Premiere ohne Blitzlicht und Glamour: Lässig ist es zugegangen bei der Premiere des neuen Franken-Tatort "Das Recht, sich zu sorgen" am Montagabend in Würzburg. Die Tatort-Crew hatte Studenten, Professoren und Darsteller zum fränkischen Kinoabend in den Hörsaal der Anatomie geladen. Insgesamt 400 Gäste bekamen die Gelegenheit, den Film vorab zu sehen. Im Fernsehen kommt der zweite Fall aus Franken am 22. Mai in der ARD.


Drei Fälle in zwei Städten

In der Knochensammlung des Instituts für Anatomie stößt der Doktorand Philip (Nils Strunk) auf einen Schädel. Der passt dummerweise nicht zum restlichen Skelett. Der Schädel ist deutlich jünger als dies in den Leichenpapieren notiert ist. Plötzlich steht die Universität Würzburg im Fokus der Ermittlungen der Kommissare aus Franken.

Im zweiten Fall haben es die fränkischen Kommissare Felix Voss (Fabian Hinrichs) und Paula Ringelhahn (Dagmar Manzel) gleich mit drei Fällen zu tun. Der erste spielt rund um ein Gasthaus in einem kleinen Dorf vor den Toren Nürnbergs. Die zweite Leiche liegt direkt vor dem Polizeipräsidium in Nürnberg. Der dritte Fall spielt in den Räumlichkeiten der Anatomie in Würzburg. Alle drei Fälle handeln von der Sehnsucht nach dem Gegenteil von Einsamkeit. Ein fast perfektes Verbrechen steht in "Das Recht, sich zu sorgen" im Mittelpunkt.

Die preisgekrönte Produzentin Uli Putz freut sich besonders auf die neuen Schauplätze wie die malerische Landschaft in und um Würzburg. Nicht zuletzt habe die Aura der altehrwürdigen Anatomie zur Anmutung des Films beitragen. Die fränkischen Zuschauer dürften laut Putz zurecht eine realitätsnahe Darstellung ihrer Lebenswelt erwarten. Besonderes Augenmerk gelte hier der Sprache und den Drehorten. "Allerdings ist Film Fiktion", warnt Putz. Deshalb würde die Auswahl der Motive oftmals erzählerischen Notwendigkeiten untergeordnet. "Dennoch bemühen wir uns sehr, dem Anspruch an eine authentische Wirkung so gut wie möglich gerecht zu werden, auch wenn wir wie in jedem Film eine neue Welt erschaffen."

Die Begeisterung der Franken für "ihren" Tatort ist groß. Innerhalb von zwei Wochen hatten sich bereits über 2.5000 potenzielle Komparsen bei den Filmleuten gemeldet. Diese Begeisterung sei laut BR-Redakteurin Stephanie Heckner auch eine Verpflichtung für das gesamte Filmteam. "Nach dem erfolgreichen Einstieg des Franken-Tatort mit ,Der Himmel ist ein Platz auf Erden' war es nicht gerade leicht, einen Film zu machen, der gleichermaßen mutig und eigenwillig ist und dabei die Figuren aus dem ersten Film achtsam an die Hand nimmt und weiterführt", findet Heckner, die schon vor der Ausstrahlung das "außergewöhnlich gute" Drehbuch von Beate Langmaack und die "hochpräzise und dabei immer unangestrengte Regie" von Andreas Senn gelobt hat.


Erste Eindrücke

Der Bayerische Rundfunk (BR) und die Uni hatten vor allem Institutsmitarbeiter, Schauspieler und Statisten eingeladen, dazu Ehrengäste aus der Politik wie Würzburgs Oberbürgermeister Christian Schuchardt, Landtagspräsidentin Barbara Stamm (CSU) und die Landtagsabgeordnete Claudia Stamm (Grüne). "Schauspielerisch sehr, sehr stark", waren sich Mutter und Tochter Stamm einig, "nur etwas mehr Würzburg hätte es sein dürfen." OB Schuchardt gab sich da bescheidener: "Ich habe viele Ecken in der Stadt erkannt. Das Zusammenspiel zwischen Nürnberg und Würzburg hat prima gepasst, auch beim Dialekt."

"Die Kommissare sind so angenehm normal", begeisterte sich Barbara Stamm für die Auftritte der Hauptdarsteller. "Endlich mal wieder ein ,Tatort" ohne Gewalt und Klamauk", freute sich Rhön-Grabfeld-Landrat Thomas Habermann. Die Vizepräsidentin der Universität Würzburg lobt einen gewissen Tiefgang: "Dieser Film ist so gehaltvoll, da denkt man noch lange darüber nach."

Mit Anatomie-Professor Süleyman Ergün ist auch der wissenschaftliche Hausherr des Instituts zur Premiere erschienen. Ergün hat die Tatort-MacherProduzenten intensiv beraten. Trotzdem habe es ihn überrascht, so der Anatomie-Professor, wie "fachlich-inhaltlich genau und pietätvoll" Regisseur Andreas Senn und sein Team etwa mit dem Thema Körperspende umgehen. In einer Szene hält Kommissarin Ringelhahn ein Herz in der Hand und philosophiert über den Tod und das Leben. In dem Film ist der Anatomie-Professor übrigens eine Frau. Mit Sibylle Canonica übernimmt eine bekannte Schauspielerin die Rolle.

Vielleicht konnte sie auch so viel lernen wie Jan Krauter, der den Präparator Lando Amtmann spielt. Krauter freute sich anlässlich der Vorpremiere über das Wiedersehen mit Maike Veyl-Wiechmann. Die Anatomin habe ihm lateinischen Namen und die Reihenfolge der diversen Fußknochen genau erläutert, so dass er sie im "Tatort" einem kleinen Kind erklären konnte. Ein Wissen, das bleibt. Krauter lachte: "Ich könnte heute noch eine Orthopädie-Praxis eröffnen."

Muss er aber wohl nicht, wenn die zweite Folge ähnlich erfolgreich läuft wie der erste Franken-Tatort: 12,1 Millionen Zuschauer sahen sie vor einem Jahr. Der Tatort "Das Recht, sich zu sorgen" wird am Sonntag, 22. Mai, um 20.15 Uhr im Ersten gezeigt.

Von Nikolas Pelke & Michael Czygan