FC 05 Schweinfurt - FC Memmingen (Samstag, 14 Uhr) Jesses, Timo Wenzel wird technisch: "Wir müssen unsere ID dem Spiel aufdrücken." ID? "Das, wofür Schweinfurt steht." Das wünscht sich der Schweinfurter Trainer für das Heimspiel des FC 05 gegen den FC Memmingen. Nach der Pokal-Sause gegen Ingolstadt am Dienstagabend gelte es nämlich, vier Tage später gegen den Tabellenfünfzehnten umzudenken: "Das wird ein komplett anderes Spiel für uns, da müssen wir höllisch aufpassen." Und, ob die Nullfünfer wollen oder nicht, die Favoritenrolle annehmen.

Der größte Unterschied zum Vergleich mit dem Drittliga-Dritten sei der Umstand, dass die Allgäuer derzeit dringend punkten müssen. Sagt Amar Suljic, der gegen Ingolstadt zum 1:0 getroffen hatte. "Es ist nicht realistisch, das Memmingen da unten steht. Für mich gehört diese Mannschaft ins obere Drittel. Aber wir haben diese Serie von acht Siegen." Nun, eine Halbserie hat der FCM freilich auch, denn nach den vier Auftakt-Niederlagen verlor man von den vergangenen fünf Punktspielen nur das gegen Fürth, gewann aber gegen Eichstätt und in Burghausen.

Suljic versucht, die Kräfteverhältnisse unaufgeregt einzuordnen. "Wir müssen auf dem Boden bleiben. Erreicht haben wir noch nichts", sagt der 21-jährige Flügelflitzer, der in der Ingolstadter U 23 und Bundesliga-U-19 auch schon Mittelstürmer und Zehner war. Und in die Dritte Liga will. Am besten nach dieser Saison mit dem FC 05, bei dem er einen Einjahresvertrag besitzt. "Ich hatte den Traum, es noch früher zu schaffen, aber wenn wir weiter so spielen, sieht es gut aus, dass wir am Ende da stehen, wo wir jetzt stehen" - auf Platz eins. Und dann könne er sich eine Fortsetzung des Engagements wohl vorstellen, denn "für mich ist Schweinfurt schon was anderes als alles bisher. Der Verein ist sehr professionell. Die anderen jungen Spieler und ich wollen etwas Besseres für den Verein schaffen - und auch für uns selbst."

Der "Glücksgriff", wie Wenzel nach dem Pokalsieg Suljic nannte, gilt als großes Talent mit ziemlich gesichertem Entwicklungpotenzial. Auch, oder gerade weil er so lernwillig ist: "Egal wie alt man ist, man kann im Leben und im Sport immer dazulernen." So wisse er selbst, dass sich Angreifer wie er nicht nur auf Tore fokussieren dürfen. "Wenn wir vorne so wenig wie möglich nach hinten durchlassen, reicht es, wenn wir ein paar Tore machen." Dass Suljic einen nicht ganz glücklichen Einstand hatte in Schweinfurt, schreibt Wenzel auch einer Schambein-Entzündung zu. "Er hat sich erst akklimatisieren müssen, das aber sehr gut gemacht."

Der Coach lobt den 1,85-m-Stürmer inzwischen über den grünen Klee: "Er ist laufstark, hat eine ausgezeichnete Technik, eine hohe Schnelligkeit und einen guten linken Huf" - hört sich nach dem kompletten Stürmer an, wenn da nicht noch Schwächen "beim finalen Pass" (Wenzel) wären. "Aber er tut unserem Spiel in jedem Fall sehr gut."

Spieler mit den Anlagen von Suljic haben auch die Memminger - links wie rechts. So, dass Wenzel Respekt hat vor deren Flügelspiel. Dem will er die Basis nehmen, indem seine Mannschaft früh attackiert. Gegen Ingolstadt hatte diese Balance aus Draufgehen und sich im Block zurückzuziehen hervorragend funktioniert. Neben den Langzeitverletzten Ronny Philp und Emir Bas sowie dem am Montag operierten Lukas Ramser (Innenband/Meniskus) wird auch Innenverteidiger Lamar Yarbrough fehlen. Seine Verletzung vom Dienstag stellte sich als Riss des Syndesmosebands heraus, er wird ebenfalls operiert und fällt wohl zehn Wochen aus. Für ihn spielt Stefan Kleineheismann.

Derweil bescherte die Auslosung des Pokal-Viertelfinales den Schweinfurtern einen bekannten Gegner aus der Liga: Viktoria Aschaffenburg. Das Unterfranken-Derby wird Anfang Oktober (genauer Termin noch unbekannt) ausgetragen. Wenzel: "Ein 50:50-Spiel." Michael Bauer