• Dramatischen Veränderungen in der Energiebranche
  • Möglichkeiten, durch PV zu sparen
  • PV und die Klimakatastrophe
  • Auswirkungen der veränderten Weltpolitik und Lieferketten auf Modulhersteller am Standort Deutschland 
  • Gründe für die Beliebtheit von PV

Der Markt im Bereich Photovoltaik (PV) boomt. Das merken auch die Solar- und Energietechnikfirmen in der Region. Wer jetzt bei iKratos bestellt, wartet ein Jahr darauf, eine PV-Anlage aufs Dach installiert zu bekommen. inFranken.de interviewt den Firmenchef, Willi Harhammer, aus Weißenohe.

Frage inFranken.de: Gibt es nach den dramatischen Veränderungen in der Energiebranche einen Boom bei PV?

Willi Harhammer: "Um die Solarenergie war es in letzten Jahren ja ziemlich ruhig, der Markt war politisch ausgebremst. Jetzt gibt es deutlich mehr Aufwind. Es sind mehrere Faktoren, die den PV-Markt verändert haben: Die neue Regierung hat sich im Bereich CO2-Reduzierung einiges vorgenommen, die Inflation treibt die Energiepreise und der Krieg in der Ukraine sorgt auf breiter Linie für Verunsicherung. Viele haben erkannt, wie verletzlich der Energiemarkt ist, sie wollen sich absichern und setzen deshalb auf eigenen Strom – also auf PV."

Hält der Boom länger vor?

"Ich vermutete, dass es wieder eine Abschwächung gibt, wenn die Preise fallen. Beim Heizöl liegen wir jetzt bei 1,20 Euro pro Liter. Da sehen Ölheizungsbesitzer entspanntere Zeiten aufziehen. Bei zwei Euro war die Unruhe deutlich größer."

Also fallen die Energiepreise wieder?

"Sie schwanken, aber das niedrige Niveau, wie vor dem Ukraine-Krieg, das wird es nicht mehr geben. Fast alle Experten gehen nicht davon aus, dass wir auf das alte Preisniveau zurückkehren. Und wenn wir in Deutschland etwas strategischer denken und handeln, denn bleibt der Markt für regenerative Energien stabil. Die Preise für fossile Energien bleiben auf hohem Niveau, dafür wird der Staat schon sorgen. Denken Sie an die CO2-Abgabe, die kontinuierlich steigt. Der Fokus auf Energie war noch nie so stark wie heute."

Was für eine Steigerungsrate bei Nachfrage und Aufträgen erwarten Sie in diesem Jahr für ihre Firma?

"Wir haben am Tag jetzt bis zu 100 Anfragen im Zusammenhang mit PV oder Wärmepumpen, früher waren es 10 bis 15. Jetzt nutzen wir Online-Formulare, um festzustellen, wer wirklich interessiert ist. Wir mussten diese Schranke einbauen, damit wir überhaupt zeitlich zurechtkommen."

Wie lange dauert es aktuell, bis ihre Firma eine Anlage installiert?

"Immer Moment haben wir eine Lieferzeit von ca. 12 Monaten: Ein Jahr müssen unsere Kunden auf die PV-Anlage warten."

Was kann der Kunde bei der Nutzung von PV sparen?

"Unsere Anlagen amortisieren sich innerhalb von 10 Jahren. In diesem Zeitraum liefert die PV mit einem Speicher bis zu 80 Prozent des verbrauchten Stroms."

Ist PV die Antwort auf die Klimakatastrophe?

"Ja, sicher."

Warum sind Sie da so sicher?

"Wir haben sehr viel ungenutzten Raum in Bayern: Fassadenverkleidungen, Straßenstreifen an den Autobahnen, Lärmschutzwälle, Dächer von gewerblich genutzten Gebäuden, Agri-Photovoltaik – es ist der Wahnsinn, wie viele freie Flächen wir noch haben. Wenn man schaut, dann sind die meisten Dächer immer noch rot. Mittlerweile könnten wir PV auch auf den Nord-Süd-West-Ost-Lagen der Dächer sinnvoll unterbringen. Mit PV bestückt haben wir maximal in Bayern 5 bis 10 Prozent der möglichen Flächen. Wir brauchen eine neue Infrastruktur, aber dann könnte Deutschland unabhängig von fossilen Energieträgern sein. Und wir müssen umdenken: Mit Energie verschwenderisch umgehen, das sollten wir alle einstellen. Wir brauchen eine gerechtere Bewertung von Energie."

