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Ehedauer

Ehen in Deutschland: Wie lange halten sie wirklich - und wann scheitern die meisten?

Liegt die Ehescheidung im Trend? Das könnte man fast meinen, denn die durchschnittliche Dauer einer Ehe in Deutschland und Europa nimmt immer weiter ab. Wie viele letztendlich wirklich bis zum Tod halten, erfährst du hier.
Ehescheidungen im Trend: So lange halten Ehen in Europa
Ehescheidungen liegen europaweit im Trend. Auf welchem Platz Deutschland steht und wie lange deutsche Ehen durchschnittlich halten, verraten wir dir hier. Foto: unsplash.com/Kelly Sikkema

Bis dass der Tod euch scheidet, so heißt es im Eheversprechen...

Doch bei immer mehr Paaren wird die Ehe schon weit vor dem Tod wieder aufgelöst, denn Scheidungen scheinen in ganz Europa im Trend zu liegen.

So lange halten Ehen in Deutschland im Durchschnitt

In Deutschland ist in den letzten Jahrzehnten nicht nur die Anzahl an Ehescheidungen gestiegen, sondern es sind vor allem auch die Jahre, die eine Ehe vor der Auflösung hält, gesunken.

  • Scheidungen pro Jahr: Das Statistikportal Statista untersuchte die Anzahl der Ehescheidungen von 1990 bis 2020 und kam zu einer überraschenden Erkenntnis. In den letzten 30 Jahren ist die Anzahl der Ehescheidungen zwar deutlich angestiegen, in den letzten 17 Jahren der Untersuchung allerdings wieder gesunken. Der Höhepunkt der Scheidungen war 2003, in diesem Jahr wurden fast 215.000 Ehen aufgelöst. Im Jahr 2020 ist die Zahl der Ehescheidungen auf circa 144.000 gesunken.

  • Das Statistikportal untersuchte auch die Scheidungsquote in Deutschland und stellte fest, dass im Jahr 2020 rechnerisch mehr als ein Drittel aller Ehen geschieden wurde. Bei der Berechnung der Scheidungsrate wird die Anzahl der Eheschließungen mit der Zahl der Scheidungen in Relation gesetzt. 2005 war die Scheidungsquote so hoch, dass rechnerisch die Hälfte aller neuen Ehen geschieden wurde. Die Rate der Scheidungen betrug hier 51,92 Prozent. Seit diesem Höhepunkt ist die Quote allerdings wieder gesunken, im Jahr 2020 lag sie nur noch bei 38,52 Prozent.
  • Steigende Ehedauer: Neben einer sinkenden Scheidungsrate konnte die Statistikwebsite Statista auch eine steigende Ehedauer verzeichnet werden. Im Jahr 2020 wurden die meisten Ehen nach einer Dauer von 26 und mehr Jahren geschieden, besonders hoch war die Anzahl der Scheidungen allerdings auch in den ersten sieben Jahren der Ehen. Vom "verflixten siebten Jahr" kann allerdings keine Rede sein, denn im fünften und sechsten Jahr der Ehen war die Zahl der Eheauflösungen um einiges höher als im siebten Jahr. 

  • Durchschnittliche Dauer einer Ehe vor der Scheidung: Im Durchschnitt halten Ehen in Deutschland vor der Scheidung 14,7 Jahre. Seit 2009 ist somit die Dauer der Ehen ein wenig gestiegen, wie eine Statistik des Portals Statista ergibt.

  • Bis dass der Tod euch scheidet: Trotz der Statistiken zu Ehescheidungen, halten fast drei Viertel der Ehen in Deutschland immer noch bis zum Tod eines Ehepartners. Dies geht aus einer Statistik des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung hervor. 

Ehescheidungen: So steht Deutschland im europäischen Vergleich da

  • Deutschland im Mittelfeld der Ehescheidungen: Betrachtet man die Ehescheidungen in Deutschland im europäischen Vergleich, so kann man schnell feststellen, dass wir relativ in der Mitte liegen. Eine Statistik des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung platziert Deutschland mit den meisten westeuropäischen Ländern mit einer Scheidungshäufigkeit von 1,9 in der Mitte der europäischen Länder. Auch bei einer Untersuchung der Bundeszentrale für politische Bildung ergibt eine ähnliche Erkenntnis. Deutschland liegt hier mit 39,6 Scheidungen auf 100 Eheschließungen ebenfalls relativ mittig im europäischen Vergleich.

  • Ehescheidungen in Europa: Die Schere der Ehescheidungen geht in Europa sehr stark auseinander. In anderen westeuropäischen Ländern liegt die Zahl der Scheidungen nah am deutschen Wert, Spanien und Portugal verzeichnen beispielsweise 2,0 Scheidungen je 1000 Einwohner und Frankreich liegt mit 1,9 bei der gleichen Zahl wie Deutschland. Besonders hoch ist die Zahl der Scheidungen in der Ukraine, hier gibt es fast vier Scheidungen pro 1000 Einwohnern. Im Gegensatz dazu liegt die Scheidungsrate bei vielen anderen osteuropäischen Ländern sehr weit unten. Absoluter Tabellenletzter ist der Kosovo, hier gab es 2018 nur 0,6 Scheidungen pro 1000 Einwohnern.
  • Ehen in Europa: Ein Grund für die leicht sinkenden Zahlen der Ehescheidung in Europa könnte vor allem die Minderung der Eheschließungen sein. In den meisten europäischen Ländern hat sich die Zahl der Eheschließungen von 1970 bis 2016 drastisch reduziert, wie die Bundeszentrale für politische Bildung berichtet. In Portugal ist die Eheschließungsziffer um fast zwei Drittel in diesem Zeitraum gesunken. In den Niederlanden, Slowenien, Italien und Luxemburg hat sich die Zahl mindestens halbiert, während sie in Deutschland um fast ein Drittel sank. 

Die steigenden Ehescheidungen in den vergangenen Jahrzehnten bringen einige essenzielle Fragen mit sich, vor allem die Finanzierung nach der Scheidung und der Sinn einer Eherettung sind immer wieder ein großes Thema.