Historischer Machtwechsel: Nürnberg hat die SPD bei der OB-Stichwahl spektakulär abgewählt. Erst zum zweiten Mal in der langen roten Nachkriegsgeschichte schickt die Frankenmetropole mit dem 39-jährigen Marcus König einen schwarzen CSU-Kandidaten auf den Chefsessel im Rathaus. Nach dem ersten Wahlgang vor 14 Tagen hat König bereits knapp die Nase vorn gehabt. In der Stichwahl am Sonntag hat sich der bisherige CSU-Fraktionsvorsitzende mit rund 52 Prozent endgültig gegen den SPD-Kandidaten Thorsten Brehm durchgesetzt.  

Nach der „Sensation“ fragen sich verwundert viele Kommentatoren, wie König dieser Coup in der traditionellen Hochburg der Sozialdemokraten gelingen konnte? Die Antwort auf diese Frage müsste wohl zuallererst lauten: König hat die Außenseiterrolle von Anfang an selbstbewusst ausgefüllt. Von einer „historischen Chance“ für die CSU hat König gleich zu Beginn gesprochen, als der 59-jährige Daueramtsinhaber Ulrich Maly (SPD) vor einem Jahr völlig überraschend und aus freien Stücken den selbstgewählten Vorruhestand einer sicheren Wiederwahl vorgezogen hatte.

König folgt auf Maly: CSU-Mann trotzt scheinbarer SPD-Übermacht

König hat sich auch nicht von der scheinbaren Übermacht der „Roten“ in ihrer vermeidlichen Hochburg einschüchtern lassen, als der 35-jährige Brehm den Nürnbergern in allen Posen von jeder Straßenecke zuwinkte. „Geld gewinnt keine Wahlen“, hat König diese seltsam ängstlich wirkende Mega-Wahlkampfbudget der SPD kommentiert, die mit rund 900.000 Euro das Dreifache in das Rennen um die Maly-Nachfolge gesteckt haben sollen. 

Nach der endgültigen Niederlage am Sonntag hat Maly immerhin in aller vornehmen Bescheidenheit eingeräumt, dass die historische Wahlschlappe auch „eine kleine Niederlage“ für Maly selbst sei. Diese seltsame Atmosphäre aus Überheblichkeit und Gelassenheit hat Marcus König mit seinem Wahlkampf in all seine Einzelteile zerlegt. Zurück lässt Maly eine SPD-Hochburg, die nicht nur den Chefsessel im Rathaus sondern auch die Mehrheit im Stadtrat an König und seine CSU verloren hat.  

"Sympathisches Kämperherz": König stellt Mitbewerber in den Schatten

„Mehr Mut und mehr Ideen“ hat König für Nürnberg im Hinblick auf eine offensichtlich mit sich selbst zu sehr beschäftigte Sozialdemokratie gefordert. „Nicht alles anders, aber vieles besser“ als Maly will König nun machen, der als „sympathisches Kämpferherz“ auch und besonders mit seiner Persönlichkeit die übrigen Mitbewerber in den Schatten gestellt hat. 

Die Nürnberger haben sich für einen jungen Familienvater entschieden, der Marathon-Strecken mit eigenen Füßen bewältigen kann und in seiner beeindruckenden schulischen sowie beruflichen Karriere vom Mittelschüler zum Bankdirektor offensichtlich wieder gefragte Tugenden wie Ehrgeiz, Durchsetzungskraft und Führungsqualitäten unter Beweis gestellt hat. Die Wähler haben eine gute Entscheidung getroffen, über die sich König „voller Demut“ gemeinsam mit allen Nürnbergern zu Recht freuen darf.