebe es etwa mit Kartoffeln und Käse oder mit Hackfleisch und Paprika.

Die rechtliche Auseinandersetzung mit dem Tennisclub sei trotz der Eröffnung nicht beendet, so Bayram Dalkilic laut dem Bericht. Dennoch habe die Familie keine andere Wahl gehabt: Die laufenden Kosten zwängen sie zum Handeln. Der Verein hatte den Pachtvertrag noch vor dem Start des Lokals aufgelöst, weil er auf Bierausschank bestehe. Für die Dalkilics hänge an dem Streit weit mehr als nur ein Gastronomiebetrieb. Die fünfköpfige Familie lebe direkt über den Räumlichkeiten.

Zudem sei die Küche unverzichtbar für die Zubereitung der Speisen ihres mobilen Imbisswagens. Bayram Dalkilic rechne damit, dass der Konflikt vor Gericht entschieden werde, schreibt die Gießener Allgemeine. Neben dem Alkoholthema gehe es auch um einen Umbau ohne Genehmigung. Trotzdem bleibe er optimistisch.

Erstmeldung vom 19.05.2026: Sportverein kündigt Pächtern fristlos - weil sie keinen Alkohol ausschenken wollen 

Das Ehepaar soll demnach sowohl das Lokal aufgeben als auch die mit angemietete Wohnung räumen. Die Pächter und ihre drei Kinder wären dann ohne Obdach. "Wir können uns das nicht erklären", sagte Isabell Dalkilic der FAZ. In mehreren Gesprächen mit Vereinsvertretern hätten sie erklärt, keinen Alkohol verkaufen zu wollen. Das Gastronomen-Paar wolle bei seinem auf dem Gießener Wochenmarkt beliebten kulinarischen Konzept bleiben: Dort servieren die beiden ostanatolische Gerichte - und zu dieser Küche passe einfach kein Alkohol, so die Pächterin. Der Vorsitzende des Tennisclubs, Fred Ostermeyer betont laut FAZ  in den Gesprächen keinen Zweifel an der Erwartung der Wahlfreiheit zwischen Alkohol und alkoholfreien Getränken gelassen zu haben.

Er beruft sich zudem auf das Gewohnheitsrecht - Alkohol auszuschenken sei in Sportvereins-Gaststätten in Deutschland üblich. Im Pachtvertrag selbst sei allerdings kein Wort von der Pflicht zu lesen, Alkohol auszuschenken, heißt es im Bericht. Entgegen mancher Mutmaßung im Verein habe das Nein zum Alkohol nichts mit dem muslimischen Glauben der Pächter zu tun, betonte Dalkilic. Sie und ihr Mann wollten vielmehr einen Ort für Familien schaffen. Als Kompromiss könnte sich das Paar vorstellen, dass in einer Bude vor dem Lokal Bier und Wein ausgeschenkt werden könnten.

Den Verantwortlichen des Vereins genügt das jedoch nicht: "Es ist völlig ausgeschlossen, in einem Vereinsheim eines Sportvereins keinen Alkohol auszuschenken", heißt es in der Kündigung, wie die Welt berichtet. Eine Chance auf eine gütliche Einigung sieht der Vereinsvorsitzende nicht mehr. Der Streit könne mangels Präzedenzfalls bis zum Bundesgerichtshof gehen. Gleichzeitig bleibt Alkohol in Deutschland ein ernstes Problem. Viele Menschen in Bayern sind von Alkohol abhängig - ein besorgniserregender Trend. Auch deshalb fordern Ärzte radikale Maßnahmen beim Schnapsverkauf und wollen den Verkauf in Supermärkten einschränken.

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