Rotmilan im fränkischen Seenland vergiftet: LBV warnt - Toxikum auch für Menschen "besonders gefährlich"

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Rotmilan im Kreis Weißenburg-Gunzenhausen vergiftet
Der mit Gift präparierte Ködervogel: Eine lila Färbung und Granulatkügelchen sind ein Hinweis auf das illegale Gift Carbofuran.
Rotmilan im Kreis Weißenburg-Gunzenhausen vergiftet
Heidi Seiß/LBV
Rotmilan im Kreis Weißenburg-Gunzenhausen vergiftet
Sebastian Amler, Vorsitzende des LBV Weißenburg-Gunzenhausen, hält den toten Rotmilan in den Händen.
Rotmilan im Kreis Weißenburg-Gunzenhausen vergiftet
Heidi Seiß/LBV

Noch steht das Ergebnis der toxikologischen Untersuchung des toten Rotmilans aus, der am vergangenen Wochenende nördlich des Brombachsees gefunden wurde. Der LBV ist sich allerdings sicher: Das Tier wurde vergiftet. Das wäre nicht der erste Fall dieser Art in Franken.

Die Fälle von Naturschutzkriminalität in Bayern reißen nicht ab: Am Wochenende (26./27. August 2023) wurde ehrenamtlichen Mitarbeitern des bayerischen Naturschutzverbands Landesbund für Vogel- und Naturschutz (LBV) ein toter Rotmilan im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen gemeldet, heißt es in einer Pressemitteilung. "In der Nähe des toten Greifvogels haben wir einen potenziellen Giftköder gefunden. Deshalb gehen wir von einer Vergiftung aus“, so Sebastian Amler, Vorsitzender der LBV-Kreisgruppe vor Ort.

Bei einer anschließenden Suchaktion gemeinsam mit dem Jagdverein Gunzenhausen und Bürgern konnten keine weiteren Giftköder in der Nähe gefunden werden. Dennoch rufen der LBV und die Louisoder Umweltstiftung (GLUS) zur eigenen Sicherheit und zur erhöhten Vorsicht bei Spaziergängern und Hundehaltern in der Gegend auf. Ein Einzelfall ist das nicht. Das zeigt der Fall eines toten Habichts, den ein Wanderer im Februar 2023 in Coburg gefunden hat. Nach einer langen toxikologischen Untersuchung steht nun fest, dass auch dieser Vogel vergiftet wurde. 

Rotmilan im fränkischen Seenland vergiftet - LBV warnt vor Toxikum im Kreis Weißenburg-Gunzenhausen

Einheimische hatten den toten Rotmilan am Samstag (26. August 2023) unweit des Dorfes Kalbensteinberg nördlich des Brombachsees gefunden. Schon nach kurzer Zeit erhärtete sich der Verdacht einer Vergiftung als mögliche Todesursache. "Der tote Vogel zeigte typische Auffälligkeiten: Er hatte keine äußerlichen Verletzungen, aber verkrampfte Beine und offene Augen. Deshalb verständigten wir unmittelbar die Polizei. Die illegale Tötung geschützter Vogelarten ist eine Straftat“, so Amler.

In der Nähe des toten Vogels fanden die Polizei und die Ehrenamtlichen neben einer toten Katze auch den mutmaßlichen Giftköder. Dabei handelte es sich um einen Kleinvogel, der nur etwa 30 Zentimeter vom Milan entfernt lag und bei dem eine lila Färbung und Granulatkügelchen festgestellt wurden. Laut LBV ist dies ein Indiz für den Einsatz des illegalen Kontaktgifts Carbofuran. "Das in der EU verbotene Insektizid Carbofuran konnte in der Vergangenheit schon häufig bei toten Greifvögeln als Todesursache nachgewiesen werden. Es ist besonders gefährlich, weil es bereits bei Hautkontakt wirkt und auch in geringen Dosen zu Krämpfen führen kann“, erklärt Dr. Andreas von Lindeiner, LBV-Landesfachbeauftragter für Naturschutz.

Deshalb starteten der LBV und der Jagdverein Gunzenhausen am Wochenende eine Suchaktion nach weiteren Giftködern – bisher ohne weitere Funde. "Trotzdem appellieren wir an alle Bürgerinnen und Bürger im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen zu deren eigener Sicherheit: Lassen Sie Kinder unter keinen Umständen herumliegende tote Tiere oder anderes Verdächtiges anfassen und nehmen Sie Ihre Hunde unbedingt an die Leine“, warnt Sebastian Amler.

Rotmilan wohl mit Kontaktgift Carbofuran getötet 

Eine pathologische und daran anschließende toxikologische Untersuchung des toten Rotmilans sowie der ebenfalls tot aufgefundenen Katze und des mutmaßlichen Giftköders
wurde in Auftrag gegeben und soll endgültige Gewissheit über die Todesursache der Tiere geben. Allerdings seien die Hinweise auf eine absichtliche Vergiftung in diesem Fall so eindeutig, dass der LBV umgehend Strafanzeige erstattete.

"Bayerweit erreichen uns immer wieder Fälle illegal getöteter Wildtiere. Die Aufklärung dieser Taten ist schwierig, deshalb hoffen wir auf Hinweise aus der Bevölkerung“, sagt der GLUS-Vorsitzende, Claus Obermeier. "Spaziergänger, die einen toten Greifvogel, Eule, Storch und Reiher oder Fleischreste, Eier oder Geflügelteile auf einer Wiese oder im Feld finden, sollten dies online unter www.tatort-natur.de melden.“

Hinweise zur Aufklärung des aktuellen Falls im fränkischen Seenland nehmen die Polizei in Gunzenhausen unter der Telefonnummer 09831/68880 sowie der LBV unter weissenburg@lbv.de an.