Geht das Energie-Osterpaket von Wirtschaftsminister Robert Habeck für den Bereich PV in die richtige Richtung?

"Die Verkündung hat bei uns keine Wellen geschlagen, aber die Ansage, dass die Politik im Energiebereich Änderungen will, stimmt mich positiv. Klar, die Preise für die Stromeinspeisung bleiben bescheiden. Den meisten unserer Kunden geht es aber nicht darum, sie wollen mit dem eigenen Strom ihre Energiekosten senken."

Können Sie ihre Solarmodule auf dem Weltmarkt problemlos beschaffen?

"Wir arbeiten mit Modulen, die eine Firma aus den USA vertreibt und die produziert in mehreren Ländern - unter anderem in Asien und Europa. Das klappt problemlos."

Bekommen Modulhersteller am Standort Deutschland durch die Veränderungen in der Weltpolitik und der Lieferketten eine neue Chance?

"Standort Deutschland hat die Modulherstellung in der Vergangenheit verschlafen und vermanagt, jetzt könnte es eine Renaissance geben. Die Herstellung ist hoch automatisiert, Arbeitslöhne sind nicht mehr der zentrale Kostenfaktor. Hersteller in Deutschland müssen die Teile-Logistik stabil hinbekommen, vor allem bei den Wafern. Und wir brauchen bessere Rahmenbedingungen, die die Wirtschaftspolitik setzen müsste."

Gibt es genügend Fachkräfte in Bayern, die die Module montieren können?

"Wir haben rund 50 Mitarbeiter im Einsatz, wenn wir uns erweitern sollten, könnten wir das notwendige Personal an Monteuren auch rekrutieren. Wir sind eine bunt gemischte Belegschaft, was die Nationalitäten angeht. Hinzu kommen derzeit zwei Auszubildende, die den Beruf Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik erlernen, vielleicht können wir diese Zahl noch steigern."

Sind Unternehmen bei PV weiterhin zurückhaltend?

"Wir haben erst vor kurzem zwei große Firmen mit PV ausgestattet. Anstatt bislang 50.000 Euro im Monat Energiekosten sollten die auf einmal 120.000 Euro bezahlen. Die sind natürlich angesichts der Energiepreise heilfroh, dass sie jetzt mit PV den eigenen Strom erzeugen. Ich denke, wenn am Ende dieses Jahres in den Firmen die Bilanz bei den Energiekosten gezogen wird, dann kommen viele ins Grübeln. Die Energieversorger mit ihrer Bürokratie, das ist ein Problem, das die Betriebe abschreckt, hier müssen wir besser werden. Und die Attraktivität des Betriebs kann man mit PV steigern: Wenn viele Beschäftigte mit dem E-Auto in die Firma fahren, dann lohnen sich Carports mit Wallboxen."

War das gerade ausgelaufene 10.000-Dächer-Speicher-Programm Bayern ein echtes Highlight?

"Das war ein gutes Programm, das Bayern fortsetzen sollte. Der deutsche Verbraucher hat gerne Anreize, das stimuliert ihn, auch wenn die Zuschüsse nicht unbedingt üppig ausfallen."

Warum ist PV bei den Bayern so beliebt?

"Wir haben mehr Sonnenstunden als andere Bundesländer. Dafür gibt es im Norden mehr Wind. Wir sind halt näher an Italien und das macht sich vielfältig bemerkbar."

Kann man die Energiekrise mit PV wirklich in den Griff bekommen?

"Bei der Solartechnik bin ich sehr zuversichtlich, ich glaube an die ‚totale Zukunft‘ dieses Ansatzes. PV, Speicher und Wärmepumpen schaffen in Deutschland eine ‚grüne Zukunft‘. Dann sind wir weitgehend unabhängig von fossilen Energieträgern und genau das brauchen wir." 

Wer ist Willi Harhammer?

Willi Harhammer ist Geschäftsführer (wie er sagt, der ‚Leitwolf‘) der Firma iKratos Solar- und Energietechnik GmbH in Weißenohe in Franken. Er hat seinen Elektro- und Heizungs-Meister bei der Handwerkskammer gemacht und vor 20 Jahren den Betrieb aus dem Nichts gegründet. Erste Berufserfahrungen sammelte er in einem mittelständischen Unternehmen als Betriebsleiter, das Tankstellentechnik produzierte. Wenn er nicht über PV, Speicher und Wärmespeicher nachdenkt, fährt er gerne Mountainbike und schwingt das Tanzbein. Und er sagt: „Ich lebe einfach gerne.“