Wer spielt nächste Saison in der Fußball-Bundesliga? Der 1. FC Nürnberg oder Eintracht Frankfurt? Am Montagabend (20.30 Uhr, live in der ARD) fällt im mit 50 000 Zuschauern ausverkauften Grundig-Stadion die Entscheidung. Fränkische Leidenschaft oder hessische Qualität?

Es ist nach dem Hinspiel-1:1 eine 50:50-Angelegenheit zwischen zwei Traditionsklubs, deren Fans nicht das beste Verhältnis pflegen und sich im ersten Akt daneben benommen haben.

Eine Angelegenheit auch, die durch den Wirbel um die Krebserkrankung des Frankfurters Marco Russ sowie unbedachte Nürnberger Äußerungen zusätzliche Brisanz erfahren hat.

Und eine Angelegenheit, bei der es um viel Geld geht: Der FCN spielt um ein Plus an TV-Geldern in Höhe von 16,7 Millionen Euro, Frankfurt droht der Verlust von 22,4 Millionen. Kein Wunder, dass Club-Boss Thomas Grethlein sagt: "Unsere Konsolidierungslinie würde uns beim Aufstieg deutlich leichter fallen." Schließlich droht beim Nichtgelingen ein Ausverkauf.

Klar, rechnerisch bringt dieses 1:1 dem Club einen Vorteil: Frankfurt muss ein Tor schießen, um überhaupt wieder im Geschäft zu sein. Ist's der Fall, braucht's nicht viel, und auch das Rückspiel wird zu einer zweiten Abnutzungsschlacht. Dann wird es eine Kraftprobe, denn spurlos dürfte die erste nicht am Zweitligisten vorbei gegangen sein. "Es wird ein schwieriges Spiel", sagt FCN-Stürmer Guido Burgstaller. "Wir dürfen uns auf keinen Fall zurücklehnen und müssen wieder kompakt stehen."

Eine Neuauflage der Variante, ohne Torschuss, dafür mit unzähligen Befreiungsschlägen auszukommen, wird er kaum meinen. Torwart Raphael Schäfer, der seine Erfahrung aus vier gewonnen Relegationsspielen mit dem Club hintenanstellt ("Das ist kein Vergleich zu früher, wir treffen hier auf eine sehr gute Mannschaft mit viel Qualität") fordert: "Wir werden wieder tief stehen, müssen aber Nadelstiche setzen. Zu Hause sind unsere jungen Spieler, für die diese Atmosphäre in Frankfurt schon was Besonderes war, mit Stadion und Kulisse vertraut. Wir wollen unseren Fans den Fußball zeigen, den sie aus Nürnberg kennen."

Konterfußball also, den die Nürnberger über ihre schnelle Außen und die nimmermüden Dauerläufer Burgstaller und Niclas Füllkrug auch können. Trainer René Weiler spricht nach dem 1:1 von "einer guten Ausgangsposition", warnt aber auch: "Noch ist nichts gewonnen. Es ist alles offen, es ist ein Endspiel." Bei der Rechnung, dass ein 0:0 reichen würde, winkt der Club-Coach ab: "Auf ein 0:0 kannst du nicht spielen, Frankfurt wird offensiver spielen als sonst in Auswärtsspielen."

Weiler vertraut weitgehend demselben Personal wie am Donnerstag, will maximal auf ein oder zwei Positionen korrigieren. Das heißt, dass auch der leicht angeschlagene Freistoß-Spezialist Sebastian Kerk wieder einsatzbereit ist.


Russ bleibt dem Spiel fern

Bei der Eintracht war man unterdessen bemüht, die Aufregung um den an Hodenkrebs erkrankten Marco Russ einigermaßen einzudämmen. Der 30-Jährige, dem das Eigentor zum 0:1 unterlaufen war, wäre nach der Gelben Karte fürs Rückspiel ohnehin gesperrt gewesen und bleibt nun am Abend vor dem Gang ins Krankenhaus sogar ganz zu Hause. "Er soll sich auf seine Operation konzentrieren", sagt der Frankfurter Trainer Nico Kovac. "Das ist jetzt das Wichtigste, dass er schnell wieder gesund wird." Für Russ rückt Carlos Zambrano in die Verteidigung.

Kovacs Glaube an den Klassenerhalt ist wieder stärker geworden: "Ich sehe das Hinspiel-Ergebnis mittlerweile viel besser. Ich bin mir sicher: Man kann auswärts in Nürnberg gewinnen. Wir wollen wieder dominant sein. Wir haben schon in den letzten Wochen bewiesen, dass wir unseren Mann stehen und schwierigen Situationen standhalten können."

Torjäger Alex Meier ("Wir müssen ein Tor schießen, das ist schwer gegen eine Mannschaft, die so tief steht"), der nach seiner langen Pause längst nicht der Alte war, wird zunächst auf der Bank bleiben. Michael Bauer