Das erste Raunen enfuhr den knapp 11 000 Zuschauern eine halbe Stunde vor dem Anpfiff. Dirk Nowitzki war am Ball, aufwärmen. Ein Pass von Stefan Kießling, halbhoch, nicht scharf geschossen. Nowitzki hielt den rechten Fuß hin, wollte zurückspielen, aber das klappte nicht. Er schaufelte eher, hob den Ball in die Luft, vielleicht 15, 20 Meter in die komplett andere Richtung. Deutschlands berühmtester Basketballer schaute dem Ball hinterher, nahm die Hände vors Gesicht, als wollte er sich verstecken.

Spätestens jetzt war jedem im Stadion am Würzburger Dallenberg klar, dass es an diesem Sonntag nicht um Fußball gehen wird.

Dirk Nowitzki ist das, was Marketingmenschen ein Zugpferd nennen. Ihn kennen die Leute, wenn er kommt, kommen sie auch. Nowitzki weiß das, er setzt das ein. Der 35-Jährige hat eine Stiftung mit der er benachteiligten Menschen hilft. Und er hat einen Kumpel, Manuel Neuer, den Torwart des FC Bayern München. Den kennen auch alle und der hat auch eine Stiftung, die Kids Foundation. Es soll da einen Anruf gegeben haben, sagt Bernhard Schmittenbecher, der das Benefizspiel in Würzburg mitorganisierte. Von Nowitzki an Neuer. "Und weil Dirk das in seiner Heimatgemeinde machen wollte, spielen die jetzt in Würzburg", sagt Schmittenbecher.
Schon Stunden vor dem Spiel drängen sich die Zuschauer ins Stadion. 10 800, so viele wie noch nie zuvor.

Dirk Nowitzki sagt: "Wir wollen benachteiligte Kinder über den Sport an die Gesellschaft heranführen."


Deshalb die Stiftung. Deshalb das Spiel. Er selbst läuft vorne rechts auf. Der erste Übersteiger sieht abenteuerlich aus, der erste Pass geht zum Gegner. Aber das ist egal. Nowitzki grinst. Die Zuschauer lachen.
Einer der in der Nowitzki Mannschaft mitspielt, ist Christoph Henneberger. Henneberger sieht ein bisschen aus wie Hasan Salihamidzic, ein Schlitzohr und ehemaliger Bayernspieler. In Würzburg hat Henneberger den gleichen Spitznamen wie der Ex-Bayern-Kicker: Brazzo. Vielleicht kam die Nowitzki-Schwester Silke deshalb auf die Idee, Henneberger anzurufen. Im Januar war das. Christoph Henneberger sagt: "Ich habe keine Sekunde gezögert und Ja gesagt." Was er auf dem Platz abliefert sei dann auch ganz ok gewesen. Den Basketballer konnte er trotzdem nie ganz verheimlichen.

So wie auch Steffen Hamann. Der Bayern-Basketballer spielte auf der Seite von Manuel Neuer.

Defensiv. Im Basketball ist das eine seiner Stärken. Im Fußball war das sein Verhängnis. Gegen Lukas Podolski war Hamann nur unwesentlich langsamer, als Podolski am Sechzehner abstoppte, stand da auch Steffen Hamann. Beine leicht gespreizt, Hintern tief, Handflächen nach außen. So verteidigt man. Im Basketball. Und im Fußball? Statt mit dem Fuß zu klären, schnellte Hamanns Hand nach außen, fing den Ball. Elfmeter.
Am Ende war das egal. 8:7 siegte Manuel Neuer mit seiner Mannschaft gegen Dirk Nowitzki. "Wir vertreten die selben Interessen und wollen sozial benachteiligten Kindern helfen", sagte Manuel Neuer nach dem Spiel. In Würzburg kam das an.