• Schwabach: Eklat um Testverweigerer beschäftigt Gymnasium
  • "Bedenkzeit": Schulleiter setzt Leon (17) letzte Frist
  • "Corona-Nazi": Direktor wird im Netz heftig beschimpft - und erhält Morddrohung
  • "Freut uns sicher nicht": Mobbingvorwürfe zurückgewiesen 

Der Eklat um Corona-Testverweigerer Leon (17) am Schwabacher Adam-Kraft-Gymnasium zieht weitere Kreise. Wie Schulleiter Harald Pinzner im Gespräch mit inFranken.de erzählt, werde er selbst wegen des möglichen Rauswurfs des 17-Jährigen heftig beschimpft - und sogar mit dem Tod bedroht. Gleichzeitig wehrt sich der Direktor Vorwürfe, die Lehrerschaft habe den Schüler gemobbt und ignoriert. 

Schüler in Schwabach verweigert Corona-Tests - Leitung entscheidet in wenigen Tagen über Rausschmiss

"Es ist ein laufendes Verfahren, weshalb ich mich nicht zu allen Details äußern kann", so Pinzner. Er könne jedoch bestätigen, dass Leon weiterhin an der Schule sei - obwohl der Schüler seit Beginn des neuen Schuljahrs keinen Fuß mehr in das Gymnasium gesetzt hat - weil er sich nicht testen (lassen) will. "Der Schüler hat noch bis Mitte November Bedenkzeit, ob er bereit ist, sich am Präsenzunterricht zu beteiligen unter der Voraussetzung, dass er die entsprechenden Tests macht", erklärt der Direktor inFranken.de

Wenn diese Zeit abgelaufen sei, werde man sich "intern und mit dem Kultusministerium abstimmen", eine Entscheidung stehe "definitiv nicht fest". Es habe aber "kein Schulleiter Interesse daran, dass Schüler kurz vor dem Abitur nicht mehr zur Schule kommen", erzählt der Direktor. Für Pinzner eine neue völlig neue Situation, wie er beschreibt. "Wir hatten solche Fälle bislang nicht, ich habe jetzt aber von anderen Schülern der fünften und achten Klasse in der Region gehört, die sich auch den Tests verweigern oder bei denen die Eltern das nicht wollen."

Pinzner wehrt sich aber gegen Vorwürfe, die Lehrerschaft habe den 17-Jährigen bewusst nicht mit Material versorgt oder gar gemobbt. "Freuen tut uns das sicher nicht. Seit dem 8. Oktober hat sich aber die Rechtsgrundlage geändert. Die Schule ist seitdem nur im Rahmen der organisatorischen und personellen Ressourcen verpflichtet, Unterlagen zu stellen, wenn jemand unverschuldet nicht am Präsenzunterricht teilnimmt."

Schwabacher Schuldirektor mit Gewalt bedroht - "Corona-Nazi"

Allerdings habe er erst am Montagmorgen (8. November 2021) mit einer Lehrkraft gesprochen, "die ihm seine Unterlagen immer zur Verfügung gestellt hat - und sie ist nicht die einzige". Dass "manche Kollegen nicht nachvollziehen können, dass er wegen der Tests nicht kommt, sei aber "sicher der Fall", so Pinzner. 

Er wünsche sich vor allem eines: "Ich hoffe, dass wieder Frieden einkehrt", sagt der Schulleiter. Denn seitdem die Geschichte um Leon öffentlich gemacht wurde, ist Harald Pinzner auch persönlich betroffen, wie er erzählt. "Ich wurde im Netz unter anderem als 'Corona-Nazi' beschimpft. In einem Kommentar habe es sogar geheißen: "Wenn Sie der Lehrer meiner Kinder wären, würden Sie es nicht bis in den Gerichtssaal schaffen."

"Ich sehe das als Morddrohung und habe auch Strafanzeige gestellt", so Pinzner. Das "Kollegium und auch die Schülersprecher" ständen währenddessen zu "100 Prozent hinter dem Vorgehen der Schulleitung", sagt der Direktor in Schwabach. Und doch hat er die Hoffnung nicht aufgegeben, dass Leon zurückkehrt. "Wenn jemand in der fünften Klasse bei uns anfängt, dann wollen wir auch, dass er am Ende seinen Abschluss an unserer Schule macht."

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