• Bundestagswahl 2021: Olaf Scholz (SPD) hält Wahlkampfrede in Nürnberg
  • Kanzlerkandidat spricht über Steuern, Mindestlohn und Klimawandel
  • Scharfe Attacke gegen möglichen Koalitionspartner FDP: Pläne "unfinanzierbar"
  • Scholz warnt vor Armin Laschet (CDU) - "nicht die Regierung dieses Landes anvertrauen"

Nürnberg: Im Rahmen des Bundestagswahlkampfes hat SPD-Kanzlerkandidat und Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) am Sonntagvormittag (19. September 2020) auf der Wöhrder Wiese eine Rede gehalten. Mit ungewohnt scharfen Worten griff der sonst eher staatsmännisch auftretende Scholz den möglichen Koalitionspartner FDP an - und warnte eindringlich vor Armin Laschet (CDU) als künftigem Bundeskanzler. 

Olaf Scholz kurz vor der Bundestagswahl in Nürnberg - heftige Attacke auf FDP 

Scholz wurde von einem euphorischen Redner bereits als "künftiger Kanzler der Bundesrepublik Deutschland" empfangen, was dem 63-Jährigen sichtlich schmeichelte. Unter tosendem Applaus der örtlichen SPD-Anhänger versuchte sich der Kanzlerkandidat gleich zu Beginn seiner Rede in Klartextansagen. "Es wird keinen neuen Lockdown geben, wir werden sicherstellen, dass Präsenzunterricht stattfinden kann", rief Scholz ins Mikrofon. Er lobte die Impfstoff-Forschung in Deutschland und die Corona-Politik der Bundesregierung

"Wir haben mit der Kurzarbeit zwei Millionen Jobs gerettet", erklärte der Sozialdemokrat. Gleichzeitig habe man mit 400 Milliarden Euro aber auch "ziemlich viele Schulden gemacht". Scholz schätzt, dass es vermutlich um die zehn Jahre dauern werde, "um da wieder rauszukommen". In diesem Zuge griff der in allen Umfragen Führende auch die FDP mit ungewöhnlich scharfen Worten an. Auf dem FDP-Parteitag hatte Parteichef Christian Lindner erst am Wochenende bekundet, lieber in eine CDU-geführte Jamaika-Regierung eintreten zu wollen - selbst wenn die SPD gewinne. 

"Es ist eine sehr merkwürdige Idee von CDU/CSU und FPD, zu sagen, in dieser Situation brauchen Leute, die so viel verdienen wie ein Bundesminister oder gar viel mehr, eine Steuersenkung, die uns Jahr für Jahr 30 Milliarden Euro kostet", schimpfte Scholz vor Publikum. Das sei "unfinanzierbar, unsolidarisch und völlig aus der Zeit gefallen". 

"Darf man nicht die Regierung unseres Landes anvertrauen": Scholz greift Laschet an 

"Respekt" und "Zusammenhalt" hatte der Kanzlerkandidat als übergreifende Schlagworte seiner rund halbstündigen Rede gewählt. Er warb für die Kindergrundsicherung und versprach, "auch in Bayern" werde in "spätestens zehn Jahren" der Ganztag in alle Grundschulen einziehen. Gleichzeitig versprach Scholz keinen weiteren Anstieg des Renteneintrittsalters und "ein stabiles Rentenniveau in Deutschland". Der Mindestlohn werde bei einem Anstieg auf 12 Euro gleichzeitig "eine Gehaltserhöhung für 10 Millionen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer" bedeuten. Der 63-Jährige forderte, die Politik müsse dafür sorgen, dass mehr Branchen zu Tariflöhnen zurückkehrten.

"Global erfolgreiche Unternehmen zahlen auch gute Löhne", sagte Scholz. Deshalb sei es eine "ganz klare Aufgabe", Forschung und Entwicklung in Deutschland zu fördern, um Abwanderung und Konkurrenzdruck zu verhindern. Beim Klimawandel versuchte Scholz - ähnlich wie Annalena Baerbock vor wenigen Wochen in Bamberg - seine Partei als Versteherin der Unternehmensnöte zu präsentieren. "Unser Wohlstand beruht seit 250 Jahren Industriegeschichte auf Kohle, Gas und Öl." Alleine die Chemieindustrie benötige bei CO2-Neutralität bis 2045 "so viel Strom wie ganz Deutschland heute". Dabei griff Scholz auch seinen politischen Gegner Armin Laschet direkt an. Der habe immer wieder verneint, dass das Land mehr Strom brauche und sei erst kürzlich eingelenkt.

"Leuten, die bei der wichtigsten industriellen Frage Deutschlands nicht begriffen haben, worum das geht, darf man nicht die Regierung dieses Landes anvertrauen", so Scholz. Kurz vor dem Ende seiner Rede wurde Scholz von einem Störer unterbrochen, der offensichtlich zu Anhängern der hungerstreikenden Klimaaktivisten gehörte. Scholz versprach ein persönliches Gespräch nach der Wahl und bat, den Streik abzubrechen. Der Störer wurde vom Gelände begleitet. Im Anschluss versetzte der Kanzlerkandidat noch den "unseren besten Freunden von den Grünen" einen Seitenhieb. Man wolle gemeinsam regieren, aber nur "12 Windräder in Baden-Württemberg im letzten Jahr waren nicht der Hit". Zu möglicher Ampel und Rot-Rot-Grün schwieg sich Scholz jedoch aus. 

Lest auch: Die Bundestagswahl 2021 in den Nürnberger Wahlkreisen - Alle Kandidaten und ihre Ziele in der Übersicht