Auch fränkische Stadt dabei: Bayerns Polizei testet Taser auf Streife

1 Min
Taser
Taser statt Pistole? Die bayerische Polizei will das nun auch für den Einsatz auf Streife testen. (Symbolbild)
Taser
Rolf Vennenbernd/dpa

Erstmals testen bayerische Polizeibeamte den Einsatz sogenannter Taser im Streifendienst. Unter den bayernweit drei Polizeiinspektionen, die beim Test mitmachen, ist auch eine aus Unterfranken.

Bayerns Polizistinnen und Polizisten sollen bei einem Pilotprojekt den Einsatz von Tasern im Streifendienst erproben. Damit solle den Beamten ein "möglichst schonendes und wirksames Einsatzmittel" zur Verfügung gestellt werden, teilte das Innenministerium mit. Ab Montag (8. Juni 2026) können Beamte der Polizeiinspektionen Schweinfurt, Regensburg Süd und Augsburg Mitte die Elektroschocker erstmals mit auf Streife nehmen. 

Der Taser-Einsatz bei der Polizei ist nicht ganz neu, sorgt aber immer wieder für Debatten. In Bayern wird die Waffe bereits seit 2006 von Spezialeinheiten genutzt und seit 2021 bei geschlossenen Einheiten wie dem bayerischen Unterstützungskommando. So unter anderem bei einem Einsatz in Bayreuth Anfang April, als ein Mann Polizisten mit einem Messer bedrohte.

Kritiker zweifeln an der Wirkung von Taser-Einsatz

Die Deutsche Polizeigewerkschaft hatte den Einsatz der Elektroschockgeräte wiederholt gefordert. Auch Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) befürwortet die Verwendung, etwa bei der Bundespolizei. "Der Taser ist das richtige Einsatzgerät, um genau an der Schnittstelle zwischen Schlagstock als Nahwaffe und der Pistole als Fernwaffe zu wirken", sagte Dobrindt im vergangenen Jahr.

Kritiker zweifeln jedoch an der Wirkung der Waffe, etwa, wenn der Abstand zum Angreifer zu groß ist oder wenn der Angreifer dicke Kleidung trägt.

Bisherige Gutachten zu den Tasern zeigen, dass zumindest Beamte den Einsatz von Tasern begrüßen. So wurden etwa von der Hochschule der Polizei Nordrhein-Westfalen und von der Berlin School of Economics and Law Untersuchungen durchgeführt. Auch die präventive und deeskalierende Wirkung des Tasers – auch als Distanz-Elektroimpulsgeräte (DEIG) bezeichnet – sahen Gutachter bestätigt. 

Gutachten sieht Gefahr von Willkür beim Taser-Einsatz

Die Wissenschaftler beobachteten aber auch: Die Hemmschwelle, den Taser zu nutzen, sei niedriger als bei einer Schusswaffe. "Bedenklich ist allerdings, dass etwa jede sechste Androhung des DEIG ohne vorherige Bedrohung und Selbstgefährdung erfolgt", so die Forscher. Das geschehe zum Beispiel, um "langwierige gewaltfreie Bemühungen" zu vermeiden oder aus Selbstschutz vor "körperlichen Auseinandersetzungen". 

Der Taser ist nach Meinung von Amnesty International keine schonende Waffe, sondern kann schwerwiegende körperliche Schäden anrichten und sogar zum Tod führen. Besonders gefährdet seien Gruppen wie Schwangere, Kinder und Jugendliche oder Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen. Weitere Risikofaktoren seien Vorschädigungen des Herz-Kreislauf-Systems, psychische Ausnahmesituationen oder der Einfluss von Alkohol und Drogen.

Die Menschenrechtsorganisation sieht zudem ein hohes Missbrauchsrisiko wegen der unterschätzten Gefährlichkeit der Waffe. Der Taser solle deshalb nur in Situationen eingesetzt werden, "in denen andernfalls die Anwendung tödlicher Gewalt nötig wäre".