Normalerweise ist der Juni ein guter Monat für Bildungspolitiker. Im Juni schreiben die Bayern ihr Abitur, dann schwärmen die Politiker. Vom guten Notendurchschnitt, 2,32. Von 97 Prozent der Abiturienten, die die Prüfung bestanden haben. Davon, dass "die bayerischen Schülerinnen und Schüler im Vergleich zu den Absolventen der anderen deutschen Ländern wieder klar mit an der Spitze liegen". So teilte das Kultusminister Ludwig Spaenle vergangenen Freitag mit. Und dann kam Schweinfurt. Dort fiel an einer Privatschule eine ganze Klasse durch die Abi-Prüfung.

Steht jetzt das private Schulsystem in Frage?

So pauschal will Max Schmidt die Frage nicht gelten lassen. Schmidt ist der Vorsitzende des Bayerischen Philologenverbands. "Privatschulen haben ihre Berechtigung", sagt er. Wenn sie leisten, womit sich staatliche Schulen schwer tun: intensive Betreuung, in Förderschulen oder bei Behinderteneinrichtungen. Viele dieser Schulen hätten ethische Grundsätze und hohe Qualitätsstandards. Dann schiebt er das "Aber" nach. Das "Aber" sind die Schulen, die aus finanziellem Interesse heraus existieren. Ein geringer Prozentsatz, sagt er.

"Aber wenn die Schulen einmal genehmigt sind, dann schaut der Staat nur noch am Ende bei den Prüfungen hin."


In Schweinfurt war das zu spät: Von den 27 Schülern, die an der privaten Fachoberschule ihr Fachabitur ablegen wollten, scheiterten in den schriftlichen Prüfungen alle Schüler. Für eine Stellungnahme ist dort am Dienstag niemand zu erreichen. Schulleitung und Geschäftsführung haben eine kurze Erklärung online gestellt. Darin heißt es: Unterricht und Prüfungsvorbereitung seien entsprechend dem Lehrplan ausgearbeitet worden. Die Schüler hätten im Unterricht den Eindruck erweckt, sie kämen dem geforderten eigenverantwortlichen Lernen nach. Und: "Für die Schulleitung sowie die Lehrerschaft ist es derzeit nicht nachvollziehbar, aus welchen Gründen die Leistungen der Schüler drastisch abfielen."

Aus dem Kultusministerium heißt es: "Die 27 Schüler sind sicher nicht allein Schuld."

Sprecher Ludwig Unger sagt, der Schulleiter habe Defizite bereits eingeräumt. Für die Schüler kommt das zu spät, die meisten lassen sich von einer Anwältin vertreten und bemängeln, sie seien schlecht auf die Prüfungen vorbereitet worden. Hätte das auffallen müssen? Ministeriumssprecher Unger sagt, das Maß von Einfluss und Kontrolle auf private Schulen sei begrenzt. "Es ist nicht so, dass eine Privatschule ans Gängelband gelegt werden kann." Prüfungen finden statt - vorher: Neue Schulen müssen ihr pädagogisches Konzept vorlegen, die Qualifikation der Lehrkräfte nachweisen und Räume und Liquidität belegen. Dann kann der Unterricht beginnen. Der nächste Test: die Abiturprüfungen. Aber das ist zu spät, finden Lehrerverband und bayerische Eltern.

Max Schmidt sagt: "Das Kultusministerium muss auch während der Schulzeit genauer hinschauen."


Durch Evaluierungen zum Beispiel, wie sie an staatlichen Schulen üblich sind. Eine Art Schul-Tüv. Ursula Walther, die Sprecherin der Bayerischen Elternverbands, fordert das ebenfalls: "Aus Elternsicht wäre es gut zu wissen, dass bei Schulen die Qualität geprüft ist, um nicht damit rechnen zu müssen, dass das Kind am Ende ohne Abschluss dasteht."

In Schweinfurt hat die Überprüfung am Dienstag begonnen: Der Ministerialbeauftragte traf sich mit Schulleitung und Lehrern. Noch liefen mündliche Prüfungen der durchgefallenen Schüler, danach soll der ganze Vorgang aufgerollt werden. "Theoretisch könnte die staatliche Genehmigung entzogen werden, als ultima ratio", sagt Ministeriumssprecher Ludwig Unger.

Für die 27 Schüler kommt das zu spät: Sie sollen auf staatliche Fachoberschulen wechseln können, wenn sie eine Feststellungsprüfung bestehen. Der Sprecher sagt: "Die Schüler sollen eine Perspektive kriegen."

Bayerns Privatschulen
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Unter den 4600 allgemeinbildenden Schulen in Bayern sind 587 Privatschulen. Im Schuljahr 2011/2012 besuchten 153 262 bayerische Schüler eine Privatschule, das entspricht etwa 11,5 Prozent.

Genehmigt oder anerkannt:
Eine neu gegründete Privatschule ist zunächst staatlich genehmigt. Das heißt, die Schüler müssen ihre Abschlussprüfungen an staatlichen Schulen schreiben. Erst wenn bei zwei Jahrgängen hintereinander mindestens zwei Drittel der Schüler erfolgreich ihren Abschluss machten, bekommt die Schule den Status "staatlich anerkannt". Erst danach werden zum Beispiel Abiturprüfungen vor Ort geschrieben, aber zentral gestellt.

Geld und Grundgesetz:
Das Grundgesetz regelt Schule in Artikel 7. Dort heißt es: Das Recht zur Errichtung von privaten Schulen wird gewährleistet. Der Freistaat fördert private Schulen jährlich mit 930 Millionen Euro.