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Warum traut sich kaum jemand, E10 zu tanken?

Eigentlich müsste angesichts der hohen Spritpreise jeder E10 tanken - immerhin ist der "Bio-Kraftstoff" bis zu 8 Cent billiger, als E5-Kraftstoffe. Dennoch trauen die deutschen Autofahrer dem Braten nicht. Woran liegt das?
Trotz hoher Spritpreise: E10 wird wenig genutzt
Deutsche Autofahrer stehen E10 weiterhin skeptisch gegenüber. Woran liegt das - und sind die Sorgen gerechtfertigt? Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa

Aufgrund des Ukraine-Krieges sind die Spritpreise in Deutschland in ungeahnte Höhen gestiegen. Und auch wenn sich die Preise zuletzt etwas stabilisiert hatten, die Betreiber schlagen bereits wieder Alarm: Kommt das Ölembargo, könnten die Benzin- und Dieselpreise nochmals massiv steigen.  

Kein Wunder also, dass die Deutschen alles tun, um den Spritverbrauch zu senken und Geld beim Tanken zu sparen. Oder? Ganz so einfach ist dies scheinbar nicht. Denn noch immer wird ein erhebliches Sparpotenzial von den Autofahrer*innen gemieden: E10. Warum ist das so?

Vorurteile gegen E10: Warum meiden deutsche Autofahrer den Kraftstoff?

Bei E10 darf dem Benzin bis zu 10 Prozent aus Pflanzen gewonnenes Ethanol beigemischt werden. Bei herkömmlichen Benzinarten sind maximal 5 Prozent erlaubt. Nun machen 5 Prozent den Kraftstoff weder zu einem reinem "Bio-Kraftstoff", noch zu einem völlig neuen Produkt - trotzdem sind viele Autofahrer*innen auch über 10 Jahre nach Einführung von E10 noch immer verunsichert: Kann man wirklich E10 tanken - oder schadet das dem Auto?

Nur 14 Prozent der Menschen hatten laut ADAC im März 2022 E10 getankt. Über 50 Prozent der Befragten gab in einer von dem Autoclub in Auftrag gegebenen Umfrage an, dass sie technische Bedenken hätten und deswegen nicht zu E10 greifen würden. Dabei sei diese Sorge überhaupt nicht gerechtfertigt: Alle Fahrzeuge, die nach November 2010 gebaut wurden, vertragen E10 ohne Probleme. Auch die allermeisten älteren Modelle würden den Kraftstoff vertragen, so der ADAC. Für ältere Modelle gibt es bei der Deutschen Automobil Treuhand GmbH oder beim europäischen Automobilherstellerverband ACEA Informationen.

Neben diesen technischen Bedenken gaben die Befragten außerdem an, dass sich unsicher seien, welche Vor- und Nachteile E10 mit sich bringe (21 Prozent). Als weitere Gründe, auf E10 zu verzichten, wurden genannt:

  • Sorge um höhere Kosten (18%)
  • Aus Gewohnheit (17%)
  • Umwelt-/Klimaschutz-Bedenken (14%)
  • Anderer Grund (8%)
  • Meine Tankstelle hat kein E10 (4%)
  • Keine Angabe (4%)

Laut ADAC seien es also hartnäckige Vorurteile, die dem Erfolg von E10 in Deutschland entgegenstünden. Denn auch wenn der Wirkungsgrad von E10 tatsächlich bis zu einem Prozent schlechter sein könne, wie bei herkömmlichen E5-Kraftstoffen, seien die Ersparnisse immer noch deutlich höher, als die Verluste: Vielfahrer können so leicht mehr als 50 Euro pro Jahr sparen. 

Auch umwelttechnisch sei E10 sinnvoll: Denn da die zur Ethanol-Herstellung eingesetzten Pflanzen der Atmosphäre zunächst CO2 entzogen hätten, ist der Bio-Anteil CO2-neutral. Ebenso seien die Vorwürfe, für  Bio-Kraftstoffe würden landwirtschaftliche Flächen blockiert, angesichts des geringen Umfangs nicht haltbar. Nur zwei Prozent der Ackerfläche in Deutschland werde derzeit für den Straßenverkehr verwendet.