An mehreren Übergabeorten: Seniorin übergibt 600.000 Euro an "Herrn Weber"

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Die Seniorin übergab insgesamt 600.000 Euro an die Betrüger.
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sabinevanerp/pixabay (Symbolbild)

Mehrere Betrüger erbeuteten von einer Seniorin mit geschickter Gesprächsführung und unter Vortäuschung eines vermeintlich tödlichen Unfalls rund 600.000 Euro

Von einem krassen Fall von Telefonbetrug, der in mehreren Schritten erfolgte, berichtet die Polizei Mittelfranken. Am Mittwoch, 16. Februar 2022, rief zunächst ein Betrüger bei einer Seniorin in Stein (Landkreis Fürth an) an und gab sich als Polizeibeamter aus. Der Anrufer stellte sich der Frau als „Herr Weber“ vor und behauptete, der Sohn der älteren Dame hätte einen Verkehrsunfall verursacht, bei dem ein 17-jähriges Mädchen verstorben sei. Der vermeintliche Polizeibeamte forderte für eine angebliche Kaution 65.000 Euro.

Die Seniorin habe aufgrund der Aussagen des Mannes unter Schock gestanden und glaubte dem Betrüger. Sie begab sich mit ihrem Auto nach Neumarkt (Oberpfalz) und übergab gegen 15.25 Uhr den geforderten Geldbetrag. Der Betrüger hatte ihr telefonisch die Adresse eines vermeintlichen Gerichts genannt, zu der sie sich begeben solle.  Als die Frau dort angekommen war und das Gebäude nicht finden konnte, wurde ihr von dem immer noch in der Telefonleitung wartenden Betrüger erklärt, dass "dies kein Problem“ sei. Ein Gerichtsdiener würde das Geld abholen kommen. Kurze Zeit später tauchte der vermeintliche Gerichtsdiener an dem Auto der Frau auf und sie übergab ihm das Geld.

Betrüger forderten "Wiedergutmachungsgeld" für vermeintlichen tödlichen Unfall

Als die Seniorin wieder zu Hause angekommen war, erhielt sie erneut einen Anruf von "Herrn Weber". Der teilte ihr mit, dass neben der übergebenen Kaution auch noch "Wiedergutmachungsgeld" für die Familie des getöteten Mädchens zu zahlen sei. Er forderte einen Geldbetrag von 285.000 Euro. Die Frau zeigte sich auch mit dieser Forderung einverstanden und machte sich auf den Weg nach Nürnberg, wo die zweite Übergabe stattfinden sollte. Auf dem Weg dorthin wurde sie von der vermeintlichen Polizei noch einmal angerufen und nach Würzburg beordert. Dort übergab sie gegen 20.30 Uhr die geforderten 285.000 Euro.

Wieder zu Hause angekommen, wurde die Seniorin abermals von "Herrn Weber" kontaktiert. Der über gab das Telefongespräch dieses Mal an einen vermeintlichen "Herrn Ludwig" von der Generalstaatsanwaltschaft. Auch hier handelte es sich um einen Betrüger und Komplizen von "Herrn Weber". Der vermeintliche Staatsanwalt erklärte der Dame, dass der übergebene Geldbetrag viel zu gering sei. Für eine minderjährige Frau müsse mehr Geld bezahlt werden, dies sei von der Polizei falsch kommuniziert worden. "Herr Ludwig" forderte weitere 450.000 Euro.

Da die Frau erklärte, sie habe lediglich weitere 250.000 Euro, erklärte sich ihr Gegenüber einverstanden und es wurde ein Übergabeort im Nürnberger Norden vereinbart. Hier wurde die Dame auf dem Weg noch einmal umgelotst, sodass die dritte Übergabe dann gegen 0.20 Uhr im Bereich Nürnberg-Langwasser stattfand. In einem letzten Telefonat mit den Betrügern nach der Übergabe teilten ihr die Täter mit, sie werde am nächsten Morgen vom Gericht angerufen, um das weitere Vorgehen zu besprechen. Da dieser Anruf jedoch nie zustande kam, nahm die Frau Kontakt zu ihrem Sohn auf. Der erklärte ihr, dass es ihm gut gehe und er nie einen Unfall gehabt habe.

Betrüger erbeuteten mehr als eine halbe Million Euro

Insgesamt wurde die Frau am Mittwoch, 16. Februar 2022, mehrmals von  unterschiedlichen Personen angerufen. Diese gaben sich jeweils als Polizeibeamte bzw. Staatsanwälte aus. Die Dame wurde durch geschickte Gesprächsführung dazu bewegt, in drei verschiedenen Städten insgesamt 600.000 Euro an vollkommen unbekannte Personen zu übergeben. In einem ersten Gespräch mit einem Beamten der ermittelnden Kriminalpolizei erklärte die Geschädigte, sie sei nach der Mitteilung über den Unfall ihres Sohnes in einer Art Schockzustand gewesen. Die Täter hätten ihr keinen Anlass zum Zweifeln gegeben, da sie äußerst seriös auf sie wirkten, in akzentfreiem Deutsch mit ihr sprachen und für sie zu keiner Zeit irgendwelche Widersprüche erkennbar waren.

Die Täter hätten sie fast durchgehend in der Telefonleitung gehalten und ihr eingebläut, sie dürfe niemanden etwas erzählen, da dies gegen datenschutzrechtliche Regelungen verstoßen würde. Getrieben von der Angst um ihren Sohn, tat die Geschädigte alles, was ihr aufgetragen wurde. Bankmitarbeiter, die aufgrund der hohen Abhebesummen hätten hellhörig werden können, waren nicht involviert.